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Hauptverbandsvorsitzende Rabmer-Koller fordert, dass in der medizinischen Versorgung das Geld der Leistung folgen muss


15. Februar 2016


Gebarungsergebnis der KV-Träger 2015 mit leichtem Aufwärtstrend. Finanzausgleich wird entscheidender Schritt zu einer fairen Lastenverteilung.


„Die Gebarungsergebnisse aller Krankenkassen für das Gesamtjahr 2015 zeigen eine leichte Erholung der finanziellen Situation der Sozialversicherung. Die Maßnahmen zur Kostendämpfung wirkten sich besonders in der zweiten Jahreshälfte positiv aus und drückten das Defizit in der gesamten Krankenversicherung von ursprünglich prognostizierten 129 Mio. Euro Defizit (Februar 2015) auf letztlich 22 Mio. Euro – bei einem Gesamtbudget von 17,1 Mrd. Euro“, so die Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, zu den heute veröffentlichten Gebarungsergebnissen der Krankenversicherung.

 

Auch wenn ein leichter Aufwärtstrend erkennbar ist, bleibt die Lage mehr als angespannt. In Umsetzung der Gesundheitsreform sollen mehr Leistungen aus dem stationären in den niedergelassenen Bereich verlagert werden. Die Verringerung der stationären Spitalsaufenthalte ist ein zentrales gesundheitspolitisches Ziel. Das heißt aber auch, dass auf die soziale Krankenversicherung steigende Kosten für die medizinische Versorgung zukommen. Die aktuellen Prognosen für das Jahr 2016 bilden diese Entwicklung bereits ab und zeigen einen erneuten Anstieg des Gebarungsabgangs aller Krankenversicherungen auf prognostizierte 94 Mio. Euro. Für Rabmer-Koller ist deshalb klar: „Geld muss Leistung folgen. Wir brauchen eine faire Verteilung der Mittel zwischen Bund, Ländern und der Sozialversicherung. Die laufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich müssen diese Leistungsverlagerung entsprechend berücksichtigen.“

 

Die Hauptverbandschefin appelliert auch an alle Systempartner im Gesundheitswesen: „Wir können Verbesserungen in der medizinischen Versorgung der Menschen nur schaffen, wenn wir Innovationen zulassen, dabei zu gemeinsamen Ansätzen finden und die reflexartige Blockadehaltung bei jeder Weiterentwicklung endlich aufhört. Wohnortnahe Versorgung, patientengerechte Öffnungszeiten, neue Praxismodelle, die der Ärzteschaft mehr Flexibilität geben – all das können wir umsetzen. Geben wir dem System der Primärversorgung eine Chance, sich zu bewähren.“ Pilotprojekte könnten insbesondere in unterversorgten Regionen eine spürbare Verbesserung bringen und die Stärken des niedergelassenen Bereiches bündeln, so Rabmer Koller.

 

Die größten Kostensteigerungen in der Krankenversicherung waren 2015 in den Leistungsbereichen Zahnbehandlung (+5,6%) und Medikamente (+5,4%) zu verzeichnen. Dies sei vor allem auf die Einführung neuer Medikamente und Leistungen zurückzuführen – etwa das neue Hepatitis-Präparat, die Einführung der Gratis-Zahnspange bei erheblicher Zahnfehlstellung, sowie eine neue vertragliche Basis für die Flugrettung mit Kosten- und Rechtssicherheit für die Versicherten. Rabmer-Koller: „Wir werden auch in Zukunft ein Augenmerk auf die Ausgabenseite legen und weitere Kostendämpfungsmaßnahmen und Effizienzsteigerungen umsetzen. Eine schnelle Einigung bei der Teilarbeitsfähigkeit und der Wiedereingliederung nach langen Krankenständen würde für die Krankenkassen positive Effekte bringen.”

 

Insgesamt stiegen die Versicherungsleistungen 2015 um 5,3%, die Beitragseinnahmen jedoch nur um 3,7%. 2016 wird die Steigerung hier mit 2,5% noch geringer ausfallen. "Deshalb müssen wir neben der Ausgabenseite auch die wirtschaftliche Entwicklung im Auge behalten. Wir brauchen hier auch Impulse für mehr Wachstum und Beschäftigung. Wer Arbeitsplätze schafft bzw. wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, der bezahlt seinen Beitrag – unsere solidarische Krankenversicherung basiert auf diesem einfachen Rezept und so soll es auch bleiben“, erklärt Rabmer-Koller abschließend.

 

Der Hauptverband ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs. Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,5 Millionen Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte Angehörige).