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Flugrettung

Neuer Vertrag zwischen Sozialversicherung und Flugrettungsbetreibern bringt Kostensicherheit für Unfallopfer

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Österreich besitzt eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Dies trifft auch auf das Rettungswesen, sowohl bodengebunden als auch im Bereich der Flugrettung zu.

Internationale Vergleiche zeigen, dass in Österreich mit bis zu 38 Standorten (im Winter) das dichteste Flugrettungssystem besteht.

 

Die gesetzliche Zuständigkeit für das gesamte Rettungswesen, also auch für die Flugrettung, liegt bei den Ländern. Diese müssen Vorsorge für die Bereitstellung der benötigten, geeigneten Rettungsmittel treffen.

Hingegen haben die Sozialversicherungsträger den gesetzlichen Auftrag, den Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss zu den entstandenen Transportkosten zu leisten. Dieser Zuschuss ist einheitlich für alle SV-Träger in der Mustersatzung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger festgelegt und beträgt ab dem 1. Juli 2015 zwischen € 894,93 bis € 1.913,07 pro Einsatz. Die Satzung sieht für die Flugrettung Tarife vor, die die Kosten häufig nur zu einem Teil abdecken.



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Infografik Ausgaben Flugrettung

Jährlich gibt die Sozialversicherung rund 10 Mio. Euro für Rettungsflüge aus

 Mit 23.000 Flügen pro Jahr ist die Zahl der Flugrettungseinsätze in den vergangenen Jahren ziemlich konstant geblieben. Etwas mehr als 40 Prozent davon werden von der Sozialversicherung zur Abrechnung übernommen. Pro Jahr gibt die Sozialversicherung dafür rund 10 Millionen Euro aus.


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Kostensituation für Unfallopfer bisher unbefriedigend

Seit dem Jahr 1996 bestehen mit den Flugrettungsbetreibern in Österreich keine vertraglichen Regelungen. In den vergangenen 20 Jahren haben zwar regelmäßig Gespräche stattgefunden, es konnte jedoch nie Übereinstimmung zum Abschluss einer Vereinbarung erzielt werden.

Das bei der Niederösterreichische Gebietskrankenkasse eingerichtete Competence Center Transportwesen (CC TW) hat im Jahr 2008 ein Konzept für eine österreichweite Flugrettung erarbeitet. Dieses wurde dem Bundesministerium für Inneres (BMI) sowie Vertretern der Bundesländer präsentiert. Eine österreichweite Lösung scheiterte im Jahr 2010 am Widerstand der Bundesländer.

Es gibt daher seit nunmehr zwei Jahrzehnten den für die Sozialversicherung äußerst unbefriedigenden Zustand, dass vertragliche Regelungen für diesen, für die Patienten doppelten Hochrisikobereich (medizinisch und finanziell) fehlten.



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Neue Vereinbarung bringt Kostensicherheit

Im Jahr 2014 haben sich die österreichischen Flugrettungsbetreiber zur „Interessensgemeinschaft Notarzthubschrauber“ (IG-NAH) zusammengeschlossen. Nach konstruktiven Verhandlungen mit der IG-NAH konnte nunmehr der Entwurf einer Direktverrechnungsvereinbarung finalisiert werden; dem die Trägerkonferenz des Hauptverbandes am 9. Juni 2015 zugestimmt hat.

Demnach gehört ab 1. Juli 2015 eine oftmals entstandene Kostensituation für Unfallopfer nach einer Bergung mit dem Hubschrauber der Vergangenheit an. Die Sozialversicherung und die IG-NAH haben eine Vereinbarung zur Direktverrechnung erzielt, die alle Unsicherheiten hinsichtlich der Kostenübernahmen nach Hubschrauber-Rettungsflügen im Interesse der Geretteten beseitigt. 

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Inhalte der neuen Vereinbarung

Die wesentlichen Inhalte sind:

  • Erstmals sind alle Betreiber - vom Christophorus Flugrettungsverein des ÖAMTC mit Schwerpunkt in Ostösterreich bis zur SchenkAir GmbH. In Vorarlberg - und alle 38 Standorte bundesweit umfasst
  • Es ist eine sozial verträgliche Flugrettung sichergestellt. Mit Ausnahme von Unfällen in Ausübung von Sport und Touristik am Berg gibt es künftig keine finanzielle Belastung mehr für die Versicherten
  • Die Anforderung hat durch überregionale Leitstellen zu erfolgen, die es mittlerweile in allen Bundesländern gibt. Die Disposition erfolgt nach einem standardisierten Abfrageschemata
  • Eine Kostenübernahme erfolgt grundsätzlich bei Vorliegen einer Indikation von NACA 4 – 6 laut Notarztprotokoll. Der NACA-Score (National Advisory Comitee for Aeronautics) ist ein internationaler siebenteiliger Index zur Beurteilung des Schweregrades einer Erkrankung bzw. Verletzung und damit der medizinischen Notwendigkeit eines Flugrettungstransportes.
  • Die bisherige chefärztliche ex-post-Bewilligung der Sozialversicherung wird ausgesetzt.
  • Zur Behandlung strittiger Fälle wird zwischen Sozialversicherung und der IG-NAH eine Clearingstelle eingerichtet.
  • Mit Wirkung ab 1. Juli 2015 bzw. ab 1. Juli 2017 werden in insgesamt zwei Schritten die Tarife um insgesamt 10,37 Prozent erhöht.