DRUCKEN

Ärzteschwemme vs Ärztemangel in Österreich

Arzt_weinen_oder_lachen.jpg

up

Eine Analyse der medialen Öffentlichkeit der vergangenen 20 Jahre


Im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger
wurde von APA-DeFacto eine objektive quantitative Präsenzanalyse erarbeitet,
welche die medial geführten Diskurse der Themen Ärzteschwemme und Ärztemangel in Österreich zwischen 1. Jänner 1995 und 14. Dezember 2014 abbildet.


Als zugrundeliegendes Mediensample wurden alle österreichischen Tageszeitungen,
Wochenzeitungen und Magazine aus dem Bestand der Datenbanken von APADeFacto herangezogen. Die Präsenzanalyse basiert auf einer Recherche des
Begriffspaares Ärzteschwemme und Ärztemangel (inkl. Wortkombinationen,
Synonyme und signifikanter Verknüpfungen). Die damit einhergehenden Akteure
wurden anhand automatischer Suchläufe herausgearbeitet und fünf vorweg
definierten Akteursgruppen zugeordnet: Hauptverband inkl. aller Trägerorganisationen, Ärztekammern in Österreich, politische Akteure, Medizin-Universitäten sowie Patientenvertretungen. Über diese definierte Präsenzerhebung hinaus wurden Co-Occurrence-Personenakteure bzw. Geodaten der medialen Berichterstattung erhoben. Abgerundet wird die quantitative Präsenzanalyse durch eine Einbettung der Diskurse in medial transportierte Politikfelder und Sachthemen.


Hier finden Sie den Artikel, erschienen in  der Ausgabe Mai 2015 der Fachzeitschrift "Soziale Sicherheit", zum Download:

linkArtikel_Mediaanalyse_Soziale Sicherheit (665.0 KB)



up

Ärztemangel oder Nachbesetzungsprobleme bei Arztstellen:
Nur ein semantischer Unterschied?


In Österreich liegen die Phänomene „Ärzteschwemme“ und „Ärztemangel“ eng beieinander bzw. lösen sich scheinbar nahtlos ab.

Auf den ersten Blick scheint dies das Ergebnis von Fehleinschätzungen der interessengeleiteten Darstellungen zu sein. Eine nähere Betrachtung zeigt hingegen, dass die insbesondere zwischen 1995 und 2001 diskutierte Ärzteschwemme den jetzt bestehenden „Ärztemangel“ bzw. die Nachbesetzungsprobleme maßgeblich mitverursacht hat.

Das erheblich gestiegene Ärzteangebot wurde vom Sachleistungssystem (insbesondere den Krankenhäusern, aber auch vom Vertragsarztbereich) aufgenommen und hat dort zu einer Versorgungsdichte geführt, die mit dem zukünftig vorhandenen Angebot zu leistbaren Bedingungen nicht mehr abgedeckt werden kann.

Diese Diskrepanz zwischen dem (zu hohen) Nachbesetzungsbedarf und den (zu
wenigen) Ärzten, die bereit sind, im Sachleistungssystem zu arbeiten, kann nur beseitigt werden, indem einerseits die Organisation und die Strukturen so verändert werden, dass weniger Ärzte im Sachleistungssystem benötigt werden (Reduktion des Nachbesetzungsbedarfs), und andererseits, indem mehr Ärzte gewonnen werden, im Sachleistungssystem zu arbeiten (Erhöhung des Angebotes).

Die immer wieder aufgestellte Forderung nach mehr Geld und besseren Arbeitsbedingungen für die Ärzte löst das zugrunde liegende Problem mit Sicherheit nicht.


Im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger werden die Arbeiten an dieser Thematik intensiv fortgesetzt. Auf Basis einer klar definierten Problembeschreibung und daraus abgeleiteten Zielsetzungen werden Lösungsansätze erarbeitet werden, die natürlich nur mit den Systemverantwortlichen (Politik, Gesundheitsfonds, Rechtsträger von Spitälern, Interessensvertretungen von Ärzten und anderen Berufsgruppen) umgesetzt werden können.


Im Rahmen dieser weiteren Bearbeitung werden alle relevanten Zahlen und Fakten erhoben und tiefergehend analysiert werden. Hier konnte dazu nur ein kurzer Aufriss erfolgen, der aber klar zeigt, dass der Unterschied zwischen „Ärztemangel“ und „Nachbesetzungsproblemen bei Arztstellen“ keinesfalls nur ein rein semantischer ist. Hinter diesen Begriffen stehen vielmehr ganz unterschiedliche Problemstellungen, aus denen sich unterschiedliche Zielsetzungen mit unterschiedlichen Lösungsansätzen ableiten.


Hier finden Sie den betreffenden Artikel, erschienen in der Ausgabe Mai 2015 der Fachzeitschrift "Soziale Sicherheit", zum Download:

linkArtikel_Nachbesetzung Arztstellen_Soziale Sicherheit (399.3 KB)