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Gesundheitsreform


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Hauptverbands-Präsidentin Ulrike Rabmer-Koller zum aktuellen Budgetvoranschlag der Kassen für 2016

16. Mai 2016

Finanzsituation verbessert, aber weiterhin angespannt. Faire Finanzierungströme und weitere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung erforderlich.

 

Die nun vorliegende aktuelle Prognose für das Jahr 2016 zeigt mit einem geringfügigen Plus von 4 Mio. Euro eine leichte Erholung der finanziellen Situation der sozialen Krankenversicherung. Die Maßnahmen zur Kostendämpfung - insbesondere der zu Beginn des Jahres abgeschlossene Rahmenpharmavertrag im Ausmaß von 125 Millionen Euro – haben sich positiv ausgewirkt  und das noch im Februar 2016 prognostizierte Defizit in Höhe von 94 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von 17,8 Milliarden Euro in eine schwarze Null gedreht, so Ulrike Rabmer-Koller, die Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zu den aktuellsten Gebarungsergebnissen der Krankenversicherung.

 

„Auch wenn damit ein leichter Aufwärtstrend erkennbar ist, bleibt die finanzielle Situation mehr als angespannt. In Umsetzung der Gesundheitsreform, sollen mehr Leistungen aus dem stationären in den niedergelassenen Bereich verlagert werden. Da die Entlastung der Spitalsambulanzen  ein zentrales gesundheitspolitisches Ziel ist, werden auf die Sozialversicherung steigende Kosten für die medizinische Versorgung zukommen.“ Für Rabmer-Koller ist deshalb klar: „Geld muss Leistung folgen. Wir brauchen eine faire Verteilung der Mittel zwischen Bund, Ländern und der Sozialversicherung. Die laufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich müssen diese Leistungsverlagerung entsprechend berücksichtigen.“

 

Die größten Kostensteigerungen in der Krankenversicherung werden 2016 in den Leistungsbereichen Rehabilitationsgeld (+19,6%), Zahnbehandlung (+9,7 %) und Medikamente (+4,4 %) zu erwarten sein. „Wir werden auch in Zukunft ein Augenmerk auf die Ausgabenseite legen und weitere Kostendämpfungsmaßnahmen und Effizienzsteigerungen umsetzen.  An einer entsprechenden Finanzstrategie wird derzeit gemeinsam mit den Krankenkassen gearbeitet – Ziel ist es, dass jeder Sozialversicherungsträger eigenständig eine stabile, positive Finanzgebarung aufweist.

 

Im abgelaufenen Jahr 2015 sind die Versicherungsleistungen um 5,0% gestiegen, die Beitragseinnahmen jedoch nur um 3,9% , 2016 rechnen die Krankenkassen nur noch mit einer Steigerung in Höhe von 2,7 %. "Deshalb muss neben der Ausgabenseite auch die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs im Auge behalten werden. Wir benötigen hier auch Impulse für mehr Wachstum und Beschäftigung“, erklärt Rabmer-Koller abschließend.




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Rabmer-Koller zu Ärztekammer: Schaffen wir gemeinsam eine neue, gute Versorgungsform für unsere Versicherten

14. April 2016

Primary Health Care stärkt Hausarzt und allgemeinmedizinische Versorgung

 

„Die neuen Modelle zur Primärversorgung (Anm. Primary Health Care) sind keine Bedrohung sondern eine große Chance“, so Hauptverbandsvorsitzende Ulrike Rabmer-Koller heute, Donnerstag, zu den Aussagen von Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart.

 

„Mit der Primärversorgung wollen wir ein neues Leistungsangebot für unsere Versicherten schaffen und gleichzeitig das Berufsbild des Allgemeinmediziners attraktiver machen“, so Rabmer-Koller weiter. „Wenn die Menschen medizinische Betreuung brauchen, dann muss sie wohnortnah, in bester Qualität und mit längeren Öffnungszeiten zur Verfügung stehen. Ein Allgemeinmediziner allein kann seine Ordination nicht jeden Tag 12 Stunden offen halten, aber im Team mit weiteren Medizinern und anderen Gesundheitsdienstleistern können wir eine Versorgungsform etablieren, die umfassende Betreuung und patientengerechte Öffnungszeiten vor Ort bietet."

 

Rabmer-Koller hielt weiters fest, dass es gerade im städtischen Bereich auch eine Entlastung der Spitalsambulanzen brauche: „Derzeit bleibt Menschen an Tagesrandzeiten oder am Wochenende nur der Weg in völlig überlaufene Spitäler mit stundenlangen Wartezeiten. Wer dort schon einmal mit ernsten Beschwerden oder einem verletzten Kind gesessen ist, der weiß, dass wir neue Lösungen brauchen. Unsere hervorragende Ärzteschaft im niedergelassenen Bereich kann einen wichtigen Beitrag leisten, um Menschen besser und schneller zu betreuen. Bei „Primary Health Care“ geht es nicht um Zentralisierung sondern ganz im Gegenteil um eine Stärkung des Hausarztes vor Ort in den Gemeinden!“

 

„Gemeinsam mit der Ärzteschaft und der Ärztekammer können wir diese neue, wohnortnahe Versorgungsform für unsere Versicherten schaffen.“ Die laufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich müssten diese Leistungsverlagerung entsprechend berücksichtigen. Rabmer-Koller: „Das Geld muss der Leistung folgen. Um den flächendeckenden Ausbau der Primärversorgung zu gewährleisten, brauchen wir auch eine gemeinsame Lösung und faire Verteilung der Mittel zwischen Bund, Ländern und der Sozialversicherung.“

 

Geben wir dem System der Primärversorgung eine Chance, sich zu bewähren. Die bereits laufenden Pilotprojekte z.B. in Wien werden von den Patienten sehr gut angenommen und äußerst positiv beurteilt. Das zeigt, was unsere Versicherten sich erwarten und wohin der Weg gehen muss. Die bestmögliche Gesundheitsversorgung vor Ort muss unser gemeinsamer Auftrag sein“, so die Hauptverbandsvorsitzende abschließend.




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Hauptverbandsvorsitzende Rabmer-Koller fordert, dass in der medizinischen Versorgung das Geld der Leistung folgen muss

15. Februar 2016

Gebarungsergebnis der KV-Träger 2015 mit leichtem Aufwärtstrend. Finanzausgleich wird entscheidender Schritt zu einer fairen Lastenverteilung.

 

„Die Gebarungsergebnisse aller Krankenkassen für das Gesamtjahr 2015 zeigen eine leichte Erholung der finanziellen Situation der Sozialversicherung. Die Maßnahmen zur Kostendämpfung wirkten sich besonders in der zweiten Jahreshälfte positiv aus und drückten das Defizit in der gesamten Krankenversicherung von ursprünglich prognostizierten 129 Mio. Euro Defizit (Februar 2015) auf letztlich 22 Mio. Euro – bei einem Gesamtbudget von 17,1 Mrd. Euro“, so die Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, zu den heute veröffentlichten Gebarungsergebnissen der Krankenversicherung.

 

Auch wenn ein leichter Aufwärtstrend erkennbar ist, bleibt die Lage mehr als angespannt. In Umsetzung der Gesundheitsreform sollen mehr Leistungen aus dem stationären in den niedergelassenen Bereich verlagert werden. Die Verringerung der stationären Spitalsaufenthalte ist ein zentrales gesundheitspolitisches Ziel. Das heißt aber auch, dass auf die soziale Krankenversicherung steigende Kosten für die medizinische Versorgung zukommen. Die aktuellen Prognosen für das Jahr 2016 bilden diese Entwicklung bereits ab und zeigen einen erneuten Anstieg des Gebarungsabgangs aller Krankenversicherungen auf prognostizierte 94 Mio. Euro. Für Rabmer-Koller ist deshalb klar: „Geld muss Leistung folgen. Wir brauchen eine faire Verteilung der Mittel zwischen Bund, Ländern und der Sozialversicherung. Die laufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich müssen diese Leistungsverlagerung entsprechend berücksichtigen.“

 

Die Hauptverbandschefin appelliert auch an alle Systempartner im Gesundheitswesen: „Wir können Verbesserungen in der medizinischen Versorgung der Menschen nur schaffen, wenn wir Innovationen zulassen, dabei zu gemeinsamen Ansätzen finden und die reflexartige Blockadehaltung bei jeder Weiterentwicklung endlich aufhört. Wohnortnahe Versorgung, patientengerechte Öffnungszeiten, neue Praxismodelle, die der Ärzteschaft mehr Flexibilität geben – all das können wir umsetzen. Geben wir dem System der Primärversorgung eine Chance, sich zu bewähren.“ Pilotprojekte könnten insbesondere in unterversorgten Regionen eine spürbare Verbesserung bringen und die Stärken des niedergelassenen Bereiches bündeln, so Rabmer Koller.

 

Die größten Kostensteigerungen in der Krankenversicherung waren 2015 in den Leistungsbereichen Zahnbehandlung (+5,6%) und Medikamente (+5,4%) zu verzeichnen. Dies sei vor allem auf die Einführung neuer Medikamente und Leistungen zurückzuführen – etwa das neue Hepatitis-Präparat, die Einführung der Gratis-Zahnspange bei erheblicher Zahnfehlstellung, sowie eine neue vertragliche Basis für die Flugrettung mit Kosten- und Rechtssicherheit für die Versicherten. Rabmer-Koller: „Wir werden auch in Zukunft ein Augenmerk auf die Ausgabenseite legen und weitere Kostendämpfungsmaßnahmen und Effizienzsteigerungen umsetzen. Eine schnelle Einigung bei der Teilarbeitsfähigkeit und der Wiedereingliederung nach langen Krankenständen würde für die Krankenkassen positive Effekte bringen.”

 

Insgesamt stiegen die Versicherungsleistungen 2015 um 5,3%, die Beitragseinnahmen jedoch nur um 3,7%. 2016 wird die Steigerung hier mit 2,5% noch geringer ausfallen. "Deshalb müssen wir neben der Ausgabenseite auch die wirtschaftliche Entwicklung im Auge behalten. Wir brauchen hier auch Impulse für mehr Wachstum und Beschäftigung. Wer Arbeitsplätze schafft bzw. wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, der bezahlt seinen Beitrag – unsere solidarische Krankenversicherung basiert auf diesem einfachen Rezept und so soll es auch bleiben“, erklärt Rabmer-Koller abschließend.




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Sozialversicherung bekennt sich bei der Ärzteausbildung in Lehrpraxen zur Mitfinanzierung

22. Dezember 2015


Hauptverband: „Erfolgsmodell Hausarzt und Zukunftsmodell Primärversorgung brauchen die besten Nachwuchsärzte“

 

Die neuen Regelungen zur Ärzteausbildung verpflichten Jungärzte/innen, die sich für eine Ausbildung zum/zur Allgemeinmediziner/in entscheiden, am Ende ihrer Ausbildung sechs Monate in einer Lehrpraxis mitzuarbeiten – also bei einem erfahrenen Vertragsarzt oder einer Vertragsärztin im niedergelassenen Bereich. Unklar war, wie diese verpflichtende Lehrpraxis-Ausbildung finanziert werden soll, da bisher die Ausbildung fast ausschließlich in Spitälern stattgefunden hat.

 

Die Sozialversicherung bekennt sich nun grundsätzlich zu einer Mitfinanzierung der Lehrpraxis, so der Vorsitzende des Krankenversicherungsausschusses im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und Obmann der OÖGKK, Albert Maringer. 

 

Ziel der heuer in Kraft getretenen Ärzteausbildungsreform ist es, Jungärzte/innen besser für die wichtige Versorgung im niedergelassenen Bereich vorzubereiten. Denn bisher fand die „Hausärzte-Ausbildung“ fast ausschließlich im Spital statt, was angesichts der sehr unterschiedlichen medizinischen Fragestellungen und Arbeitsbedingungen zwischen Spital und Hausarztpraxis zu Recht kritisiert wurde.

 

„Die Sozialversicherung sieht in der Lehrpraxis große Chancen für die Versorgung der Versicherten. Erstens, weil die Jungmediziner/innen die Arbeit im niedergelassenen Bereich als attraktive Berufs-Chance und als sehr menschliche und persönliche Form der Medizin erleben können. Und zweitens, weil Ärzte/innen so auch besser auf die Herausforderungen in der niedergelassenen Praxis vorbereitet werden. Ich denke etwa an das Patientengespräch oder das große Zukunftsthema Gesundheitsförderung. Zur Anstellung der Jungärzte stehen zwei konkrete Modelle offen: Die Jungärzte können entweder bei einem Krankenhausträger angestellt bleiben und an den Lehrpraxis-Inhaber ‚überlassen‘ werden. Oder die Ordination des Lehrpraxis-Inhabers stellt den Jungarzt direkt an“, erklärt Maringer.

 

Die neue Präsidentin im Hauptverband, Ulrike Rabmer-Koller, sieht in dem Beschluss zur Mitfinanzierung der Lehrpraxen einen wichtigen Baustein in der Weiterentwicklung des von allen Seiten geforderten niedergelassenen Bereichs. Rabmer-Koller: „Damit wird eine weitere Maßnahme zur Attraktivierung des Hausarztes insbesondere im ländlichen Bereich gesetzt. Die jungen Ärztinnen und Ärzte lernen direkt in der Ordination die tägliche Praxis eines Hausarztes kennen“.

 

Nach dem grundsätzlichen „grünen Licht“ von Seiten der Länder drängt die Sozialversicherung nun auf eine rasche Klärung der noch offenen Fragen mit dem Bund und der Ärzteschaft. Vor allem seitens des Bundes wünscht sich die Sozialversicherung noch ein klares Bekenntnis, dass für die gesetzliche Verlängerung der Ärzteausbildung auch eine anteilige Erhöhung der Finanzierungsmittel für die Lehrpraxis bereitgestellt wird. Ziel ist, dass spätestens am 30. Juni 2016 die entsprechende Vereinbarung mit der Ärztekammer abgeschlossen werden kann.

 „Die ersten Jungärzte werden ab 29. Februar 2016 ihre Entscheidung für die Allgemeinmedizin oder die Fachärztelaufbahn treffen müssen. Für die geplante Stärkung der Gesundheitsversorgung im niedergelassenen Bereich brauchen wir für unsere Versicherten die besten Nachwuchsmediziner. Wir wollen unseren zukünftigen Vertrags-Ärzten daher für ihre persönliche Entscheidung so viel Unterstützung und Sicherheit wie möglich geben“, so Maringer abschließend.




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Grundlagenarbeit in der Sozialversicherung für Gesundheitsreform:

2. November 2015

Nutzung öffentlicher Daten zur Messung der Effektivität des Gesundheitswesens

 

Für das Gesundheitswesen wurden in Österreich pro Jahr zuletzt knapp 35 Mrd. Euro aufgewendet. Dies entspricht rund 11 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes und bedeutet, dass Österreich bei den Pro-Kopf-Aufwendungen im Kreis der OECD-Staaten ganz vorne rangiert.

Hohe öffentliche und private Ausgaben für das Gesundheitswesen sind aber kein Garant für einen guten Gesundheitszustand der Bevölkerung. Das beweist im Falle Österreichs etwa das Faktum, dass hier alle Menschen im Durchschnitt 20 Jahres ihres Lebens in Krankheit verbringen. EU-weit und so auch in Österreich gibt es jedoch Verbesserungspotential.

 

In diesem Projekt steht die geordnete Darstellung der Ergebnisse des Gesundheitssystems im Vordergrund: Wie gut wird verfrühte Sterblichkeit verhindert? Wie gut sind chronisch Kranke versorgt? Wie gut werden akute Verletzungen und Erkrankungen vermieden bzw. behandelt? Wie zugänglich ist das Gesundheitssystem? Wie gut ist die Gesundheitskompetenz? Wie steht es um die Patientensicherheit? Wie zufrieden sind die Menschen mit dem Gesundheitswesen?

Diese Arbeit ist eine Erweiterung zu den bekannten Messungen die prüfen, ob die Anzahl oder die regionale Verteilung der Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich passt, ob die Zahl der Spitalsbetten zu hoch oder zu niedrig ist, oder ob ausreichend sonstige medizinische Einrichtungen vorhanden sind.

 

Die im Zahlenbericht der Sozialversicherung präsentierten Studiendaten ermöglichen EU-weit, aber auch österreichinterne Vergleiche. Aus den Daten ist ersichtlich, dass Österreich sehr gut beim Zugang zum Gesundheitswesen abschneidet. Schlecht schneidet Österreich hingegen bei der Zahl gesunder Lebensjahre, bei der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung und bei den Durchimpfungsraten ab. Aktuell können einige Fragen noch nicht ausreichend beantwortet werden, da zum einen nicht für alle Bereiche entsprechende Routinedaten vorliegen. Zum anderen ist die Vergleichbarkeit der Indikatoren zwischen den einzelnen Regionen oder Ländern nicht immer gegeben.

 

Die geordnete Darstellung der derzeitigen Ergebnisse des Gesundheitssystems ist eine Grundlage für zielgerichtete gesundheitspolitische Entscheidungen im Rahmen der Gesundheitsreform festgelegte „ergebnisorientierte Zielsteuerung des Gesundheitswesens“.

 

Weitere Studien sind im Internet über www.hauptverband.at/EWG publiziert und als Download erhältlich.




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Pilotphase zur neuen Gesundheitshotline startet 2016 in drei Bundesländern

25. August 2015

Unabhängiges Beratungsservice soll Bürgern rund um die Uhr bei Gesundheitsfragen zur Verfügung stehen
Im Zuge der Gesundheitsreform zum Thema „Neue Primärversorgung“ haben sich Bund, Länder und Sozialversicherung auf die Einführung einer österreichweiten, kostenlosen "Gesundheitshotline" geeinigt. Das unabhängige telemedizinische Beratungsservice soll den Bürgern rund um die Uhr bei Gesundheitsfragen zur Verfügung stehen. Die Pilotphase startet mit Jahresende 2016 in Vorarlberg, Niederösterreich und Wien. Die österreichweite Ausrollung ist für 2019 geplant.

Gesundheitliche Probleme am Wochenende oder in der Nacht sowie unbekannte Symptome stellen Patienten oder Angehörige oft vor große Herausforderungen: Welcher (Fach-)Arzt ist der Richtige? Muss überhaupt ein Arzt aufgesucht werden? Wie bedrohlich sind die Symptome? Muss ein Krankenhaus aufgesucht werden? Um hier rasch Abhilfe zu schaffen, werden aktuell die ersten Teilbereiche für eine "Gesundheitshotline" – ein telefon- und webbasierendes Erstkontakt- und Beratungsservice (bekannt unter dem Arbeitstitel TEWEB) umgesetzt. „Ziel dabei ist es, Anrufern rund um die Uhr – mit einem "best point of service" – bei der Orientierung im Gesundheitswesen zu unterstützen und über die Dringlichkeit einer Behandlung zu informieren, so Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK). „Uns geht es darum, für die Bürger in Österreich ein spezifisches Serviceangebot im Gesundheitsbereich anzubieten“, ergänzt Volker Schörghofer, Generaldirektor-Stv. Im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. 

Die Anrufe werden von einem medizinischen Fachpersonal entgegengenommen, welches mithilfe eines protokollgestützten medizinisch-wissenschaftlichen Expertensystems die entsprechenden Auskünfte erteilt. Dabei werden verschiedene Faktoren – wie etwa Wohnort der Anrufer, Öffnungszeiten von Kliniken, nächstgelegene Fachärzte etc. – berücksichtigt, um eine bestmögliche Betreuung sicherzustellen. Patienten sparen sich so unnötige Wege und Wartezeiten, womit gleichzeitig auch das Gesundheitssystem entlastet wird. Nichtsdestotrotz soll die Gesundheitshotline die ärztliche Beratung und Betreuung nicht ersetzen, sondern diese sinnvoll um eine zusätzliche und hochqualitative Serviceleistung ergänzen.


Pilotprojekt startet Ende 2016

Nachdem im Jahr 2014 mit Hilfe einer Studie die Wirksamkeit der Maßnahme einer „Gesundheitshotline“ auf Basis internationaler Erfahrungen nachgewiesen werden konnte, wurde ein Kooperationsvertrag zwischen Bund, den Pilotländern (Niederösterreich, Vorarlberg und Wien) und der Sozialversicherung abgestimmt. Die Beschlussfassung hierzu erfolgte schließlich in den Sitzungen der Bundes-Zielsteuerungskommission (B-ZK) im Frühling und Sommer 2015.

„Somit werde bereits mit Jahresende 2016 die Gesundheitshotline in den Pilotländern Vorarlberg, Niederösterreich und Wien den Bürgern zur Verfügung stehen, berichtet Erwin Fleischhacker, Geschäftsführer der IT-Services der Sozialversicherung GmbH (ITSV GmbH). Basierend auf den damit einhergehenden Erfahrungswerten, erfolgt 2019 die bundesweite Ausrollung. Die ITSV GmbH übernimmt dabei das pilotländerübergreifende Programm-Management sowie die Steuerung aller Aktivitäten zur Etablierung der Gesundheitshotline. Dazu zählen beispielsweise die Schulungsbegleitung für das ausgebildete medizinische Fachpersonal sowie die Konzeption und der Aufbau einer zentralen Datenbank, wo im Sinne einer laufenden Qualitätsoptimierung die Auskünfte ausgewertet werden. Im Hinblick auf den Datenschutz wird durch Verschlüsselung und Pseudonymisierung sichergestellt, dass keine personenbezogene Nachvollziehbarkeit möglich ist. Für das Service wird zwar keine e-card benötigt, jedoch müssen die Anrufer aus statistischen Gründen die Versicherungsnummer angeben, um zum einen eine laufende Optimierung des Services sicherzustellen und zum anderen die statistische Auswertung zu ermöglichen. Das Ganze hat mit dem Vorhandensein einer e-card naturgemäß nicht direkt was zu tun.

In zahlreichen Ländern wie etwa Großbritannien, Israel, Schweden, Dänemark, den Niederlanden oder der Schweiz wird ein solches telefonbasiertes Beratungsservice bereits seit vielen Jahren angeboten. Die entsprechenden Studien belegen dabei ein nachhaltiges Entlastungspotenzial für das Gesundheitswesen, weiß Dr. med. Andrea Vincenzo Braga, MBA, Fachexperte aus der Schweiz, zu berichten. Denn etwa 70% der Bürger beurteilen ihre gesundheitlichen Beschwerden hinsichtlich Dringlichkeit falsch. 80% der Anrufer benötigen aus medizinischer Sicht keine notfallmäßige Konsultation, 60% der Anrufe können mit der Selbstbehandlung abgeschlossen werden. Zudem zeigen die Studienergebnisse, dass sich ca. 90% der Patienten an die Empfehlungen der telemedizinischen Berater halten.



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„Primärversorgung erfüllt Patientenwünsche“

21. August 2015

Neue Versorgungsform benötigt gesetzliche Grundlage

Ein klares Bekenntnis zur Primärversorgung – Primary Health Care (PHC) – kommt auch von Albert Maringer, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Krankenversicherung und Prävention im Hauptverband. PHC wird in Zukunft eine wichtige Versorgungsform darstellen. Maringer hält daher eine solide gesetzliche Verankerung für unverzichtbar – und begrüßt umso mehr die Initiative von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser.

 

Für Maringer, der auch Obmann der OÖGKK ist, steht fest:  „PHC ist eine zukunftsweisende Versorgungsform, der sich Österreich nicht verschließen sollte. Neben den Patienten profitieren vor allem auch junge Ärzte durch ein attraktiveres, modernes Arbeitsumfeld. Die Jungmediziner wollen in Teams zusammenarbeiten und alte Einzelkämpfer-Strukturen langfristig überwinden. PHC macht das ärztliche Berufsbild für die Jungen gewiss attraktiv und zukunftsfähig."

 

PHC gibt Patienten „Abklärung, Sicherheit und Orientierung“

Zudem sieht Maringer in Primärversorgungszentren eine wichtige Orientierungshilfe im Gesundheitssystem für jeden Versicherten. Denn wie wissenschaftliche Studien zeigen, sind  von 1.000 Fällen mit Gesundheitsproblemen im Schnitt 900 durch Selbsthilfe zu lösen, 90 erfordern maximal eine Primärversorgung, nur neun Fälle erfordern einen Facharzt und gar nur ein Fall macht einen Spitalsaufenthalt notwendig. Im derzeitigen System kommen viele Versicherte oft nur über mühsame Umwege zur richtigen Versorgung. PHC-Zentren sind hier klar im Vorteil: Sie sind eine Anlaufstelle bei Gesundheitsproblemen aller Art. Vor Ort kann ein Team aus Spezialisten die Ursachen des Unwohlseins abklären – und die richtige weitere Versorgung in die Wege leiten. Maringer: „PHC bietet uns allen rasche Abklärung, Sicherheit und Orientierung bei gesundheitlichen Fragen und Problemen. Ich stehe voll und ganz hinter der Idee und dem Sinn von PHC. Umso wichtiger ist es, dieses Modell auf eine gute gesetzliche Basis zu stellen“, so Maringer.