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Die Sozialversicherung in Österreich

Die Sozialversicherung ist eine wichtige Säule für den Zusammenhalt unserer modernen Gesellschaft.

Die Wurzeln ihrer Organisation reichen zum Teil bis ins Mittelalter zurück.

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Die Grundsätze der Sozialversicherung in Österreich


Solidarität:

  • Auf der Beitragsseite erfolgt der Ausgleich zwischen Besserverdienenden und Minderverdienenden.
  • Auf der Leistungsseite gibt es den Ausgleich zwischen schutzbedürftigen und weniger schutzbedürftigen Personen.
  • Durch den sozialen Ausgleich sind auch viele Familienangehörige in den Schutz der Sozialversicherung kostenlos miteinbezogen.
  • In der Pensionsversicherung erfolgt der Ausgleich zwischen Erwerbstätigen und Pensionisten/Pensionistinnen = Generationenvertrag.
  • Dienstgeber/innen und Dienstnehmer/innen tragen ihren Anteil zur Finanzierung bei.


Pflichtversicherung:

  • Das Versicherungsverhältnis entsteht kraft Gesetz.
  • Der Versicherungsschutz tritt sofort ab Versicherungsbeginn (Annahmezwang auch bei schwerer Vorerkrankung,...) ohne Wartezeit ein.
  • Die sehr große Zahl von Versicherten garantiert die größtmögliche Risikostreuung.
  • Bestimmte nahe Angehörige sind beitragsfrei mitversichert.
  • Die Beitragshöhe ist unabhängig vom individuellen Risiko.
  • Die Größe der Versichertengemeinschaft stärkt die Position der Sozialversicherung gegenüber ihren Verhandlungspartnern/Verhandlungspartnerinnen (Ärzte/Ärztinnen, Apotheker/innen, ...).


Keine Riskenauslese:

Medizinische Leistungen stehen allen Sozialversicherten unabhängig von ihrem individuellen Risiko zur Verfügung.

Die Sozialversicherung unterscheidet weder beim Beitragsprozentsatz noch bei den Leistungen, ob die Anspruchsberechtigten viel oder wenig verdienen, jung oder alt, männlich oder weiblich, chronisch krank oder kerngesund sind. Privatversicherungen haben in der Regel den Charakter von Zusatzversicherungen für bestimmte Leistungen (Sonderklasse im Krankenhaus, Zusatzpension, ...).


Nicht gewinnorientiert:

Die Sozialversicherung ist gesetzlich zu zweckmäßiger und sparsamer Verwendung der Beiträge verpflichtet und verfolgt primär soziale anstatt marktwirtschaftlicher Ziele.

Die Sozialversicherung erbringt qualitativ hochstehende Leistungen für alle Versicherten. Von 100 Euro Beitragseinnahmen werden 97,9 Euro wieder für Leistungen an die Versicherten ausgegeben.


Schutz:

Die österreichische Sozialversicherung bietet mit ihren drei Zweigen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung einen umfassenden Schutz. Nahezu die gesamte Bevölkerung Österreichs ist zumindest von einem Zweig der österreichischen Sozialversicherung erfasst.



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Geschichte der Sozialversicherung


Wichtige Stationen in der Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung


Vorläufer der Sozialversicherung

Die Sozialversicherung ist eine wichtige Säule für den Zusammenhalt unserer modernen Gesellschaft. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück, wobei zunächst den Selbsthilfeorganisationen, später vor allem den "Bruderladen" der Bergleute große Bedeutung zukam. Aufgabe der Bruderladen war, für Krankenbehandlung und Sterbegeld zu sorgen und Vorsorge für die Invalidität zu tragen. Bei der mit großen Gefahren verbundenen bergmännischen Tätigkeit erwies sich die solidarische Gemeinschaftshilfe als unentbehrlich.


Krankenversicherung 1889

Zu einer gesetzlichen Regelung der Sozialversicherung im heutigen Sinn kam es erstmals im Jahre 1889. Von der gesetzlichen Krankenversicherung wurden sämtliche gewerbliche und industrielle Arbeiter und Angestellte, mit Ausnahme der Landarbeiter, erfasst. Die Selbstverwaltung wurde eingeführt.


Zweiter Weltkrieg

Die Selbstverwaltung wurde abgeschafft, die Organisation nach deutschem Muster in die staatliche Verwaltung übernommen und die Reichsversicherungsordnung angewandt.


Sozialversicherungs-Überleitungsgesetz

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Wiedererrichtung der Republik Österreich wurde mit dem Sozialversicherungs-Überleitungsgesetz vom 12. Juni 1947 die Sozialversicherung auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt. Wichtigste Maßnahme war die Wiedereinführung der Selbstverwaltung sowie die Errichtung des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger als Dachorganisation.


ASVG 1956

Das ab 1.1.1956 geltende Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) löste die bis dahin geltenden Gesetze auf dem Gebiet der Sozialversicherung ab. Es fasste die Kranken-, Unfall und Pensionsversicherung für die Arbeiter und Angestellte in Industrie, Bergbau, Gewerbe, Handel, Verkehr und Land- und Forstwirtschaft zusammen und regelte außerdem die Krankenversicherung der Pensionisten.

Für einige Sonderversicherungen blieben Sozialversicherungsgesetze außerhalb des ASVG bestehen.

Das ASVG gliedert sich in zehn Teile. In der Zwischenzeit wurden in Anpassung an die fortschreitende gesellschafts- und sozialpolitische Entwicklung zahlreiche Änderungen und Gesetzesnovellen vorgenommen.