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Patientenströme – Methodenentwicklung und Beschreibung der Versorgungsrealität an exemplarischen Beispielen



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Kurzfassung  


Der Bundes‐Zielsteuerungsvertrag „Gesundheit“ für die Jahre 2013‐16 empfiehlt in seiner Maßnahme 1 zu Artikel 6, Operatives Ziel 6.1.1 eine „Bundesländerübergreifende, systematische, differenzierte Erhebung und Analyse der Patientenströme unter Berücksichtigung des Zuweiserverhaltens der Anbieter (einschließlich Sicherstellung der Datengrundlagen und Methoden)“.   Die vorliegende Arbeit stellt eine beispielhafte Umsetzung dieser Maßnahme dar und beleuchtet, welche Wege PatientInnen im Zuge der Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen durch das österreichische Gesundheitssystem nehmen. Dabei wurden personelle, geographische und zeitliche Charakteristika der Behandlungsabfolgen analysiert. Als Datengrundlage diente die Datenbank GAPDRG2, welche die Leistungsdaten von Versicherten der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) der Jahre 2008 bis 2011, inklusive der Fremdkassenabrechnung der Wiener Gebietskrankenkasse beinhaltet.


Seitens der Gesundheitsdienstanbieter wurden Niedergelassene Leistungserbringer (inklusive Institute) und Krankenanstalten (exklusive Krankenanstalten‐Ambulanzen) betrachtet. Apotheken wurden, abgesehen von der Identifikation der betrachteten Kollektive über die Abgaben von krankheitsspezifischen Medikationen an PatientInnen, nicht betrachtet.   Im Basiskollektiv wurden insgesamt 1.239.870 Personen ermittelt, welche die definierten Selektionskriterien erfüllten. Dem Diabetes Mellitus‐Kollektiv (DM) wurden 62.132 Personen zugeordnet, dem Herz-Kreislauf‐Kollektiv (HK) 171.580 Personen. 35.979 Personen waren sowohl im DM‐ als auch im HK‐Kollektiv vertreten. 84,1% der PatientInnen des Basiskollektivs, 98,2% des DM‐Kollektivs und 98,4% des HK‐Kollektivs waren in Niederösterreich wohnhaft.  


Folgende Fragestellungen wurden behandelt:

Fragestellung F1 „Inanspruchnahme von GDAs“, F2 „Fachgruppenbezogene Inanspruchnahme von GDAs“, F3 „Regionalität der Versorgung“, F4 „Kontinuität der Versorgung“, F5 „Zeitlicher Verlauf der Versorgung“  


Bei den Metriken F1, F2 und F3 konnte im Basiskollektiv mit zunehmendem Alter im Wesentlichen gleichermaßen ein kontinuierlicher Anstieg der besuchten GDAs, besuchten Fachgruppen, sowie Distanzen bei den GDA‐Besuchen beobachtet werden. Die DM‐ und HK‐Kollektive verhielten sich bei den Metriken F1, F2 und F3 fast identisch zueinander – die PatientInnen beginnen im Vergleich zum Basiskollektiv schon in jungen Jahren mit höheren Werten, diese wachsen mit zunehmendem Alter langsamer als im Basiskollektiv. Dies dürfte durch die chronische Erkrankung zu erklären sein, welche schon in jungem Alter eine intensivere medizinische Betreuung erfordert und den Einfluss des Alters auf den Betreuungsbedarf reduziert. Bei Metrik F4 war im Basiskollektiv im Wesentlichen in beiden Geschlechtern ab der Jugend eine mit dem Alter geringfügig steigende Kontinuität der Versorgung erkennbar. Im Vergleich zum Basiskollektiv war im DM und HK‐Kollektiv trotz einer höheren Anzahl besuchter GDAs die Kontinuität in beiden Geschlechter und in allen Altersgruppen ebenso höher.