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Evidenzinformierte Entscheidungskultur - Pap-Abstrich



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Executive Summary

Ein trägerübergreifendes Projektteam hat 2012 die Merkmale einer Evidenzinformierten Entscheidungskultur (EiEk) der Sozialversicherung skizziert. Anhand des Themas Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung mittels Pap-Abstrichs zeigt das um einen namhaften Experten erweiterte Projektteam nun auf, welche Herausforderungen sich der Sozialversicherung stellen. Problemdefinition: Hinsichtlich Krankheitslast und Sterblichkeit der Frauen in Österreich spielt Gebärmutterhalskrebs eine untergeordnete Rolle. Eine rezente Studie liefert starke Hinweise, dass beim Pap-Abstrich sowohl die Abstrichqualität als auch die Befundungsqualität durch freiwillige Teilnahme an Qualitätssicherung nicht nachweislich verbessert werden können und fordert daher verpflichtende Qualitätskriterien und –kontrollen.


Die Evaluation der VU Neu zeigt, dass zwischen wissenschaftlichen Grundlagen und tatsächlicher Leistungserbringung eine Diskrepanz besteht was die Untersuchungsintervalle und die untersuchten Altersgruppen betrifft. Zudem besteht ein Missstand im Abrechnungsverhalten der Leistungserbringer, wodurch die Darstellung des tatsächlichen Leistungsaufkommens erschwert wird. Der mangelhaften Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung wird derzeit nicht ausreichend durch qualitätsvolle Informationsmaterialien und risikokompetente Angehörige der Gesundheitsberufe begegnet. Geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation sieht das Projektteam in einer Abkehr vom opportunistischen Screening, da es ausreichend Belege für die Überlegenheit eines organisierten Screenings gibt.


Die Implementierung eines Krebsregisters spielt aus Sicht des Projektteams eine zentrale Rolle für die Umsetzung eines organisierten Screenings. In einer HPV-Triage wird eine für bestimmte Konstellationen sinnvolle Ergänzung eines organisierten Screenings mittels Pap-Abstrichs gesehen. Ein regionales Pilotprojekt erscheint als geeigneter Weg um die Vorteile der genannten Maßnahmen demonstrieren zu können. Im Sinne der 2012 skizzierten Merkmale der Evidenzinformierten Entscheidungskultur hat sich die SV nun zu entscheiden, ob das Thema Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung mittels Pap-Abstrichs geeignet ist, die postulierte Rolle als „Gestalterin des Systems“ zu demonstrieren.


Der Bundes-Zielsteuerungsvertrag Gesundheit legt die Prinzipien Bedarfsorientierung, Qualität, Patientenorientierung sowie Transparenz und Wirkungsorientierung als „gemeinsame handlungsleitende Werte“ fest und schafft damit eine neue gemeinsame Basis für die Entwicklung von Leistungskatalogen und Verträgen. Multiprofessionelle und interdisziplinäre Primärversorgung könnte eine Rolle bei der Informierten Entscheidungsfindung übernehmen und dazu beitragen die Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung zu stärken, indem sie die Komplexität und das Anspruchsniveau des Gesundheitssystems reduzieren helfen. Die Sozialversicherung hat zudem die Möglichkeit mit ihren eigenen ambulanten und stationären Einrichtungen eine Vorreiterrolle einzunehmen.