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Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen nach Einlösung eines Rezeptes für Antidepressiva



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Der GAP-DRG Datenbank zufolge wurde im 4. Quartal 2006 von 424.281 sozialversicherten Personen mindestens ein Rezept für ein Antidepressivum in einer Apotheke eingelöst, also von rund einem von 20 Österreichern. 19.624 dieser Personen sind vor Ende 2007 verstorben; das entspricht einem erstaunlich hohen Wert von rund 5% (und ist rund fünf Mal höher als die Rate der in einem Jahr Gestorbenen in der gesamten österreichischen Bevölkerung).


Für die Untersuchung der Inanspruchnahme weiterer Gesundheitsleistungen im Jahr 2007 wurden ie 404.657 nicht verstorbenen Personen herangezogen. Ihr Durchschnittsalter betrug fast 59 Jahre; 70% waren Frauen. Nahezu vier von fünf Patienten hatten das Rezept von einem Arzt für Allgemeinmedizin erhalten. Über 80% hatten im Jahre 2006 auch mindestens einmal ein Rezept für
eine körperliche Krankheit eingelöst und nahezu 2 von 5 Patienten eines für ein Psychopharmakon us anderen Kategorien als der der Antidepressiva.


Von den nachuntersuchten Patienten suchten im Jahr 2007 92% einen Arzt für Allgemeinmedizin auf und 99% lösten mindestens ein Rezept in einer Apotheke ein. Nur rund 3% wurden auf einer sychiatrischen Krankenhausabteilung aufgenommen, jedoch zehn Mal so viele, nämlich etwas mehr als 30%, auf einer nicht-psychiatrischen Krankenhausabteilung. In der letzteren Gruppe hatten 95% ine somatische Hauptdiagnose - in erster Linie Krankheiten des Kreislaufsystems (14,3%), des Muskel-Skelett-Systems (13,6%), des Verdauungssystems (11%) und neurologische Erkrankungen
(7,2%). Fachärzte für Psychiatrie wurden von rund jedem fünften Patienten mindestens einmal aufgesucht, andere Fachärzte jedoch von 2 von 3 Patienten. Diese Befunde weisen (gemeinsam mit
der weit überdurchschnittlichen Mortalität) auf eine hohe Komorbidität mit körperlichen Krankheiten hin.


In einem weiteren Untersuchungsschritt wurde festgestellt, dass eine erstmalige Rezepteinlösung für ein Antidepressivum im 4. Quartal 2006 (erstmalig bedeutet keine einschlägige Rezepteinlösung in
den davorliegenden 3 Quartalen 2006) in nahezu 50% der Fälle zu keiner oder lediglich einer Weiterverschreibung vor Ende 2007 geführt hat – ein bemerkenswerter Befund bei einer Medikamentengruppe, die nicht für eine Einmalverschreibung gedacht ist.