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Disease Management in Österreich


Patientinnen und Patienten profitieren vom DMP

Mag. Helmut Nagy Der Autor:
Mag. Helmut Nagy

studierte Betriebswirtschaft und ist Mitarbeiter bei DMP „Therapie aktiv“ in der  Verwaltung der eigenen Einrichtungen/Integrierte Versorgung in der Steiermärkische Gebietskrankenkasse.

Kurzfassung Der Artikel berichtet im Überblick über die Entstehung des Disease Management Programms (DMP) in Österreich, dessen Umsetzungsstand und über die Veränderungen der wichtigsten Behandlungsparameter.

Schon durch die Bevölkerungsentwicklung (steigendes Durchschnittsalter) sind chronische Krankheiten in unserem Gesundheitssystem zur Herausforderung geworden. Besonders hängt auch das Krankheitsbild Diabetes Mellitus Typ 2 mit dem Problem einer alternden Bevölkerung sowie den Änderungen des Lebensstils in den letzten Jahrzehnten zusammen. Die Prävalenz für Diabetes kann in Österreich nur abgeschätzt werden, da ein Diabetesregister fehlt und die Identifizierung der diätisch behandelten Diabetiker nicht möglich ist. Es kann aber von ungefähr 430.000 Patienten, die an Diabetes Mellitus Typ 2 erkrankt sind, ausgegangen werden.

Schon in der St. Vincent Deklaration von 1989 wurde die Erarbeitung, Umsetzung und Evaluierung umfassender Programme zur Erkennung und Bekämpfung von Diabetes und dessen Komplikationen empfohlen. Disease Management Programme bieten die Chance, die Versorgung chronisch Kranker systematisch, integriert, multiprofessionell und patientenorientiert zu organisieren.

Das Hauptziel für Patienten ist es, eine verbesserte Lebensqualität bzw. eine Verlängerung des Lebens zu erreichen. Dies soll durch die Vermeidung bzw. das Hinauszögern von Folgeerkrankungen und Komplikationen sichergestellt werden. Für die am DMP teilnehmenden Ärzte ergibt sich eine vermehrte diagnostische und therapeutische Sicherheit durch wissenschaftlich überprüfte krankheitsspezifische Leitlinien und Behandlungspfade. Durch die aktive Teilnahme der Patienten ist eine verbesserte Umsetzung der Therapiemaßnahmen zu erwarten.

Seinen Ausgangspunkt nahm das DMP „Therapie Aktiv“ in einem Innovationsprojekt des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherung. 2003 wurde die Steiermärkische Gebietskrankenkasse mit der Entwicklung der Grundlagen für ein DMP Diabetes beauftragt. Ziel war es ein Disease Management Programm in Österreich zu etablieren. Die Einführung erfolgte im Rahmen von Reformpoolprojekten der teilnehmenden Bundesländer ab 2007. Mit Beschluss der Trägerkonferenz im Dezember 2007 wurde das Competence Center Integrierte Versorgung (CCIV) in den Regelbetrieb übernommen und fungiert seither als Nahtstelle zwischen Versicherten, Vertragspartnen, Sozialversicherungsträgern und Gebietskörperschaften.

Bisher nehmen Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Vorarlberg und Wien am Disease Management Programm „Therapie Aktiv“ teil. Im Burgenland und in Kärnten ist „Therapie Aktiv“ bisher nicht umgesetzt worden. Tirol hatte seit März 2008 mit einem Pilotprojekt ohne Flächendeckung an „Therapie Aktiv“ teilgenommen, das aber mit 31.12.2010 beendet wurde. Im Burgenland existiert ein regionales Betreuungsprogramm, während in Kärnten und Tirol Patientenschulungsprogramme umgesetzt sind. In OÖ wurde ein anderes Diabetiker-Betreuungsprojekt geboten und 2011 in „Therapie Aktiv“ übergeführt.

Mit 31.12.2012 beträgt die Anzahl aller jemals eingeschriebenen Patienten 37.532. Im Verlauf des DMP ergab sich bisher ein Ausscheiden von insgesamt 3.273 Patienten. Für alle eingeschriebenen Diabetiker sind durch den DMP-Arzt jährlich wichtige Eckdaten zu dokumentieren. Nachdem zu Beginn des DMP ausschließlich auf Papier dokumentiert wurde, zeigt sich seit der Einführung von IT-Lösungen eine deutliche Verdrängung dieser Dokumentationsart. Die elektronische Dokumentation hat zu einer wesentlichen Vereinfachung der Administration für die teilnehmenden DMP-Ärzte geführt.

Als wichtigstes Ergebnis kann festgehalten werden, dass alle dargestellten Parameter trotz der noch kurzen Beobachtungsdauer von zwei Betreuungsjahren im DMP bereits statistisch signifikante Verbesserungen zeigen. Die Laufzeit des Programms ist allerdings zu kurz, um Veränderungen bei den St. Vincent-Zielen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod beobachten zu können.

Wissenschaftlich belastbare Ergebnisse sind bis Ende 2014 von einer Studie zu erwarten, da bis dahin eine ausreichend große Anzahl von Patienten über zumindest fünf Jahre beobachtet werden kann und auch die Vergleichsdaten einer Kontrollgruppe zur Verfügung stehen werden.