DRUCKEN

Psychische Erkrankungen in Österreich: Neue Volkskrankheit oder angebotsinduzierte Nachfrage?


Mag. Elisabeth Wallner Die Autorinnen:
Mag. Elisabeth Wallner

ist Juristin und in der Direktion der SGKK tätig und war im Arbeitsteam des Projekts „Psychische Gesundheit“.

Mag. Karin Hofer Mag. Karin Hofer

ist Politikwissenschafterin und in der Direktion der SGKK tätige und war im Arbeitsteam des Projekts „Psychische Gesundheit“.

Artikel
Die Österreichische Sozialversicherung setzte sich im Rahmen ihrer BSC das Ziel, eine Ist-Analyse über den Bereich Psychische Gesundheit zu erstellen. Die Ergebnisse liegen vor. Erstmals kann in Österreich auf Grundlage valider empirischer Daten das Ausmaß des Problems seriös eingeschätzt werden. Rund 900.000 Österreicher und Österreicherinnen nahmen innerhalb eines Jahres das Gesundheitssystem wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch. Diese Anzahl basiert auf Medikamenten- und Krankenstandsdaten, stationären Aufenthalten, ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlungen. Im Rahmen der Krankenversicherung werden ohne Spitalskosten bereits zwischen 510 und 560 Millionen Euro für die Versorgung dieser Patienten aufgewendet. Zu dieser Summe kommen österreichweit noch die Kosten für Krankenhäuser, Rehabilitation und Frühpensionierungen auf Grund psychischer Erkrankungen. Die Zahl der Betroffenen ist stark steigend – um rund 12 Prozent innerhalb von drei Jahren. Die medizinischen Versorgungsangebote sind grundsätzlich vorhanden, weisen aber – auch aufgrund der starken Steigerungsraten – teilweise qualitative, teilweise quantitative Defizite auf.

Die oft medial geäußerte Kritik, dass psychisch Kranke in Österreich nicht versorgt würden, geht damit ins Leere. Optimierungspotentiale existieren allerdings, vor allem auch deshalb, weil die Anzahl der Betroffenen stark im Steigen ist.