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Capacity Building für Public Health in der Sozialversicherung 2009/2010


Dr. Jürgen Soffried, MPH Die Autorinnen:
Dr. Jürgen Soffried, MPH

ist Senior Consultant am Institut für Gesundheitsförderung und Prävention (IfGP) und leitet den Geschäftsbereich Public Health.

Mag. Stefan Spitzbart Mag. Stefan Spitzbart

ist im Hauptverband zuständig für den Bereich Gesundheitsförderung und Prävention.

Mag. Andrea Schloffer Mag. Andrea Schloffer

ist Junior Consultant im Geschäftsbereich Public Health des IfGP.

Kurzfassung
Capacity Building für Public Health in der Sozialversicherung stellt die konsequente Fortsetzung einer Reihe von Maßnahmen dar, von denen pars pro toto folgende genannt seien: Im Rahmen des Innovationsprojektes Gesundheitsförderung und Prävention (GFP) wurden u.a. die Weiterbildungsoffensive Public Health gestartet und das Konsensuspapier als Empfehlung für die Sozialversicherungsträger erstellt. Capacity Building wurde nicht explizit als Begriff verwendet, wesentliche Inhalte wurden jedoch angesprochen, indem empfohlen wurde, die Strategieprozesse nach Kriterien Organisationsentwicklung, Arbeitskräftepotenzial und Ressourcenallokation zu interpretieren und zu evaluieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Capacity Building für den Bereich Gesundheitsförderung als “…development of knowledge, skills, commitment, structures, systems and leadership to enable effective health promotion” (2006). Das New South Wales (NSW) Health Department entwickelte ein „Framework for Capacity Building to Improve Health“, in dem Capacity Building wie folgt definiert wird: “Capacity building is an approach to the development of sustainable skills, structures, resources and commitment to health improvement in health and other sectors to prolong and multiply health gains many times over” (2001).

Die Ziele von Capacity Building sind:

  • die Schaffung von Infrastruktur, die es ermöglicht Strategien und Maßnahmen zu entwickeln und auch umzusetzen,
  • die Sicherstellung von Nachhaltigkeit und
  • die Entwicklung von Problembewusstsein und Problemlösungskompetenz

Capacity Building ist eine entwicklungsorientierte Herangehensweise, die nicht nur in der Gesundheitsförderung angewendet, sondern auch auf die Bereiche Prävention und Public Health ausgeweitet werden kann. Die Indikatoren zur Erhebung der Ausgangssituation für Capacity Building in Gesundheitsförderung und Prävention bzw. Public Health in der österreichischen Sozialversicherung wurden abgeleitet vom Framework des NSW Health Department. Für das Setting der Sozialversicherung erfolgten Anpassungen bezüglich der fünf Handlungsstränge. Vor allem wurde eine Dimension mit der Bezeichnung Commitment eingeführt. Die Handlungsstränge Organisationsentwicklung und Leadership wurden zu einer Dimension zusammengefasst und der Handlungsstrang Partnerschaften wurde um Netzwerke ergänzt. Die fünf Dimensionen lauten folglich: Commitment, Ressourcen, Organisationsentwicklung und Leadership, Partnerschaften/Netzwerke und Personalentwicklung.

Diese fünf Dimensionen wurden hierarchisch geordnet. An oberster Stelle steht das Commitment als Voraussetzung für alle weiteren Handlungsstränge. Ohne Commitment der Entscheidungsträger zum Thema GFP/PH ist es unmöglich in die Entwicklung und Umsetzung gesundheitsfördernder Interventionen zu investieren. In erster Linie sind hier Investitionen mit monetärem Charakter gemeint. Finanzielle Ressourcen sind wiederum Voraussetzung für Personalentwicklung in Form von Aus- bzw. Fortbildungen. Weiters befördert hohes Commitment Organisationsentwicklung und ermöglicht echtes Leadership (in Abgrenzung zu reinen Absichtserklärungen). Die Gründung von Partnerschaften und Netzwerken ist wiederum abhängig von Ressourcen und vor allem von Leadership.

Capacity Building Maßnahmen 2010
  • Als erste Maßnahme wurde 2010 die Entwicklung einer Public Health Charta in Angriff genommen. Die Abwicklung dieses Projektes übernahmen die OÖGKK und das IfGP in Kooperation und im Auftrag des Hauptverbandes.
  • Eine weitere empfohlene Maßnahme stellt die Erarbeitung einer Public Health Strategie der SV dar. Gemeint ist damit eine Strategie zu entwickeln, die den Public Health-Kriterien der eigenen Charta gerecht wird und die darin beschriebene Vorgehensweise entlang des Public Health Action Cycle befolgt.
  • Im Herbst 2010 wurde eine dritte Capacity Building-Maßnahme mit der Durchführung eines Public Health-Curriculums für SV-Entscheidungsträger umgesetzt.

Im Jahr 2011 werden weitere Maßnahmen aus dem Themencluster Capacity Building umgesetzt, die sich aktuell in der Planungsphase befinden.