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Neue Krankenversicherung in den Niederlanden: Einige Erfahrungen seit der Einführung vor fünf Jahren


Dr. Eitel Homan Die Autoren:
Dr. Eitel Homan

studierte Mathematik an der Universität Leiden und promovierte aus Ökonomie an der Erasmus Universität Rotterdam. Von 1999 bis 2006 war er Direktor der Aufsichtsbehörde der Niederländische Krankenkasse (CTZ). Seit der Gründung der NZa (Behörde für das Gesundheitswesen) im Jahr 2006 ist er einer der drei Vorstandmitglieder.

Alexander Koopman, BA Alexander Koopman, BA

studierte Verwaltungswissenschaften und Jura. Er war danach als Berater beim niederländischen Ministerium für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport engagiert. Seit 2008 arbeitet Koopman bei der NZa. Derzeit ist er mit der Reform des ersten Segments (AWBZ) des Niederländischen Gesundheitswesens betraut.

Kurzfassung
    Im Beitrag werden die großen Änderungen des Krankenversicherungssystems in den Niederlanden erläutert, die sind auf das neue Krankenversicherungsgesetz von 2006 zurückzuführen. Mit diesem Gesetz wurde der Parallelität der gesetzlichen Krankenkassen mit den privaten Versicherungen ein Ende gesetzt. Seitdem gibt es nur noch eine privatrechtliche soziale, wenn auch gesetzliche Basisversicherung. Mittlerweile können wir auf die Erfahrungen von fünf Jahren zurückblicken. Diese bisherigen Erfahrungen sind der Schwerpunkt dieser Ausführungen mit denen auch ein kurzer Ausblick für die Zukunft verbunden ist.

Mit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (Zorgverzekeringswet, Zvw) und des Gesetzes über die Marktordnung der Gesundheitsversorgung (Wet Marktordening Gesundheidszorg, Wmg) wurde eine fundamentale Änderung der Lenkungsphilosophie des niederländischen Gesundheitswesens eingeführt. Die Änderungen bezwecken in erster Linie, dass Bürger, Leistungsanbieter und Krankenversicherer mehr Verantwortlichkeit bekommen und übernehmen müssen. Früher steuerte der niederländische Staat stark von oben, z.B die Budgetierung der Leistungsanbieter und auch die Bewilligung und Festlegung der Zahl systemisierten Spitalsbetten.

Wenn man vorsichtig nach fünf Jahren eine Bilanz des Zvw zieht, kommt man im Großen und Ganzen zu dem Ergebnis, dass das Versicherungssystem, so wie beabsichtigt, funktioniert. Dies hat eine gesetzlich vorgeschriebene Evaluation im Jahr 2009 bestätigt. Jedoch ein paar wesentliche Punkte müssen in den kommenden Jahren beachtet und fortentwickelt werden, um eines der wichtigsten Ziele, ein langfristig bezahlbares und solidarisches Sozialversicherungssystem sicherzustellen.

Durch die Einführung des neuen Versicherungssystems im Jahr 2006 – und auch schon in den Jahren davor war dies festzustellen – hat sich bei den Versicherern im hohen Maße ein Konzentrationstrend ergeben. Die vier größten Konzerne haben nunmehr fast 90 % des Marktes fest in Händen. In den Jahren 2006 und 2007 war der Wettbewerb vor allem auf den Preis gerichtet. Mit niedrigen Preisen versuchten Versicherer ihren Marktanteil zu behalten oder sogar zu vergrößern. Dies ging zum Teil zu Lasten der Rücklagen der Versicherer. In den letzten Jahren haben die Verluste jedoch in Gewinne umgeschlagen. Es ist natürlich für einen Versicherer ungesund langfristig Verluste zu schreiben.

Wenn weniger Versicherte den Versicherer wechseln und eine hohe Konzentration auf der Seite der Versicherer festzustellen ist, erhöht dies das Risiko eines zu geringen Wettbewerbs. Der NZa beobachtet deswegen den Versicherungsmarkt mit Interesse und zögert nicht, mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für die Erhaltung des Wettbewerbs vorzusorgen.

Ein wichtiger Mechanismus im neuen Versicherungssystem ist, dass durch den Wettbewerbsdruck die Versicherer kostenbewusst operieren. Ihre Verwaltungen sollen effizient geführt werden und Leistungen von guter Qualität zu günstigen Bedingungen mit ihren Vertragspartnern sicherstellen. Die Versicherer sollten versuchen, Versicherte zu diesen ausgewählten Präferenzanbietern mit einem guten Preis/Qualitäts-Verhältnis zu lenken, damit diese Leistungsanbieter zu optimalen, kostengünstigen Leistungen motiviert werden. Durch einen niedrigen Pauschalbeitrag und hochwertige Dienstleistungen profitiert der Versicherte.

Leider sind die Versicherer hier noch zu wenig aktiv, insbesondere noch stärker kostengünstige und qualitativ gute Gesundheitsleistungen zu vereinbaren und die Versicherten gezielt zu den von Versicherern ausgewählten Anbietern zu lenken. Wenn sich das nicht ändert, dann stellt sich bald die Frage, ob man auf diesem Weg weitergehen soll und die Regie allein den Versicherern überlassen kann.

Der NZa findet es in dem Zusammenhang wichtig, den Ausgleichsmechanismus noch zu überdenken und dass die vielen Ausgleichszahlungen abgeschafft werden. Dies würde bewirken, dass die Versicherer ein höheres eigenes Risiko tragen und eventuelle Verluste nicht auf die anderen Versicherer und die Solidaritätsgemeinschaft abwälzen können. Es wird aber sicher noch einige Jahre dauern, bis diese ex post Ausgleichszahlungen abgeschafft werden.

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1 Behörde für das Gesundheitswesen.