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Die Vorsorgeuntersuchung aus Sicht der Ärzte – Akzeptanz und Praktikabilität


Mag. Dr. Gerlinde Malli Die Autorin:
Mag. Dr. Gerlinde Malli

ist Soziologin im Bereich Forschung & Entwicklung am Institut für Gesundheitsförderung und Prävention (IfGP) in Graz.

Kurzfassung
Seit Einführung der Vorsorgeuntersuchung Neu (VU Neu) im Jahr 2005 finden Lebensstilmedizin, ärztliche Beratung und Risikokommunikation eine verstärkte Berücksichtigung. Mit der VU Neu stehen den Ärzten auch neue Materialien zur Verfügung und es wird von ihnen erwartet, die Dokumentation elektronisch durchzuführen.
Gegenstand der vorliegenden Studie war die Erfassung der Akzeptanz und Praktikabilität der Vorsorgeuntersuchung Neu aus ärztlicher Perspektive durch eine österreichweite telefonische Befragung von 500 Ärzten im Juni 2009.
Die Mehrheit der Ärzte fühlt sich für lebensstilbezogene Interventionen ausreichend geschult und ist von deren Wirksamkeit überzeugt. Im Unterschied zu den Risikotafeln zur Einschätzung des kardiovaskulären Gesamtrisikos wird der Alkoholfragebogen von der Mehrheit der Ärzte abgelehnt. Das wissenschaftliche Begleitmaterial wird eher selten genutzt und von einem Viertel der Anwender als nicht nützlich beurteilt. Die meisten Ärzte geben an, ihre Patienten über den Nutzen als auch über Risiken von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen umfassend aufzuklären. Die Ärzte sind seit April 2009 zur elektronischen Dokumentation verpflichtet. Zum Erhebungszeitpunkt Juni 2009 dokumentieren insgesamt 52 % der Befragten elektronisch. Drei Viertel der Wahlärzte allerdings behalten die Papierdokumentation bei, da sie im Vergleich zu Vertragsärzten, die über ein e-card System verfügen, hinsichtlich der elektronischen Dokumentation mit organisatorischen und zeitlichen Erschwernissen belastet sind. Aus ärztlicher Perspektive besteht kaum Bedarf an VU-spezifischen Schulungen.
Zusammengefasst zeigen die Befragungsergebnisse, dass Materialien wie der Alkoholfragebogen und die wissenschaftlichen Grundlagen als weniger praktikabel eingeschätzt werden als die Risikotafeln. Bereiche wie lebensstilbezogene Interventionen und Risikokommunikation finden eine höhere Akzeptanz als die elektronische Dokumentation.