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Kostenkomponente im Gesundheitswesen


Effektive und effiziente Gesundheitsversorgung durch Outcome- und Prozessorientierung

Mag. Dr. Andrea Wesenauer Die Autorin:
Mag. Dr. Andrea Wesenauer

ist Direktorin der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse.

Kurzfassung Die Gesamtkosten im österreichischen Gesundheitswesen werden auf ca. 29,5 Mrd. Euro jährlich geschätzt. Das Gesundheitswesen wird v.a. wegen der Kostenkomponente laufend diskutiert und in Frage gestellt. Ineffizienz und unökonomischer Umgang mit Ressourcen wird praktisch allen Systempartnern unterstellt. Mit einfachen „Steuerungsansätzen“ wie Kostendeckelungen und Zielerreichungsprämien für Finanzziele wird versucht, die Kostendynamik einzubremsen. Diese „Anreizmethoden“ ermöglichen zwar in einem bestimmten Rahmen die intendierten Ergebnisse, rasch stoßen sie aber an ihre Grenzen und gehen zu Lasten der Effektivität. Im Ergebnis erhöhen sie dann die Kosten sogar, anstatt sie zu senken. Eine Negativ-Spirale wird in Gang gesetzt. Sparen am falschen Punkt erhöht die Kosten an anderer Stelle und wirkt damit dem ursprünglichen (Spar-)Ziel entgegen.
Um Effektivität und Effizienz zu erhöhen, ist es notwendig, die Kostenanalyse fundierter durchzuführen. Die konsequente Bewertung von Versorgungsergebnissen, Prozessen und Kosten ist dafür unabdingbar. Effektivität und Effizienz müssen dafür gleichermaßen und in der richtigen Reihenfolge beachtet werden.
Effektivität und Effizienz im Gesundheitswesen hängen eng zusammen. Die Kostenfrage alleine zu stellen ist nur zulässig, wenn davon ausgegangen werden darf, dass die ersten drei Voraussetzungen (die richtige Leistung wurde zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Qualität erbracht) erfüllt sind. Wird die Kostenfrage alleine gestellt, so besteht die Gefahr, dass Kosten zu Lasten der ersten drei Komponenten reduziert werden, was insgesamt wiederum zu schlechteren Outcomes führt und letztlich die Kosten wieder erhöht.

Die Voraussetzungen
Gesundheitsausgaben in Österreich werden vorrangig nach Strukturkomponenten erfasst. Im Wesentlichen werden Angebotsstrukturen nach Finanziers abgebildet und Aufwendungen für bestimmte Leistungskategorien dazugestellt.
Die Erweiterung des Blickwinkels ist dazu unabdingbar. Weg von den Strukturen, hin zu den Krankheitsbildern und den damit verbundenen Versorgungsprozessen. In der Gesundheitsökonomie geht es in der Regel nicht um eine Minimierung der Kosten, sondern um die Optimierung des Quotienten aus Kosten und Nutzen. Im Mittelpunkt des Interesses müssen daher Versorgungsprozesse sowie die Outcomes stehen, die mit Hilfe dieser Prozesse erreicht werden. Erst vor diesem Hintergrund ist eine wirkliche Erhöhung der Effektivität und Effizienz möglich.
Diese Überlegungen bedeuten eine neue Art der Kostendarstellung und Kostenzuordnung. Die Gesamtkosten werden nicht mehr nur nach Strukturelementen aufgeschlüsselt, sondern nach Krankheitsbildern dargestellt. Innerhalb der Krankheitsbilder sind dann aber wiederum alle Kostenfaktoren für die erbrachten Leistungen aufzuschlüsseln.

Outcome- und Prozessorientierung mit LEICON
LEICON ist ein modular aufgebautes gesundheitsökonomisches Controllinginstrument, das von der NÖGKK mit der OÖGKK und VAEB entwickelt wurde und betrieben wird.
LEICON erfüllt folgende Zielsetzungen:

  • Darstellung von Kosten für einzelne Krankheitsbilder zum Zwecke der Analyse
  • Identifikation von Stärken und Schwächen bei der Behandlung von Krankheitsbildern auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene und darauf aufbauend die Identifikation von Best-Practice-Modellen
  • Evaluation von Disease-Management-Programmen und anderen Modellen der integrierten Versorgung auf einer fundierten Datengrundlage
Über LEICON stehen der österreichischen Sozialversicherung erstmals standardisierte sowie empirisch und ökonomisch fundierte Informationen über Prävalenz, Inzidenz und Behandlung von epidemiologischen Krankheitsbildern für standardisierte und individuelle Analysen zur Verfügung. LEICON erfüllt damit die hohen Anforderungen an eine outcome- und prozessorientierte Analyse von Krankheitsbildern als Grundlage für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erhöhung von Effektivität und Effizienz.

Die gesundheitsökonomische Betrachtung von Krankheitsbildern eröffnet neue Möglichkeiten der Optimierung. Sie geht nicht zu Lasten der Patienten, sondern verbessert medizinische Ergebnisse bei insgesamt geringeren Kosten. Verbesserte Gesundheitsversorgung und optimierte Kosten schließen sich damit nicht aus, sondern sind siamesische Zwillinge.