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Erfolgsdaten und Kosteneffektivität des Vorarlberger Vorsorge-Koloskopie-Programms


Manfred Brunner Die Autoren:
Manfred Brunner

ist Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse.

Dr. Michael Jonas Dr. Michael Jonas

ist Vizepräsident der Ärztekammer Vorarlberg und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte für Vorarlberg.

Kurzfassung
Internationale Qualitätsstandards als Voraussetzung für Durchführung und Honorierung der Vorsorge-Koloskopie

Die Krebserkrankung des Dickdarms und Mastdarms (Colorectalcarcinom bzw. CRC) ist eine der häufigsten Todesursachen in Europa und allen Industrienationen, etwa 5 % der Bevölkerung, also jede 20. Person, erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Die Zahl der CRC-Neuerkrankungen in Österreich beträgt ca. 5.000/Jahr, in Vorarlberg wurde 2001 die höchste Inzidenz (Neuerkrankungszahl pro Jahr) mit 178 erreicht, seit 2005 sinkt diese in Vorarlberg deutlich mit 124 im Jahresdurchschnitt 05/07 (2000: 5.125, 2005: 5.028, Q: Statistik Austria, Österr. Krebsregister 27.8.09). Die CRC-Sterblichkeit ist außerordentlich hoch, rund die Hälfte der Neuerkrankten stirbt an den Folgen der Metastasierung (2000: 2.536, 2005: 2.394, Q: s.o.). Durch die Vorsorgekoloskopie ist eine Reduktion der CRC von 76-90 % möglich.

Bereits 2002 wurde in den USA die Kosteneffektivität des CRC-Screening belegt, neben den medizinisch-ethischen Aspekten sprechen auch die ökonomischen Fakten eindeutig für die Vorsorgekoloskopie: Die Therapiekosten des metastasierten CRC sind durch neue Zytostatika und Antikörper von 1997 (Jahrestherapiekosten: 570 Euro) auf 190.000 Euro im Jahr 2004 unter Nutzung der neuen Zytostatika und Antikörper gestiegen und bis 2006 auf Jahrestherapiekosten von 250.000 Euro weiter exzessiv gestiegen. Auf Basis des hohen Vorsorgebewusstseins in Vorarlberg wurde 1990 bis 2006 auf Initiative der Österr. Krebshilfe Vorarlberg bereits ein selektives Vorsorgeprogramm für Darmkrebsrisikopatienten durchgeführt, welches u.a. den Rückgang der Erkrankungshäufigkeit in Vorarlberg seit 2002 erklärt.

Mit der Einführung des neuen Vorsorgeprogramms 2005 wurde politisch die Einführung der Vorsorgekoloskopie auf Bundesebene geplant. In einer Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern des Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Ärztekammer (unter Mitbeteiligung der Autoren) wurde unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Gesellschaften eine Rahmenvereinbarung für die Vorsorge-Koloskopie erarbeitet mit internationalen Qualitätsstandards (QS) und einer darauf aufbauenden Kostenkalkulation, welche jedoch aus finanziellen Gründen nicht bundesweit umgesetzt werden konnte.

In Vorarlberg konnte Ende 2006 zwischen Gebietskrankenkasse (VGKK) und der Ärztekammer unter Mitbeteiligung des Landesgesundheitsfonds Vorarlberg im Gegensatz zu den anderen Bundesländern ein Vorsorgekoloskopievertrag mit den international geforderten Qualitätsstandards unter Berücksichtigung der oben erwähnten Kostenkalkulation abgeschlossen werden. Alle Partner waren und sind davon überzeugt, dass nur durch die Früherfassung mittels Vorsorgekoloskopie diese Kostenexplosion gesenkt werden kann. Nach Vertragsabschluss konnte im Februar 2007 das Programm gestartet werden. Die Ergebnisse werden jährlich von der Ärztekammer für Vorarlberg und der VGKK gemeinsam evaluiert.

Fazit
Die Datenauswertung zeigt, dass bei Einhaltung internationaler Qualitätsstandards, die vertraglich für VGKK-Patienten in jedem Fall garantiert sind, mit sehr hoher Sicherheit und hohem ökonomischen Nutzen für die Finanziers den Betroffenen viel Leid, lange Krankenhausaufenthalte und belastende Therapien erspart werden können. Die relativ hohe und bislang steigende Teilnahmerate von durchschnittlich über 3 % pro Jahr liegt höher als in Deutschland (dort läuft ein vergleichbares Programm seit 2003), hochgerechnet auf zehn Jahre könnten damit über 30 % der Zielbevölkerung erreicht werden und anzunehmen ist eine Reduktion der CRC-Inzidenz um ein Drittel im Vergleich zum Zeitraum vor Einführung des Vorarlberger-Vorsorge-Koloskopie-Programms.