DRUCKEN

GfK Austria-Erhebung: Die Einstellung der Österreicher zu aktuellen e-health-Themen


Astrid Eßl Die Autorin:
Astrid Eßl

war von 1987 bis 2010 bei GfK Austria im Bereich Gesundheitsforschung tätig und nahm zuletzt die Position einer Division Managerin HealthCare ein. Sie war für den Aufbau und Koordination der GfK-Aktivitäten zu HealthCare in den CEE-Ländern verantwortlich. Seit April 2010 ist sie als Beraterin für Gesundheitsforschungsprojekte selbständig.

Kurzfassung
GfK Austria führt seit mittlerweile zwei Jahrzehnten einmal jährlich eine Erhebung zu Gesundheitsthemen bei insgesamt 4.000 Erwachsenen im gesamten Bundesgebiet durch. In der Erhebung 2009 wurde das Thema „Awareness, Akzeptanz und Einstellung zu verschiedenen e-health Themen“ im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger untersucht.
Die Basis der Untersuchung bildet eine äußerst große Stichprobe von insgesamt 4.000 Befragten ab 15 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Die Erhebung wurde bei insgesamt 2.500 Respondenten mittels Onlineinterviews durchgeführt, 1.500 Studienteilnehmer haben schriftliche Fragebögen retourniert. Beide Teilstichproben wurden unter Poolteilnehmern, die im Rahmen von repräsentativen telefonischen und face to face Interviews rekrutiert wurden, durchgeführt.

1. Einstellung und Akzeptanz verschiedener Anwendungsgebiete der e-health
Fünf Jahre nach Einführung der e-card zeigt sich eine beeindruckende Mehrheit der österreichischen Bevölkerung zufrieden mit der e-card als Ersatz für den früheren Krankenschein: 74 % sind äußerst zufrieden und weitere 23 % sehr zufrieden. Lediglich eine kleine Minderheit von drei Prozent gibt an, alles in allem nicht zufrieden zu sein. Diese Ergebnisse sind wenig überraschend, hat ja auch schon die von GfK Austria und IFES 2005 und 2006 durchgeführte begleitende Evaluierung des Roll Outs der e-card gezeigt, dass die Österreicher/innen sehr rasch äußerst zufrieden mit dem elektronischen Krankenschein waren.

Mittlerweile zählt die e-card zum fixen Bestandteil der österreichischen Brieftaschen, 82 % aller Österreicher führen die e-card in ihrer Brieftasche mit, weitere 9 % in der Ausweistasche. Dementsprechend selten wird die e-card auch vergessen, immerhin gaben aber 8 % aller Respondenten (das sind ca. 570.000 Personen) an, die e-card innerhalb der letzten 12 Monate bei einem Arztbesuch vergessen zu haben. 15 bis 19-Jährige haben naturgemäß die größten Probleme mit administrativen Features, bei Ihnen lag der Vergessensgrad im letzten Jahr bei 15 %.

Wie bekannt sind nun neuere Möglichkeiten, die sich durch e-health ergeben? Sowohl die e-Überweisung als auch die elektronische Bewilligung von chefärztlichen Medikamenten ist immerhin 43 % bekannt. Während die e-Überweisung über die verschiedenen Altersstrata hinweg konstante 40 bis 47 % Bekanntheitsgrad erzielt, zeigt sich bei der elektronischen Bewilligung, dass die Awareness mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt: Bei den 60 bis 69-Jährigen erreicht sie 59 %, während nur jeder Vierte der bis 29-Jährigen (26 %) schon von der elektronischen Bewilligung gehört hat. Die elektronische Bewilligung für Heil- und Hilfsmittel ist lediglich jedem fünften Respondenten (22 %) ein Begriff.

Die chefärztliche Bewilligung findet übrigens nur bedingte Zustimmung bei der österreichischen Bevölkerung: Ein Fünftel (22 %) akzeptiert diese voll und ganz, weitere 42 % im Großen und Ganzen. Andererseits akzeptiert jeder dritte Befragte das chefärztliche Bewilligungsverfahren nicht (17 % ganz und gar nicht). Der Anteil der dezidierten Ablehner steigt übrigens mit zunehmendem Alter stark an. Die überwiegende Mehrheit der österreichischen Bevölkerung ist aber durchaus mit den Gründen für die chefärztliche Bewilligung vertraut: 82 % vermuten, dass diese Maßnahme vor allem zum Sparen von Kosten dient und immerhin 41 % vermuten, dass damit Patienten von Versicherungsleistungen abgehalten werden sollen.

Übrigens denken 17 % der österreichischen Bevölkerung, dass viel zu viele Leistungen chefarztpflichtig seien, weitere 34 % halten etwas zu viele Leistungen für bewilligungspflichtig. Nur jeder zehnte Österreicher ist der Meinung, dass in diesem Bereich ruhig mehr gespart werden könnte und mehr Leistungen mit einer Chefarztpflicht verbunden werden könnten. Im Kontext des gegenständlichen Projekts wurde übrigens auch erhoben, wie häufig Bewilligungsverfahren in der Bevölkerung pro Jahr erlebt werden. 11 % der Österreicher/innen haben innerhalb der letzten 12 Monate eine Bewilligung für Arzneimittel benötigt, davon aber beinahe jeder Zweite drei Mal oder öfter. Deutlich häufiger genutzt wird das Einholen einer Bewilligung für andere Leistungen (also Heilbehelfe, Kuraufenthalte etc.), davon waren in den letzten 12 Monaten insgesamt 22 % betroffen. Von allen Bewilligungen wurden (aus der Perspektive der Patient/inn/en) übrigens 7 % der Arzneimittel und 10 % der anderen Leistungen abgelehnt.

Ehe wir die Ergebnisse zur Akzeptanz des nächsten geplanten e-Bausteins der Sozialversicherung, nämlich die e-Überweisung betrachten, müssen wir uns folgende Hintergrundinformationen vor Augen führen: Im österreichischen Gesundheitssystem sind Überweisungen durch den Hausarzt an Fachärzte (v.a. niedergelassen aber auch im Spital) sehr häufig: Auch nach Einführung der e-card werden 49 % (also jeder zweite Patient) innerhalb von 12 Monaten vom Hausarzt an andere Ärzte oder Spitalsambulanzen überwiesen. Bei den 70-Jährigen und Älteren steigt die Überweisungsrate sogar auf 62 % an. Da viele Patient/inn/en mehrmals pro Jahr überweisen werden, ergibt sich für die Gesamtbevölkerung pro Einwohner ein Durchschnittswert von 1,3 Überweisungen pro Jahr. 70 % dieser Überweisungen werden zu anderen niedergelassenen Ärzten vorgenommen und 30 % zu Spitalsambulanzen. 14 % (knapp 1 Mio. Österreicher) wurden in den letzten 12 Monaten sowohl an den extramuralen als auch intramuralen Bereich überwiesen.

Vor diesem Hintergrund ist die äußerst hohe Zustimmungsrate zur geplanten e-Überweisung von 91 % (49 % gefällt mir sehr gut, halte ich für sehr positiv und weitere 43 % gefällt mir sehr gut, halte ich für positiv) äußerst plausibel.

Spontan erwarten sich die Befragten vor allem eine deutlich höhere Convenience (einfacher, papierlos, keine Bürokratie, Wegersparnis) aber auch einen Zeitgewinn von der e-Überweisung. Manche Respondenten sehen auch einen höheren Sicherheitsaspekt oder erwarten sich, dass der neu behandelnde Facharzt dann auch alle Befunde in Händen hält. Daher wird bei Einführung der e-Überweisung sicher darauf zu achten sein, dass die Bevölkerung keine überhöhten Erwartungen mit der e-Überweisung verknüpft und Möglichkeiten, die erst mit der Verfügbarkeit von ELGA realistisch sind, schon von der e-Überweisung eingefordert werden.

Die Bürgerkarte, die für viele der zukünftigen Leistungen eine unersetzbare Grundlage für die Abrufbarkeit der Informationen durch die Patient/inn/en darstellen würde, ist leider auch fünf Jahre nach Einführung der e-card viel zu wenig bekannt. Lediglich 40 % der Bevölkerung (und z.B. nur 27 % der 60 bis 69-Jährigen oder 10 % der über 60-Jährigen) haben schon von der Bürgerkarte gehört.

Insgesamt zeigt die Studie deutlich, dass es hinsichtlich Datenschutz relativ wenige Bedenken der Bevölkerung gibt. Das mag zum einen mit dem in Hinblick auf die Ausstattung äußerst vorsichtigen Roll-Out der e-card zusammenhängen. Schon 2005 wollten neun von zehn Befragten, dass auf der e-card zumindest die Notfalldaten gespeichert werden. Zum anderen zeigt sich aber auch, dass sich breite Teile der Bevölkerung auch im Gesamtkontext „Verwaltung der eigenen Gesundheit und Gesundheitsdaten“ eine Unterstützung durch die neuen technischen Möglichkeiten erwarten, die sicherstellen, dass alle behandelnden Stellen über die aktuelle Gesundheitssituation der Patienten informiert sind. Die e-health Features werden ganz eindeutig eher als nützliches Werkzeug denn als Bedrohung angesehen.

2. Nutzung der e-card im Ausland
Insgesamt 3,9 Mio. Österreicher hatten in den letzten fünf Jahren zumindest einen Urlaub in den Ländern der EU, des EWR und der Schweiz, jenen Ländern also, in denen die europäische Versicherungskarte akzeptiert wird. Jede® Achte (15 %) hat bei Auslandsaufenthalt in den letzten fünf Jahren ärztliche Hilfe im Ausland in Anspruch genommen. Die europäische Versicherungskarte wurde dabei aber nur von 39 % verwendet. Leider bestätigt das vorliegende Projekt die Vermutung, dass die europäische Versicherungskarte nicht immer im Ausland akzeptiert wird: Immerhin 30 % jener Versicherten, die in der EU/EWR/Schweiz ärztliche Hilfe im Urlaub in Anspruch genommen haben, berichten, dass ihre Karte nicht akzeptiert wurde.

Viel häufiger als eine Ablehnung der europäischen Versicherungskarte durch ausländische Gesundheitsdienstleister (Ärzte, Spitäler) passiert es aber, dass die europäische Versicherungskarte gar nicht vorgelegt wird, weil die österreichische Bevölkerung noch viel zu wenig über die Funktion der Rückseite der e-card informiert ist. 11 % wussten gar nicht, dass die österreichischen Krankenkassen Leistungen im Ausland übernehmen, 34 % kannten die Verwendbarkeit der Rückseite nicht und weitere 12 % haben vergessen, die e-card in ihren Urlaub mitzunehmen.

3. Akzeptanz von Generika und korrekte Medikamenteneinnahme
GfK Austria beobachtet seit vielen Jahren die Akzeptanz von Generika bei Ärzten. Seit mehr als fünf Jahren zeigt sich, dass Generika von Ärzten gut akzeptiert sind und auch häufig eingesetzt werden. Inwiefern deckt sich dieser Befund mit den Erwartungen der österreichischen Bevölkerung?

Hinsichtlich der Präferenz zeigt sich, dass es noch immer rund jeder(m) zweiten Österreicher wichtig wäre, ein Originalpräparat zu erhalten (18 % sogar sehr wichtig). Vor allem ältere Befragte (über 60 Jahre) legen einen gesteigerten Wert auf die Verordnung von Originalpräparaten. Interessanterweise ist das Interesse an Originalpräparaten unter Befragten, die regelmäßig zu Arzt gehen, am höchsten und nimmt mit der Anzahl der pro Tag verwendeten Präparate signifikant zu.

Ein Drittel der Patienten weiß aber nicht, ob er/sie schon einmal Generika erhalten hat und weitere 23 % denken noch niemals Generika verordnet bekommen zu haben. Nur 2 % der Bevölkerung geben an, Generika verweigert zu haben und den Arzt um die Verordnung eines Originalpräparats ersucht zu haben.

Ein weiteres Indiz dafür, dass das Preis- und Kostenbewusstsein in der Bevölkerung noch entwicklungsfähig ist, veranschaulichen die Ergebnisse über das Wissen der aktuellen Rezeptgebühr. Nur ein Drittel der Befragten konnte den aktuellen Wert im Jahr 2009 von EUR 4,90 nennen. Immerhin 14 % haben Kosten von mehr als EUR 4,90 angegeben und 7 % konnten keinen Preis nennen.

Im Zeitreihenvergleich steigt der Anteil jener, die die Arzneimittel korrekt und nach Vorschrift einnehmen deutlich an und liegt mittlerweile bei 63 %. Aber noch immer versuchen 29 % der Bevölkerung eine möglichst geringe Medikamenteneinnahme zu gewährleisten, indem Medikamente so kurz wie möglich genommen werden. Weitere 7 % reduzieren die Medikamenteneinnahme, indem immer weniger Medikamente eingenommen werden. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Sorgsamkeit im Umgang mit Arzneimitteln eindeutig mit zunehmender Gesundheitseinschränkung einhergeht. So verhalten sich Menschen mit einem schlechten Gesundheitszustand deutlich stärker gemäß den Anweisungen ihres Arztes als andere.

Schließlich seien kurz die Ergebnisse im Zusammenhang mit dem regelkonformen Verbrauch der Medikamente genannt. Im Rahmen von Stichprobenbefragungen können lediglich Indikatoren für ein potentielles verschwenderisches Verhalten im Zusammenhang mit Arzneimitteln gefunden werden können, keineswegs aber valide Schlüsse über die Größe des „Medikamentenmülls“ abgeleitet werden.

Aber, immerhin 44 % der Befragten gaben an, die angebrochenen Medikamentenpackungen oft nicht zur Gänze aufbrauchen zu können. Die Majorität deponiert dann übrigens, nur ein paar Tabletten nicht verbraucht zu haben.