DRUCKEN

Europäische Sozialmodelle: Erfahrungen und Reformperspektiven


Prof. Dr. Karl Aiginger Der Autor:
Prof. Dr. Karl Aiginger

ist Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung

Kurzfassung  Der Artikel beschreibt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Europäischen Modell. Die Schwäche der europäischen Wirtschaft kommt großteils durch die schlechte Entwicklung in den drei großen kontinentalen Ländern zustande.

Die skandinavischen Länder entwickeln sich trotz viel stärker ausgeprägter Elemente eines europäischen Modells erfolgreicher. Dies allerdings nachdem z.B. Schweden Jahrzehnt für Jahrzehnt einen Teil seines Vorsprungs im Pro-Kopf-Einkommen gegenüber den anderen europäischen Ländern verloren hat. Alle drei Länder – Dänemark, Finnland, Schweden – haben in den neunziger Jahren eine erhebliche Krise erlitten.

Der Autor beschreibt die Reformen, die diese Entwicklung nunmehr ermöglicht haben, und warum das skandinavische Modell eher zur Anpassung an die neuen weltwirtschaftlichen Bedingungen fähig ist als die großen kontinentalen Länder Europas.
Die skandinavischen Länder haben eine Reformpolitik beschritten, die privates und öffentliches Kostenbewusstsein kombiniert mit Flexibilisierung und Intensivierung des Wettbewerbs, aber sie haben die aktive Rolle des Staates in Ausbildung, Innovation und Technologien forciert und mikroökonomische wie auch makroökonomische Sicherheit erzeugt.

Dies ist ein starker Kontrast zum so genannten Pariser Konsens. Dies ist die Ansicht vorwiegend von Ökonomen der OECD, dass Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hinreichend ist für höheres Wachstum. Die Wirtschaftspolitik übt in einer globalisierten Weltwirtschaft eine andere Rolle aus als bisher und ist weder einseitig keynesianisch noch neoliberal, sondern forciert das Wachstum, indem sie positive externe Effekte, Wissen und Innovation erzeugt oder unterstützt.

Die Bedeutung der Wirtschaftspolitik ist nicht geringer als bisher und nicht passiv abwartend, sondern gestaltet die Zukunft und stärkt Vertrauen und Sicherheit. Die Länder im skandinavischen Modell stehen der Globalisierung positiv gegenüber und gestalten ihre Systeme so, dass sie anpassungsfähig sind, aber gleichzeitig wichtige Risken besser absichern.