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Magnetresonanztomographie des Kniegelenks - Vergleich von MRT-Untersuchungen mit verschiedenen Feldstärken - Systematischer Review


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Zusammenfassung
Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt als nicht nicht invasives Verfahren bei der Untersuchung von muskuloskelettalen Verletzungen und Erkrankung eine sehr wichtige Rolle. Die meisten MRT-Untersuchungen werden auf Ganzkörper-Hochfeld-Systemen (>1.0 Tesla) durchgeführt. Für spezifische klinische Fragestellungen sind auch sogenannte Niedrig- oder Mittelfeld Extremitätenscanner verfügbar. Weit seltener werden in der Zwischenzeit offene Ganzkörper-Niedrigfeld-Systeme verwendet.

Ziel diese systematischen Reviews war es, die diagnostische Genauigkeit, die mit MRT-Geräten verschiedener Feldstärken (<1.0 Tesla versus >1.5 Tesla) bei Knieverletzungen und –pathologien erzielt werden kann, zu eruieren bzw. zu vergleichen. Die Vorgehensweise bei der Erstellung dieser Arbeit entsprach den üblichen Standards für systematische Reviews von diagnostischen Genauigkeitsstudien.
Mit der systematischen Literatursuche in Datenbanken und einer zusätzlichen Handsuche wurden mehr als 10.000 Treffer erzielt. Es wurden schließlich 1.547 Abstracts gelesen und 76 Volltextartikel bestellt. Der weitere Auswahlprozess führte zum Einschluss von 4 systematischen Reviews (die 94 diagnostische Primärstudien zusammenfassten) sowie 6 zusätzlichen Primärstudien, deren Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zu Grunde liegen.

Die 4 systematischen Reviews waren in den Jahren 2003, 2011 und 2012 publiziert worden. Zwei befassten sich mit Meniskus- und Kreuzbandverletzungen und schlossen sowohl Niedrig- als auch Hochfeld-MRT-Studien mit ein. Die anderen beiden Arbeiten fassten Studien zur Hochfeld-MRT bei Knorpeldefekten im Knie zusammen. Weiters inkludierten wir 6 Primärstudien, die zwischen 1995 und 2003 publiziert worden waren, und die die diagnostische Genauigkeit der Niedrigfeld-MRT bei Knorpeldefekten im Knie untersuchten.
Eine kritische Bewertung der vorliegenden Evidenz ergab, dass es bei Meniskus- und Kreuzbandverletzungen zwischen der Niedrig- und Hochfeld-MRT keine Unterschiede hinsichtlich diagnostischer Genauigkeit gibt. Sensitivität und Spezifität der MRT ist für den lateralen Meniskus deutlich niedriger, was aber nicht mit der verwendeten Feldstärke zusammenhängt.

In Bezug auf die Detektion oder das Staging von Knorpeldefekten im Knie oder der Kniegelenksarthrose zeigt sich die MRT einigermaßen spezifisch, jedoch nicht besonders sensitiv. Diese Aussage gilt jedoch nur für die Hochfeld-MRT und wird untermauert durch zahlreiche Studienergebnisse. Für die Niedrigfeld-MRT liegt hier praktisch keine Evidenz vor, da nur wenige Studien, großteils mit sehr kleinen Stichproben und divergierenden Ergebnissen, durchgeführt wurden.

Daraus abgeleitet können wir die Niedrigfeld-MRT beim Verdacht auf Verletzungen von Meniskus oder Kreuzband mit folgenden Einschränkungen bzw. unter Bedachtnahme folgender Begleitumstände empfehlen:

  • Die MRT-Untersuchungen mit Niedrigfeld-Extremitäten-Scannern sollten von entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Radiolog/inn/en befundet werden; eine enge Zusammenarbeit mit dem Kliniker ist jeweils anzustreben.
  • Die MRT-Untersuchung sollte die klinische Diagnose nicht ersetzen, sondern sie ergänzen; dies gilt speziell für komplexere Verletzungen.
  • Einem negativen Befund nach einer Niedrigfeld-MRT-Untersuchung wird evtl. weniger vertraut; deshalb sind Wiederholungsuntersuchungen an Hochfeldsystemen zu erwarten.
  • Selbstzuweisungen, z.B. durch Nicht-Radiologen, die eine Niedrigfeld-MRT in ihrer Ordination installieren, sind zu kontrollieren.


Auf Basis der vorliegenden Evidenz können wir die Untersuchung von Knorpeldefekten und/oder Kniegelenksarthrosen auf Niedrigfeldsystemen nicht empfehlen. Da die diesbezügliche Sensitivität , die in Studien mit Hochfeldsystemen erzielt werden konnte, suboptimal ist, sollten solche Untersuchungen primär in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.