DRUCKEN

Bewegungsformen bei muskuloskeletalen Erkrankungen


linkDownload (350.3 KB)


Hintergrund
Das Bewegungsangebot LNB wird als Schmerztherapie im Sinne des Ernstnehmens der Signale des Körpers und der Umgewöhnung auf "richtige" Bewegungsmuster beworben.

Ziel des Berichts war die Suche nach wissenschaftlicher Beweislage für die Wirkung von LNB bei diversen muskuloskeletalen Erkrankungen.

Methode
Nach primär erfolgloser Suche nach publizierter Primärliteratur zur LNB wurde auf vorhandene Ergebnisse aus 2012 zu Bewegungstherapie aus der Cochrane Library zurückgegriffen. Diese werden als Surrogat zur Fragebeantwortung "Bewegung gegen Schmerz" verwendet.

Ergebnis
Für Fibromyalgie zeigt leichte aerobe Bewegung signifikante Effekte zur Schmerzbesserung und Reduktion der Tender Points, nicht aber zu intensive Bewegung oder Kräftigungstraining. Funktionsbesserung zeigt sich bei intensiver aerober Bewegung, nicht jedoch durch Kräftigungstraining. Durch Bewegung werden Depressionsbesserungen und EbM HTA Bewegung Steigerung des generellen Wohlbefindens erreicht (Bush 2007). Dies findet sich auch in den Deutschen Leitlinien Fibromyalgie (AWMF 2012) als Empfehlung.
Für Rückenschmerzen werden für Bewegung vor allem relevant weniger Rückfallraten und geringere Krankenstände bei chronischen Rückenschmerzen im Langzeitoutcome berichtet.
Im Vergleich zur "Standardbehandlung" sind manche dieser Outcomes nicht signifikant (Choi 2010). Positive Ergebnisse für Bewegung werden im Langzeitergebnis für Schmerz- und Funktionsbesserungen berichtet, nicht signifikante Unterschied zu anderen Behandlungen im Kurzzeitoutcome (direkt nach Intervention) und für akute und subakute Kreuzschmerzen. (Hayden 2005) Eine Übersichtsarbeit zu Leitlinien für die Behandlung von Rückenschmerzen (Felder-Puig 2008 LBI HTA) zeigt Bewegung als am besten Evidenz gesichert, wofür sich verschiedene Leitlinien einheitlich in ihren Empfehlungen äußern. Für chronische KreuzschmerzpatientInnen wird in den österreichischen Leitlinien eine Kombination von physikalischen Therapien (Elektrotherapie, Thermotherapie, Massage, Traktionen, Ultraschall) empfohlen; in den anderen Leitlinien gibt es diese Empfehlung nicht.
Bei Osteoporose werden sowohl signifikante als auch nicht signifikante Besserungen der Knochendichte an Rist, Hüfte und Wirbelsäule berichtet, jeweils für unterschiedliche Bewegungsformen und auch zwischen diesen Vergleichen. Für den Outcome Frakturen (nicht signifikant) sind die Studien deutlich unterpowert (=es kann mit dieser Teilnehmerzahl über diese Zeit bei Kenntnis der üblichen Frakturzahlen keine Signifikanz erzielt werden). (Bonaiuti 2002).
Für Gonarthrose werden durch Kräftigung der unteren Extremitätenmuskulatur, Gehprogramme, individuell angepasste Bewegungsmethodik und Gruppen- und Heimbasierte Bewegungsprogramme Schmerz- und Funktionsbesserungen erzielt, sowie signifikante Reduktionen der Behandlungskontakte. (Fransen 2008). Zwischen intensiven und weniger intensiven Bewegungstrainingsprogrammen wurden keine signifikanten Unterschiede gefunden (Brosseau 2003).
Für Rheumatoide Arthritis werden durch Tai Chi bessere Beweglichkeit der Ferse und der unteren Extremitäten berichtet, keine signifikanten Ergebnisse für Funktion, Gelenksempfindlichkeit, Gehgeschwindigkeit, Greifkraft, generelle Besserung, Schulterbeweglichkeit und selbst berichtete Outcomes. (Han 2004) Durch aerobe Bewegung
wird mehr Kondition erreicht (aerobe Kapazität und mehr Muskelkraft), nicht aber Schmerzbesserungen, Einfluß auf die Krankheitsaktivität, auf die radiologischen Befunde, und die selbst berichteten Outcomes (Hurkmans 2009). AWMF Leitlinien empfehlen aktive Bewegungsformen für Koxarthrose (Aufbau und zielgerichtetes Funktionstraining und für Nackenschmerzen (Muskelkräftigung).
Bei Patienten nach Schlaganfall werden keine signifikanten Ergebnisse zur Funktionsbesserung durch aktivierende Bewegung berichtet (English 2010). Die Ergebnisse sind aus Studien mit durchschnittlich moderatem Evidenzniveau, inkludiert in systematische Übersichtsarbeiten hoher Qualität.

Zusammenfassung
Es wurden keine Studien explizit für LNB Bewegungstherapie gefunden. Daher wurden hoch qualitative systematische Übersichtsarbeiten (Cochrane) und Leitlinien (AWMF) und eine österreichische Übersichtsarbeit zu Leitlinien über Rückenschmerzen (LBI HTA) zur Anfragebeantwortung verwendet. Strukturierte und zielgerichtete aktive Bewegungstherapien und Bewegungsformen werden für Patienten mit Fibromyalgie, chronischen Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, und Koxarthrose empfohlen. In einigen Endpunkten ist aktive Bewegungstherapie auch für Osteoporose, Gonarthrose und rheumatoide Arthritis mit positiven Nachweisen belegt. Die zielgerichtete aktive Bewegungstherapie oder Bewegungsform kann, aber muss nicht LNB sein.