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Kältekammer update


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Methodik
Es wurde ein Update zum EBH-Bericht aus dem Jahr 2007 erstellt.
Studien zu Kälteanwendungen im OP Bereich, in der Tumorbehandlung, bei Epilepsie, in der Neu- bzw. Frühgeborenenbehandlung, im Notfallmanagement und bei
Schädelhirnverletzungen wurden exkludiert.

Ergebnisse
(Ganzkörper-) Kälteanwendungen werden hauptsächlich im Sportsetting eingesetzt - Zur rascheren Abkühlung und zur Wiederherstellung des aeroben Muskelstatus, wobei hier als die besten Arten der Abkühlung Eintauchen in oder Duschen mit kaltem Wasser beschrieben werden.

- Zur Aktivierung der aeroben Muskelkapazität vor dem Sport
- Zur Vermeidung oder Behandlung von Muskelkater und Muskelverletzungen

Bei der Anwendung von Ganzkörperkältetherapie bei Gesunden (Athleten) werden Veränderungen der Blutzusammensetzung (Erhöhung der weißen Blutkörperchen, der Blutplättchen, Senkung der roten Blutkörperchen, des Hämatokrits und des Hämoglobins), und (negative) Einflüsse auf die Herzfunktion und den Blutdruck, sowie
(positive) auf das Immunsystem kontrovers diskutiert bzw. beschrieben.
Für die Anwendung der Kältekammer bei Erkrankten berichtet eine Studie erniedrigte Histaminwerte als Surrogatparameter für Entzündungsgeschehen im Blut bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis, eine andere von generell veränderter Stressreaktion (auf Kälte) bei derartigen Erkrankungen. Beide Studien sind der Grundlagenforschung zuzurechnen und aufgrund der geringen Aussagekraft (Evidenzlevel IIb, Empfehlungsgrad B und Evidenzlevel IV) nicht in der Lage zu beweisen, dass Kältekammertherapie bei rheumatischen Erkrankungen wirksam zur Schmerzreduktion, Funktionsbesserung oder Lebensqualität ist, oder Einfluss auf den
Verlauf der Erkrankung hat.
Positive Ergebnisse wurden im Zusammenhang mit Kältekammeranwendung bei Patienten mit atopischer Dermatitis und bei Patienten mit Depressions- oder Angstsymptomen gefunden. Die Studie zu Kälte bei atopischer Dermatitis ist eine
Beobachtungsstudie mit 10 Patienten (Evidenzlevel IV). Die Studie zu Kälte bei psychischen Erkrankungen ist eine Vergleichsstudie mit insgesamt 60 Patienten, die Auswahl und die Zuordnung der Patienten zur Studien- oder Kontrollgruppe sind unklar.
Der berichtete Unterschied beträgt 3-5 Scorewerte bei Angstsymptomen auf einer Skala von 0-52, und 2-6,5 Scorewerte bei Depressionssymptomen auf einer Skala von 0-68.

Es wurde in zwei Studien eine auffällig hohe Drop out Rate aufgrund unerwünschter Ereignisse im Rahmen der Kältekammertherapie wahrgenommen. In den (wenigen) Studien, die Kältekammeranwendungen an Kranken testen, wurden jeweils Patienten mit folgenden Konditionen exkludiert: Kreislauf- oder Atemschwächen, Thromboseneigung, Entzündung der Blutgefäße, offene Wunden, Geschwüre, schwere Wahrnehmungsbeeinträchtigungen, Fieber, Suchterkrankungen,
Klaustrophobie, Übersensibilität gegen Kälte.
Dies ist als Hinweis zu werten, dass ein Schadenspotential bei Kältekammertherapie besteht. Die Fähigkeit, die Hautdurchblutung mittels reflektorischer Gefäßkonstriktion für die Thermoregulation bei Kälte zu senken ist bei Patienten mit bestimmten Erkrankungen
(periphere Neuropathie, Rückenmarksverletzungen, Diabetes) vermindert. Diese Personen haben ein erhöhtes Risiko für zu großen Wärmeverlust aufgrund inadäquater Adaptionsmechanismen. Auch Personen mit Bewegungserkrankungen und häufigem Alkoholkonsum haben ein erhöhtes Risiko.

Schlussfolgerung
Aus den gefundenen Daten kann weiterhin keine wissenschaftlich fundierte Empfehlung zur Investition in eine Kältekammer gegeben werden. Es scheint ein nicht klar definierbares Schadenspotential zu bestehen und bei Patienten mit herabgesetzter Vasokonstriktion (Blutgefäßreaktion auf Kälte) und verschiedenen Komorbiditäten ist besondere Vorsicht indiziert.