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Thermotherapie als physikalische Anwendung


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Ein Teilbereich der physikalischen Therapie, die Thermotherapie, wird in diesem systemtischen Literatur-Review einer Evaluierung auf Wirksamkeit unterzogen.
Es wurde in den Datenbanken MEDLINE und Cochrane Database for Systematic Reviews systematisch, in der Datenbanken DARE, den Studienreferenzen und per Handsuche ergänzend gesucht, und 89 Studien inkludiert. Der Review wurde in vier Teilbereiche unterteilt, bei denen Ultraschall, direkte Wärme- und Kälteanwendungen, Kurzwelle und Niedrigenergielaser evaluiert wurden.
Für die Behandlung mit Ultraschall zeigen unsere Ergebnisse zusammengefasst für verschiedene Indikationen eine generelle Besserung bei bis zu 67% im Vergleich zu bis zu 45% mit Scheinbehandlung (Placeboultraschall) und bis zu 18,5% im Vergleich zu gar keiner Behandlung. Der Ultraschall bietet also ein Mehr an erfolgter genereller Verbesserung von 11-20% gegenüber der Scheinbehandlung und von 30- 40% gegenüber keiner Behandlung. Die mittlere Schmerzreduktion durch Ultraschall beträgt 1,8 bis 20%, die mittlere Funktionsverbesserung der Beweglichkeit 3,6° (im Sprunggelenk) und 5 Grad (im Schultergelenk). Die angewandte Frequenz (in MHz) kann nicht linear mit mehr oder weniger Wirkung in Zusammenhang gebracht werden. Die Besserung der Sensibilität (beim Karpaltunnelsyndrom, CTS) erreicht bis zu 15%, die Besserung der Hauptbeschwerden (Beim CTS) bis zu 26,8%, die der
am meisten beeinträchtigenden Beschwerden bis zu 38,3%.
Wenn nur die qualitativ hochwertigen Studien (CONSORT Ergebnis 18 bzw 19 von 22) zu Ultraschall berücksichtigt werden, so zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede bei der Funktionsverbesserung von 4% zugunsten der Vergleichstherapie Low Level laser auf der Constant Murley Scale (0-100) und von 20% Schmerzverbesserung (VAS 1-10) ebenfalls zugunsten der LLL (low level laser). Im Vergleich Ultraschall versus Schein-Ultraschall zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede für eine Ruheschmerzbesserung von 10% und eine Bewegungsschmerzverbesserung um 7% nach 2 Wochen.
Wenn nur jene Studien herangezogen werden, die ausdrücklich den Ultraschall als Thermotherapiebehandlung einsetzen, so zeigen sich keine signifikanten Wirkungsunterschiede zwischen US und Schein Ultraschall bei der Behandlung von Karpaltunnelsyndrom (Oztas), keine signifikanten Wirkungsunterschiede zwischen Hot packs+isokinetischen Übungen+Ultraschall versus nur Hot packs+isokinetischen Übungen bei Gonarthrose(Cetin) und statistisch signifikante Unterschiede nach 4 und 6 Wochen (nicht nach 2 Wochen) zwischen US und Schein US im Einsatz bei plantar flexion limitation um 4-6° (Knight).
Für die Behandlung mit Wärmeanwendungen (Wärmepackungen, Wachsbäder) zeigen unsere Ergebnisse Schmerzverbesserungen zwischen 6,5 und 12,7%, Verbesserungen der Gelenkssteifigkeit um 5 bis 16,9%, Funktionsverbesserungen zwischen 0,9% und 13%, Verringerung der Beschwerden liegt zwischen 19,4% und 24,4% und Reduktion der Symptomschwere um 14 bis 16,6%.
Für die Anwendung von Hot packs oder von Cold packs (beide Vergleichsgruppen erhielten auch Physiotherapie) bei Gonarthrose berichtet eine Studie eine um 1cm größere Reduktion des mittelpatellaren Umfangs sowohl für Wärme als auch für Kälte, jeweils nach 2 Wochen. Für die Anwendung von Eismassage bei Gonarthrose kann eine Erhöhung der isometrischen Quadrizepskraft um 2,3 kg, eine verbesserte
Knieflexion (ROM) um 9° und eine verlängerte Gehzeit von 9,7 Minuten nach 2 Wochen erreicht werden.
Für die Anwendung von Ganzkörperkühlung bei Patienten mit Mutipler Sklerose werden statistisch signifikante Unterschiede bei MFIS (Modified Fatigue Impact Scale), RFD (Reasons for Depression), Energiesteigerung, Kraftzunahme und Müdigkeit (Fatigue) berichtet, die klinische Relevanz ist aufgrund unklarer Score-Anwendungen nicht gut nachvollziehbar.
Für die Behandlung mit Kurzwellendiathermie zeigen unsere Ergebnisse in keiner der ausgeführten Berechnungen statistisch signifikante Veränderungen im Vergleich zu Placebo oder zu keiner Therapie beim Mittelwertevergleich, weder für Schmerznoch für Funktionsoutcomes. Die einzige Auswertung der generellen Verbesserung inkludiert zwei Studien mit sehr heterogenen Ergebnissen, die keine Aussage zulassen.
Für die Behandlung mit Niedrigenergielaser zeigen unsere Ergebnisse eine Schmerzreduktion zwischen 2,5% und 45,7% (je nach angewandter Skala) beziehungsweise eine Schmerzbesserung bei bis zu 75% der Patienten nach Laseranwendung, und eine Schmerzbesserung bei 32% der Patienten mit Placebo-Laseranwendung. Die Funktionsbesserung erreicht bis zu 5,5%, die Zeit mit Gelenkssteifheit am Morgen kann um bis zu 27 Minuten reduziert werden.
Zusammenfassend scheint die Anwendung von verschiedenen Formen der
Thermotherapie in der Wirksamkeit abhängig davon zu sein, ob sie gegen
Placebo getestet wurde (hohe Placebowirkungen!) und mit welchem Score welche Art von Outcome gemessen wurde. Die berichteten Schmerzreduktionen und die berichteten Funktionsverbesserungen sind
gering (4-20%).