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Sekundärprävention osteoporosebedingter Knochenfrakturen


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Sekundärprävention osteoporotischer Frakturen - ein inter- und intradisziplinäres Modellprojekt im Hanuschkrankenhaus

Unterarm- und Schenkelhalsfrakturen zählen zu den typischen osteoporotischen Frakturen. Letztere treten meist im höheren Lebensalter auf und sind immer mit einem Krankenhausaufenthalt mit unfallchirurgischer Intervention verbunden. Der Zusammenhang zwischen Osteoporose und Fraktur wurde in den chirurgischen Fächern bis vor Kurzem wenig beachtet und daher die Betroffenen keiner Diagnostik oder Therapie bezüglich Knochenbruchkrankheit zugeführt.
Zielsetzung des Modellprojektes war die Entwicklung und Erprobung einer Kooperation und interdisziplinären Diagnose- und Therapieplanung zwischen einer unfallchirurgischen Abteilung, einer internistischen Abteilung mit einem Schwerpunkt Knochenerkrankungen und dem niedergelassenen Bereich.

Methodik
Vorträge, Seminare und Schulung in Kleingruppen zum Thema Knochenbruchkrankheit für alle Beteiligten.
Implementierung von zwei speziell ausgebildeten "Osteoporoseschwestern", welche die Schnittstellenorganisation, Befragungen, Beratungen, Terminorganisation und Datenerhebung durchführen.
Datenerhebung von Anfang Dezember 2005 bis Ende Dezember 2006. Nachbefragungszeitraum bis Jänner 2008.
3 Gruppen: Patientinnen und Patienten nach Schenkelhalsfraktur, nach Unterarmfraktur und vor elektivem Gelenksersatz.
Leitliniengerechte Diagnostik und Therapie nach Arznei und Vernunft Osteoporose 2005.

Ergebnisse
Schenkelhalsfrakturen (Gesamtzahl 367): dreimal mehr Frauen (Durchschnittsalter 83,9 Jahre) als Männer (80,5 Jahre). Fast ein Drittel weist kognitive Defizite auf, fast 90% einen nicht suffizienten Vitamin D Status, ein Fünftel verstirbt im ersten Jahr nach Fraktur (Männer vermehrt), nur 1,6% versterben noch im Krankenhaus. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 17 Tage. Weniger als ein Fünftel erreicht wieder eine Mobilität ohne Hilfsmittel, bei mehr als einem Drittel hätte bereits vor der Fraktur eine Osteoporose vermutet werden können, fast 40% beenden die Osteoporosetherapie innerhalb des ersten Jahres. ICD10-Codierung von Osteoporose von 8% 2004 auf fast 80% 2006 gestiegen.

Schlussfolgerung
Intensive Beratungsmaßnahmen erhöhen die Awareness für Osteoporose an einer unfallchirurgischen Abteilung.
Diagnose und Therapie hätten häufig auf Grund der Anamnese bereits lange vor dem Frakturereignis stattfinden können.
Trotz Intensivbetreuung ist die Adherence zu oralen Osteoporosemedikamenten unbefriedigend.
SchenkelhalsfrakturpatientInnen weisen zu einem deutlichen Prozentsatz kognitive Defizite auf, und sind daher nie in klinische Medikamentenstudien eingeschlossen.
Der Vitamin D Status der untersuchten PatientInnen ist zum überwiegenden Teil nicht zufriedenstellend.
Es besteht Forschungs- und Handlungsbedarf bezüglich Diagnostik und einer sicheren Therapie der Knochenbruchkrankheit für die gefährdeten Bevölkerungsgruppen.