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Pegylierte Interferone


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In Österreich sind ca. 80 000 (0,5 bis 1% der Bevölkerung) Menschen chronisch mit dem Hepatitis- C -Virus (HCV) infiziert, nach 10 bis 20 Jahren kann es bei 20 bis 30 Prozent der chronisch Infizierten zur Leberzirrhose kommen, die mit einem erhöhten Risiko für Ösophagusvarizenblutung, Aszites und hepatischer Enzephalopathie, sowie der Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) einhergeht.
Das Hauptziel in der Behandlung der Hepatitis C liegt in der Elimination der Hepatitis C Viruslast (HCV). Sind nach erfolgreicher Therapie keine HCV im Serum messbar (unter der Nachweisbarkeitsgrenze), spricht man von einer andauernden virologischen Antwort (sustained virological response= SVR).
Bisherige Studien zur Kombinationstherapie von Interferon Alpha und Ribavirin, einem Virustaticum, beruhen auf der Annahme, dass der Surrogatendpunkt der andauernden virologischen Antwort (Sustained Virological Response) als gesicherter Indikator für eine langandauernde Reduktion der zukünftigen Morbidität und Langzeitmortalität gelten kann.
Die therapeutische Indikation der pegylierten Interferone ist die Behandlung der histologisch nachgewiesenen chronischen Hepatitis C bei Erwachsenen mit erhöhten Transaminasenwerten (alanine aminotransferase, ALT-SGPT) und positiver Serum Hepatitis C Viruslast (HCV-RNA) oder positivem Anti-HCV, einschließlich Patienten mit kompensierter Leberzirrhose. Als beste Behandlung gilt die kombinierte Anwendung mit Ribavirin.
Der wissenschaftlichen Beurteilung der EMEA 2002 zufolge ist pegyliertes Interferon in der Kombinationstherapie bei unbehandelten Patienten und bei Patienten, die ursprünglich auf eine Interferon Alpha Monotherapie angesprochen und nach Beendigung einen Rückfall erlitten haben, indiziert. Die Gesamtbehandlungsdauer in Kombination mit Ribavirin beträgt mindestens 24 Wochen und bei Patienten mit hohem Rückfallsrisiko 48 Wochen, sofern nach 6 Monaten Therapieerfolg nachweisbar ist. Im Falle einer Monotherapie ist die empfohlene Behandlungsdauer 48 Wochen, sofern nach 6 Monaten Therapieerfolg nachweisbar ist.
Basierend auf den Ergebnissen der internationalen Studien sind antivirale Kombinationstherapien mit pegylierten oder nicht pegylierten Interferonen und Ribavirin als medizinisch effektiv zu bewerten und der Interferon-Monotherapie bezüglich der Effektivität überlegen. Pegylierte Interferone führen allerdings sowohl in Monotherapie als auch in Kombination mit Ribavirin zu einer besseren Viruselimination, im Vergleich zu herkömmlichen nicht pegylierten Interferonen.
Die übermittelte COPILOT7 Studie “Comparison of therapy with peg-intron 0.5 mcg/kg versus colchicine 0.6 mg bid in 250 patients with cirrhosis and HCV” ist eine laufende randomisierte klinische Studie, mit vorläufigen Zwischenergebnissen nach 2 Jahren. Einschlusskriterien sind fortgeschrittene Leberzirrhose bei chronischer Hepatitis C und ein fehlendes Ansprechen auf eine frühere Interferontherapie, Therapiearme sind entweder Colchicin oder niedrig dosiertes PegIntron. Anhand des vorliegenden Abstracts mit fehlenden detaillierten Angaben zu Einschluss- und Ausschlusskriterien und nur vorläufigen Ergebnissen kann zur Sinnhaftigkeit einer niedrig dosierten PegIntron Therapie keine Stellung genommen werden, endgültige Resultate liegen nicht vor.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine evidenzbasierte Therapieempfehlung zur Langzeittherapie in der Indikation der fortgeschrittenen Leberzirrhose bei chronischer Hepatitis C mit pegylierten Interferonen nicht möglich, da keine gesicherten wissenschaftlichen Daten vorliegen.
Für die Langzeittherapie sind die pegylierten Interferone nicht zugelassen, eine Therapie außerhalb der zugelassenen Indikation sollte Studien vorbehalten sein.