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Niedrigpulsierende Magnetfeldtherapie


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Beim Thema elektromagnetische Felder und Wirkungen auf den Menschen existieren zwei unterschiedliche Forschungsbereiche, nämlich der umweltmedizinische und der therapeutische. Grob zusammengefasst wird im umweltmedizinischen Bereich versucht zu beweisen, dass der Einfluss elektromagnetischer Felder im Bereich von 10-300 mHz (Megahertz) für den Menschen schädlich ist, im therapeutischen Bereich wird versucht nachzuweisen, dass die fokussierte Anwendung elektromagnetischer Felder (Frequenzen ~ 15-20 Hz) positive Wirkung hat. In keinem der Bereiche ist eine Evidenz entsprechend hoch, um von Beweisen sprechen zu können. Es scheint daher, als läge die Wahrheit irgendwo dazwischen, abhängig von der Pulsfrequenz des elektromagnetischen Feldes oder von der Dauer der Einwirkung. In dem Zusammenhang wird die Diskussion natürlich vorkommender elektromagnetischer Strahlung meist ausgeblendet. Für einen validen Vergleich zwischen der Therapie der verzögerten Frakturheilung chirurgisch (Osteosynthese) versus PEMF (pulsed electromagnetic fields) gibt es wenig Anhaltspunkte. Lediglich Nelson1 (2003) beschreibt in einem Review, die PEMF kann in „ausgewählten Fällen“ gleich effektiv wie chirurgische Behandlung sein. Nelson beschreibt in dem Review die Studienergebnisse der einzelnen Arbeiten, nicht jedoch deren Evidenzstufe. Eine Arbeit, die Frakturheilung nach chirurgischer Behandlung und mittels PEMF Behandlung vergleicht, existiert derzeit nicht.
PEMF wurde hinsichtlich des Einsatzes bei den Diagnosen Frakturbehandlung und Behandlung von Pseudarthrosen recherchiert.
Dazu findet sich ein HTA Bericht (DIMDI 2000), der die Studienlage für den Einsatz von PEMF in allen Indikationen (ICD M, S, T – sämtliche Knochenerkrankungen) als nicht hinreichend belegt ansieht und die befürwortenden Studien mit maximalem Evidenzlevel von III beschreibt. Die gefundenen Einzelstudien (Pubmed) berichten durchwegs positive Ergebnisse, sind jedoch vorwiegend Fallserien ohne Kontrollgruppe und mit geringer Fallzahl ohne Langzeitbeobachtung.
Die vier beigelegten Studien wurden im Volltext gelesen und mit Evidenzlevel 3-4 klassifiziert. Grundsätzlich scheint die Behandlung mit PEMF weit verbreitet angewendet zu werden, eine entsprechende Methodik für die klare Evaluierung der Ergebnisse dürfte schwierig zu gestalten sein. Die momentane Studienlage zeigt eine schwer vergleichbare Mischung unterschiedlicher Studienziele, Studienpopulationen und PEMF Techniken in der Anwendung. Zellstudien kommen mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass ein Einfluss des Stroms auf das (gesteigerte) Zellwachstum besteht, sie wurden jedoch mangels Relevanz in dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Als entscheidend für den Erfolg der Behandlung nicht heilender Frakturen mittels PEMF wird die Größe des Abstandes der Knochenenden berichtet, Simonis (2003) findet zusätzlich in einer der wenigen RCTs zum Thema einen signifikanten Unterschied in der Frakturtherapie mit PEMF zwischen den Gruppen der Raucher und Nichtraucher.
Generell gilt ein Abstand der Frakturenden > 5mm als Kontraindikation für PEMF. Das Vorhandensein einer synovialen Pseudarthrose stellt eine Kontraindikation für alle physikalischen Stimulationstherapien dar2 (Nelson 2003).
Über zusätzliche Einflüsse auf die Frakturheilung wie Alter, Knochendichte, Ernährung und dergleichen wurde in den Studienberichten auf Abstractebene und in den gelesenen Volltexten kaum berichtet. Dies, sowie die notwendige Ruhigstellung des zu behandelnden Knochens und deren fehlende bzw. nicht ausreichend nachvollziehbare Dokumentation beinhalten mögliche methodische Fehlerquellen, wie auch Chao 2003 anmerkt.