DRUCKEN

Einsatz von Statinen zur Sekundärprävention von kardio-vaskulären Erkrankungen


linkDownload (796.6 KB)


Kontext:
Herz-Kreislauf Erkrankungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Industrieländern und sind mit hohen Morbiditäts- und Mortalitätsraten verbunden. Zu ihrer Behandlung sowie zu ihrer Prävention finden zahlreiche (medizinische) Maßnahmen Anwendung. Eine breit eingesetzte pharmakologische Intervention ist die Verabreichung von Statinen zur Senkung des Blut-Cholesterin- Spiegels, der als wesentlicher Risikofaktor für kardio-vaskuläre Erkrankungen gilt. Seit der Markteinführung der Statine Anfang der 90er Jahre kam es zu einer erheblichen Mengenausweitung: diese ist nicht nur durch den breiten Einsatz der Statine in der Sekundärprävention, die nicht (einmal) mehr in Frage gestellt wird, sondern durch deren Einsatz auch in der Primärprävention zu erklären.

Fragestellung und Ziel:
Die vorliegende systematische Übersichsichtsarbeit über international durchgeführte ökonomische Bewertungen zum Einsatz von Statinen in der Sekundärprävention von kardio-vaskulären Erkrankungen stellt den 1. Teil einer 2- teiligen Analyse dar und hatte zur Aufgabe, die durch breiten Statineinsatz erwarteteten ‚verhinderten’ klinischen Ereignisse und die dadurch bedingte Kostenersparnis systematisch darzustellen. Die Gegenüberstellung von prognostizierten Effekten durch die medikamentöse Sekundärprävention und die tatsächlichen Auswirkungen in der Versorgungsrealität ist Untersuchungsgegenstand des 2. Teils der Arbeit.

Methode:
Eine Literatursuche zu „gesundheitsökonomischen Evaluationen von Statinen in der Sekundärprävention“ in Medline und in HTA-Datenbanken ergab insgesamt 265 Einträge, aus denen nach definierten Ein- und Ausschlusskriterien 35 relevanten Studien für die systematische Analyse gefiltert wurden. Die Datenextraktion erfolgte nach anerkanntem Transparenzkatalog. Die gewählten Studien wurden nach Fragestellung und Forschungsziel, Forschungsdesign, medizinischen Charakteristika der Studienpopulation, ökonomischen Fragestellungen der Kostenermittlung und nach dem Umgang mit Unsicherheit analysiert und anhand eines Qualitätskataloges beurteilt.

Ergebnisse:
Die Effektivität von Statinen hinsichtlich Surrogatendpunkten (signifikante Senkung des Serum-Cholesterol-Spiegels) und hinsichtlich klinischer Endpunkte (signifikante Senkung des Morbiditäts- und Mortalitätsrisikos) ebenso wie die Kosten-Effektivität in der Sekundärprävention gilt als gesichert.

  • Die relative Risikoreduktion (RRR) hinsichtlich klinischer Ereignisse (nicht fataler Schlaganfall, Myokardinfarkt, instabile Angina Pectoris, sowie koronare Revaskularisation) bewegt sich zwischen 18 % (Instabile Angina Pectoris) und 43 % (fataler Myokardinfarkt).
  • Die absolute Risikoreduktion (ARR) beim kombinierten Endpunkt KHK Mortalität und Morbidität bewegt sich zwischen 3 und 9 %.

  • Die Effektgröße NNT (number needed to treat) zeigt auf, wie viele PatientInnen behandelt werden müssen, um ein Ereignis zu verhindern. Sie liegt bei Statinen in der Sekundärprävention zwischen 30 und 80: deutlich geringer bei Myokardinfarkt, deutlich höher bei Schlaganfall.

  • Das Basisrisiko für KHK Mortalität liegt zwischen 10 % und 15 %.
  • Die gewonnenen Lebensjahre (LYS) nach langfristiger Statinbehandlung betragen 0,16 bis 0,49, was 2-6 gewonnenen Lebensmonaten entspricht.
  • Die zusätzlichen Kosten/PatientIn und das IKEV (Inkrementelles Kosten- Effektivitäts-Verhältnis) liegen zum größten Teil unter € 10.000/LYS oder QALY, weswegen Statine als kosten-effektiv gelten.
  • Die Verhinderung von klinischen Ereignissen führt – entsprechend der Ergebnisse der klinischen Studien – zu einer Reduzierung der Ausgaben im intramuralen Bereich. Nach Berechnungen kommt es zu Einsparungen (abhängig von Zielpopulation, Krankenhausvergütung, Preisniveau der Statine)


von 25 % bis 88 %, nicht aber zu einer vollständigen Kompensation der Mehrkosten.

  • Für Krankenhaus-lastige Länder (hohe Hospitalisierungsrate, lange Verweildauer) wie Österreich ist durch eine Entlastung intramuraler Versorgung und eine Reduzierung von Krankenhausaufenthalten von größeren Einsparungseffekten und damit größerer Kosten-Effektivität der Statine auszugehen. Eine langfristige Umstellung auf Generika trägt ebenso dazu bei.
  • Bei einem breiten Einsatz der Statine in einer unselektierten PatientInnenpopulation ist dagegen von einem ungünstigeren Kosten-Effektivitäts-Verhältnis auszugehen.