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Fibromyalgie


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Die EULAR (Carville et al. 2007) subsummiert
für pharmakologische Therapie
Tramadol mit Evidenzlevel Ib und Empfehlungsgrad A
Einfache Analgetika wie Paracetamol und andere „leichte Opoide“ auf Evidenzlevel IV und Empfehlungsgrad D
Corticosteroide werden nicht empfohlen
Antidepressiva (Amitriptyline, Fluoxetine, Duloxetine, Milnacipran, Moclobemide, Pirlindole) auf Evidenzlevel Ib und Empfehlungsgrad A
Tropisetron, Pramipexole und Pregabalin auf Evidenzlevel Ib und Empfehlungsgrad A und
für nicht pharmakologische Therapie
Wärmebadbehandlung mit und ohne Übungen auf Evidenzlevel IIa und Empfehlungsgrad B
Individuell abgestimmte Übungsprogramme inklusive Aerobic und Krafttraining auf Evidenzlevel IIb und Empfehlungsgrad C
Kognitive Verhaltenstherapie auf Evidenzlevel IV und Empfehlungsgrad D
Andere Therapieformen wie Entspannungen, Rehabilitation, Physiotherapie, psychologische Unterstützung, jeweils individuell abgestimmt, auf Evidenzlevel IIb und Empfehlungsgrad C
Für die Behandlung der Fibromyalgie gibt es keine einheitliche medikamentöse Vorgehensweise. Neben der analgetischen Behandlung spielt die antidepressive Behandlung eine wesentliche Rolle. (O’Mallcy et al. 2000; Carette et al. 1994; Furlan 2006; Ozerbil 2006; Lawson 2006; Dadabhoy 2006; Freedenfeld 2006; Staud 2006; Wallace 2006; Littlejohn et al 2006; Lucas et al 2006; Arnold et al 2005)
Bewegung wird einheitlich als positiv wirksam in der Behandlung der FM beschrieben, über multidisziplinäre Rehabilitation und physikalische Therapieprogramme existieren kontroverse Ergebnisse. (Karjalainen 1999; Bush 2002; Gowans 2007; Wigers et al 2007; Brockow et al 2007; Jones et al 2006 ; Havermark 2006 ; Usui et al 2006 ; Assis 2006)
Psychosoziale Therapieansätze werden durchwegs als wirksam bei FM berichtet, sie scheinen jedoch schwer vergleichbar und von vorübergehendem Nutzen zu sein. (Price 1998; Whiting 2001; Broderick 2005; Hadhazy 2000; Shepton 2007; Hammond 2006; Bennett 2006; Thieme 2006)
Akupunktur wird kontroversiell diskutiert. Hyperbare Oxygenierung wird als vorteilhaft berichtet (allerdings wird auf die Gefahr der Sauerstoff Toxizität verwiesen), Nahrungsveränderungen (Diäten, Ernährungsumstellungen) scheinen mäßig effektiv.
Ein multidimensionaler Therapieansatz in der Behandlung der FM scheint den größten Nutzen für die Patienten zu haben. Die positiven Teileffekte der medikamentösen,bewegungs und verhaltenstherapeutischen Einzelbereiche scheinen kumulierbar. (Rossy 1999; Sim 2002; Chakrabarty 2007; Arnold 2006; Burckhardt 2006; Gur 2006; Kurtais 2006)
Neben der pharmakologischen Therapie kommen verschiedene weitere Therapieformen bei der Fibromyalgie zur Anwendung, wobei die Bewegung und ein multidimensionaler Therapieansatz als am besten wirksam erscheinen. Langzeitstudien, sowie „die Therapie“ der FM fehlen bisher.
Die Radontherapie findet Anwendung in Bädern (36 bis 37 Grad Wassertemperatur, Wasser Radon haltig) und Heilstollen (37 bis 41,5 Grad Lufttemperatur im Heilstollen; bis zu 160 kBq/m3). Eine Metaanalyse aus Österreich (Falkenbach 2004) fasst beide Therapieformen zusammen und berichtet über fünf gepoolte Studien (338 PatientInnen) keinen signifikanten Therapieerfolg direkt nach, jedoch signifikanten
Therapieerfolg drei Monate und sechs Monate nach Radontherapie im Vergleich zu
Kontrolltherapie hinsichtlich Schmerzreduktion.
In den USA (Erickson 2007) wird Heilstollen von den Erkrankten in Selbstverordnung genutzt. Das bedeutet, sie zahlen Eintritt in den Heilstollen und setzen sich der Strahlung aus, weil sie an den heilenden Effekt glauben. Dabei findet keinerlei medizinische Einflussnahme statt. Die Erkrankten sind zum Teil Stammkunden und kommen seit bis zu 30 Jahren wiederholt in den Stollen. Eine lang anhaltende Reduktion der Beschwerden ist anhand dieser Wiederholungen nicht anzunehmen.
Radon ist ein Abspaltungsprodukt von Uran und radioaktiv. Über die tatsächlichen Wirkungen und Nebenwirkungen durch die Radioaktivität im Heilstollen ist kaum Wissen vorhanden.
PatientInnen mit Fibromyalgiesyndrom leiden unter einer unklaren Diagnose (ICD 10 Code M79 „Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes, andernorts nicht klassifiziert“) und ebenso wenig eindeutigen Therapieansätzen. Eine große Zahl an Reviews mit und ohne Metaanalysen führt zu keinen klaren Empfehlungen. Es existieren jedoch unterschiedliche Methoden, die Linderung herbeiführen können.
Für die Therapie im Heilstollen gibt es Hinweise der Wirksamkeit, wobei jedoch jegliche Form der Nebenwirkungen durch Strahlen in den Studien konsequent ausgeblendet wird. Für Minenarbeiter in Radonstollen wird eine erhöhte Inzidenz an Lungenkrebs berichtet, in der BRD findet sich selbiges in der Liste der anerkannten Berufskrankheiten1. Ob und inwieweit die Strahlendosis und die Zeit der Strahlenexposition hierbei Einfluss haben, oder ob das Tragen von Mundschutzmasken (zur Vermeidung des Einatmens der Alpha Partikel) sinnhaft wäre, wurde im Rahmen der Recherche zur Heilstollentherapie nicht erhellt.
Aufgrund der Wissenslücke zur genauen Strahlenwirkung und zu Langzeiteffekten kann eine verantwortungsvolle Empfehlung zur Heilstollentherapie derzeit nicht gegeben werden.