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Blutzucker Selbstmessung bei NIDDM


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10 systematische Übersichtsarbeiten (Faas 1997, Coster 2000, Holmes 2002, Sarol 2005, Welschen 2005, Welschen 2005, Jansen 2006, McGeoch 2007, McAndrew 2007, Towfigh 2008) wurden identifiziert. 1 systematische Übersichtsarbeit (Holmes 2002) wurde exkludiert. In einem Literatur update nach der in der systematischen Übersichtsarbeit von Towfigh durchführten Literatursuche wird eine randomisierte klinische Studie1 und eine Querschnittsstudie2 entsprechend der Inklusions- und Exklusionskriterien eingeschlossen.
Sowohl randomisierte klinische Studien und Beobachtungsstudien als auch systematische Übersichtsarbeiten berichten widersprüchliche Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit der Selbstmessung des Blutzuckers auf HbA1C bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus. In der systematischen Übersichtsarbeit von Welschen3 wurden 5 randomisierte klinische Studien metaanalytisch zusammengefasst und es fand sich eine statistisch signifikante Reduktion von 0,39% des glykierten Hämoglobins in der Gruppe mit SMBG. In der 2008 publizierten systematischen Übersichtsarbeit von Towfigh fand sich eine statistisch signifikante Erniedrigung des HbA1C nach 6 Monaten SMBG (Interventionsgruppe) von 0,21%, allerdings war der Effekt von – 0,26% nach 12 Monaten nicht mehr statisch signifikant.
Von fünf in den systematischen Übersichtsarbeitsarbeiten inkludierten randomisierten klinischen Studien und einer randomisierten klinischen Studie, die nach der letzten Übersichtsarbeit 2008 publiziert wurde, mit der Endpunktmessung HbA1C nach zumindest 12 Monaten, findet sich nur in 2 Studien ein statistisch signifikanter Effekt auf das glykierte Hämoglobin. In einer großen Anzahl der randomisierten Studien erfolgte neben der Selbstmessung auch ein Schulungsprogramm, mit der Schwierigkeit die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahme zu trennen.
In einer Meta Analyse4 über den Effekt von Diabetes Schulungsprogrammen konnte ein Effekt von Trainingsprogrammen auf das glykierte Hämoglobin einige Monate nach der Intervention nachgewiesen werden.
Limitierend hinsichtlich der Aussagekraft der RCTs ist deren unterschiedliche Qualität und die Heterogenität der Studien, betreffend die untersuchten Populationen und Studiendauer, aber vor allem die unterschiedlichen Interventionen zusätzlich zur Selbstmessung, die unterschiedlichen Empfehlungen zur Frequenz der Selbstmessung, die unterschiedlichen Algorithmen zur Anpassung der Medikation oder des Lebensstils und die unterschiedliche Intensität der Schulungsprogramme. Aufgrund der vorliegenden Studien und systematischen Übersichtsarbeiten ist ein Effekt der Selbstmessung auf das glykierte Hämoglobin nicht auszuschließen, aber die Ergebnisse der zuletzt publizierten qualitativ hochwertigen randomisierten Studien von Farmer und O´Kane in Peer Review Journalen und dass vier von sechs RCTs nach 12 Monaten keinen Unterschied zwischen Blutzuckerselbstmessung und keiner SMBG finden, verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Selbstmessung bei NIDDM eine wirksame Intervention darstellt.
Zusammenfassend ist die Evidenz widersprüchlich, dass Selbstmessung des Blutzuckers von PatientInnen mit nicht insulinpflichtigem Diabetes mellitus eine Verbesserung des glykierten Hämoglobin bewirkt. Die optimale Frequenz der Selbstmessungen wurde nicht behandelt, da bis dato nicht erwiesen ist, dass die Selbstmessung eine effektive Intervention darstellt. Es besteht limitierte Evidenz, dass Selbstmessung des Blutzuckers die Erkennungsfrequenz von hypoglykämischen Episoden, die entweder asymptomatisch oder mit geringen Symptomen einhergehen, erhöht. Der Effekt der Blutzuckerselbstmessung hinsichtlich Sekundärfolgen von NIDDM ist nicht untersucht.