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Sauerstofftherapie bei Clusterkopfschmerz


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Die Prävalenz von Clusterkopfschmerz wird auf ca. 0,5 – 4/1000 geschätzt. In den Leitlinien der European Federation of Neurological Societies (EFNS) wird die Prävalenz mit 0.9% angegeben. Männer sind deutlich öfter als Frauen betroffen. In allen recherchierten Leitlinien zum Clusterkopfschmerz wird in der Therapie der Einzelattacke die Inhalation normobaren reinen Sauerstoffs empfohlen. Die Empfehlung in den Leitlinien basierte auf klinischer Erfahrung und einer kleinen randomisierten Studie, in der normobarer Sauerstoff gegenüber Plazebo effektiv war in der Behandlung von Clusterkopfschmerzattacken, allerdings mit einem sehr weitem Konfidenzintervall und daher mit einer großen Unsicherheit behaftet. In einer kürzlich publizierten randomisierten, plazebokontrollierten Crossoverstudie mit 76 Probanden konnte eine statistisch signifikante Wirkung von 100% Sauerstoffinhalation bei Clusterkopfschmerz nachgewiesen werden. Eine hyperbare Sauerstofftherapie wird aufgrund statistisch nicht signifikanter Wirkung in der Behandlung des Clusterkopfschmerzes nicht empfohlen. Der Nutzen einer normobaren Sauerstofftherapie ist in der Akutbehandlung des Clusterkopfschmerzes nachgewiesen, ein Nutzen in der präventiven Behandlung besteht nicht. Alternativ zur Akuttherapie wird Sumatriptan subkutan oder nasal (Empfehlung A) bzw. Zolmitriptan nasal empfohlen. Circa 60%-70% aller Clusterkopfschmerzpatienten sprechen auf eine Sauerstofftherapie mit einer signifikanten Schmerzreduktion innerhalb von 15 bis 30 Minuten an. Es wird die Inhalation von 100% Sauerstoff über Gesichtsmaske mit einem Flow von 7-15 l/min über 15-20 min empfohlen. Die Sauerstofftherapie eignet sich besonders für Patienten mit Clusterkopfschmerz, bei denen eine Kontraindikation gegen Triptane vorliegt oder die mehrere Clusterattacken pro Tag haben. Eine relative Kontraindikation gegen eine 100%ige Sauerstofftherapie besteht bei Patienten mit COPD, Vorsicht ist geboten für Patienten, die rauchen. Bei Patienten, deren Attacken sich unter Sauerstoff verlängern und nicht vollkommen verschwinden, sollte die Sauerstofftherapie limitiert werden, da sich sonst die Frequenz der Attacken deutlich erhöhen kann.