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MedAustron


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  • Das medizinische Leistungsspektrum von MedAustron kann am ehesten mit dem Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrum verglichen werden. Das Münchner Rinecker Proton Therapy Center führt ausschließlich Protonenbestrahlung durch (keine Kohlenstoffionentherapie).
  • Sowohl die Indikationen für Hadronentherapie (statt bisheriger konventioneller Bestrahlung) als auch mögliche Substitutionseffekte (Substitution von Chemotherapie, anderer Strahlentherapie oder belastenden Operationen) sind vage und derzeit nicht zu dimensionieren. Laut Expertenbericht von 2003 ist es nicht primäres Ziel von MedAustron, andere Tumortherapien zu ersetzen. Von MedAustron zitierte Protonentherapie- Studien vom Bostoner Zentrum befassen sich mit kombinierten Therapieschemata1. Rezente systematische Übersichtsarbeiten weisen aufgrund der schlechten Studienlage auf eine schwache Evidenz für den Nutzen und die tatsächliche Überlegenheit dieser Therapie hin.
  • Kohlenstoffionentherapie ist derzeit gering erforscht, der Ionengantry von MedAustron soll ausschließlich für die nicht- klinische Forschung verwendet werden9. Die Fragestellung, bei welchen Tumorarten Protonen- oder Kohlenstoffionen-Therapie besser geeignet sind, konnte bis dato noch nicht ausreichend geklärt werden.
  • Weiters fehlt es an Langzeitergebnissen (inkl. Lebensqualität) und Kosteneffektivitätsstudien (inkl. Folgekosten) (Hadronentherapie im Vergleich zur üblichen Strahlentherapie).
  • Die Zahl der Behandlungsfälle ist nicht einschätzbar, wenn andere (neu errichtete oder in Planung befindliche) europäische Zentren für WestösterreicherInnen besser erreichbar sind (Deutschland, Italien, Schweiz) und die östlichen Nachbarländer ebenfalls Strahlentherapiezentren planen. Eine Langfristplanung ist daher mit großen Unsicherheiten behaftet.
  • Die Unterbringungsmöglichkeit von ambulanten PatientInnen ist noch ungeklärt, Unterkünfte in relativer Krankenhausnähe (kurze Fahrzeit) sind erwünscht, ansonsten wäre ein Anstieg der stationären Versorgung zu befürchten.
  • Zur Bestimmung von Wirksamkeit und Sicherheit besteht Bedarf an prospektiven randomisierten Vergleichsstudien (z. B. konventionelle Strahlentherapie/ Brachytherapie/ IMRT versus Hadronentherapie/ Kombinationstherapie von Photonen + Kohlenstoffionen/ Chirurgie + Hadronentherapie etc.), damit keine PatientInnengruppe unbehandelt bleibt (wie bei placebokontrollierten Studien) und dennoch nach der optimalen Strahlentherapieform und –dosis bei verschiedenen Karzinomen geforscht werden kann.