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Stationäre Erstversorgung von PatientInnen mit Myokardinfarkt bzw. Schlaganfall 2009


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ABSTRACT

Stationäre Versorgungsforschung stellt anhand von administrativen Daten die Versorgungssituation des stationären Sektors dar. Das Augenmerk liegt auf der Erreichbarkeit von Spitälern und auf der regionalen Variabilität von Behandlungen.
Dieser Bericht stellt die Erstversorgung von PatientInnen mit Myokardinfarkten und Schlaganfällen in Österreich 2009 dar. Er ist der zweite Teil einer Berichtsreihe, der erste Bericht stellt die durchschnittlichen Einzugsdistanzen aller Erkrankungen dar, der dritte Bericht wird die Versorgung von bestimmten geplanten Eingriffen analysieren.
Die Wahl dieser beiden zeitkritischen Diagnosen führte auf Grund der Anonymisierung der Daten zu großen Herausforderungen, die in einem Methodenbericht ausgeführt sind.

Folgende Ergebnisse werden im Bericht näher ausgeführt:

  1. In Österreich gab es 2009 in etwa 13 Tausend Erstaufnahmen mit Herzinfarkt bzw. 19 Tausend Aufnahmen mit Schlaganfall in landesfondsfinanzierten Krankenanstalten (gezählt werden Hauptdiagnosen, Transfers von anderen Krankenanstalten werden ausgeschlossen – soweit in den Daten kodiert).
  2. Die Einzugsdistanzen zur stationären Versorgung von Herzinfarkten bzw. Schlaganfällen sind etwas kürzer als die Distanzen, die im Schnitt für alle Aufenthalte gemessen wurden, aber der Unterschied ist sehr gering. Auch im ländlichen Österreich sind nur 25 % der PatientInnen (Myokardinfarkt und Schlaganfall) weiter als ca. 35 km von der erstversorgenden Krankenanstalt und nur 5 % weiter als 80 km entfernt. Im Schnitt beträgt die Distanz 14 km. Zu bedenken ist, dass ein Infarkt nicht immer am Wohnort auftritt, daher sind diese Angaben mit Vorsicht zu genießen – vor allem im Bezug auf die letzten 5%, die sehr weit entfernt stationär erstversorgt werden.
  3. Krankenanstalten, die Behandlungen auf Stroke-Units durchführen, haben einen größeren Einzugsradius (+ 1,2 km Median) und behandeln doppelt so viele Aufenthalte bei der Erstversorgung von SchlaganfallpatientInnen als Krankenanstalten ohne diese Versorgungsstruktur.
  4. Die Hypothese, dass Personen mit großer Distanz zwischen Wohnort und stationärer Behandlung, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu versterben, als jene, die weniger Kilometer ins Spital zurücklegen müssen, konnte für den österreichischen Kontext verworfen werden. Dies kann einerseits daran liegen, dass die Distanzen zwischen Wohnort und Spitälern für den überwiegenden Anteil der Bevölkerung relativ kurz sind (unter 40 km). Andererseits wurde lediglich die Distanz zwischen dem Wohnort und der erstversorgenden Krankenanstalt geprüft – für die medizinischen Ergebnisse ist mitunter jedoch die Einlieferung in die richtige Versorgungsstruktur und das Funktionieren der Rettungskette auschlaggebend. Diese Prozesse können mit den für dieses Projekt verwendeten Daten nicht überprüft werden.
  5. Es gibt Regionen in denen mehr Herzinfarkte bzw. Schlaganfälle auftreten und welche in denen diese Diagnose seltener gestellt werden muss. Für diese regionale Variabilität konnten mit den verfügbaren Abrechnungsdaten keine hinreichenden Erklärungen gefunden werden (es wurden das Alter, der Anteil der Männer und die Langzeitarbeitslosigkeit geprüft).