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Allianz für ein gesünderes Österreich fordert Steuerbonus für Freizeitsportler

Wirtschaftskammer Wien (WKW), Ärztekammer Wien (ÄKW) und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) präsentieren Vorschläge für ein sportlicheres Österreich – Ziel: Steigerung der Gesundheit, Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten, Entlastung des Gesundheitssystems


Das österreichische Gesundheitssystem sorgt aktuell für einige Kontroversen. Die Debatte rund um die Sozialversicherungen überlagert dabei viele wichtige Themen. Grund genug für Wirtschaftskammer Wien, Ärztekammer Wien und Hauptverband der Sozialversicherungsträger sich zu einer Allianz für ein gesünderes Österreich zusammenzuschließen. Ziel der Allianz ist, die Gesundheit der Menschen wieder in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und der Politik zu rücken. Im Rahmen einer Presskonferenz präsentierte heute die Allianz ein Maßnahmenpaket zur Steigerung der Gesundheit, Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten und damit Entlastung des Gesundheitssystems.


Fotocredit: WKW/Wieser

Von links: Alexander Biach (Vorstandsvorsitzender im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger), Thomas Szekeres (Päsident der Österreichischen Ärztekammer, John Harris Fitness-Testimonial, Walter Ruck (Präsident der Wirtschaftskammer Wien), Markus Grießler (Obmann der Wiener Tourismus- und Freizeitwirtschaft).

Fotocredit: WKW/Wieser


 Steuerbonus für Freizeitsportler

Eine zentrale Forderung ist die steuerliche Absetzbarkeit von Mitgliedsbeiträgen für Sportvereine oder gewerbliche Sporteinrichtungen wie beispielsweise Fitnesscenter oder Tennisclubs. „Ein kleiner steuerlicher Anreiz kann große Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in diesem Land haben. Investieren wir heute in die Fitness der Bevölkerung, dann gibt es morgen weniger Kranke“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien. Mit dem Steuerbonus sollen mehr Menschen in Österreich zu regelmäßigem Sport gebracht werden. Das Modell sieht vor, dass max. 600 Euro pro Kalenderjahr im Rahmen des Steuerausgleichs geltend gemacht werden können. Dabei müssen mindestens 6 Monate Mitgliedschaft nachweisbar sein. Das bedeutet für einen durchschnittlichen österreichischen Steuerzahler (2160 Euro brutto Lohn/Gehalt) etwa 210 Euro Steuergutschrift. Insgesamt würde das Modell die Finanz rund 150 Mio. Euro kosten. Der Steuerbonus rechnet sich mittel- und langfristig, weil das Gesundheitssystem durch mehr Freizeitsportler und weniger kranke Menschen deutlich entlastet würde.

 

Die Wiener würden jedenfalls den Steuerbonus begrüßen, wie eine aktuelle MAKAM-Umfrage zeigt. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) sind der Meinung, dass Mitgliedsbeiträge für Sportvereine oder z.B. Fitnessstudios steuerlich absetzbar sein sollten. 44 Prozent der Wiener würden den Steuerbonus zum Anlass nehmen und mit Sport im Fitnessclub oder Sportverein beginnen! „Wenn es gelingt diese Menschen für regelmäßige Bewegung zu begeistern, wäre das eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die Menschen, weil sie gesünder leben. Die Freizeitwirtschaft und Sportvereine gewinnen neue Mitglieder. Die Arbeitgeberbetriebe, weil sie fitte und ausgeglichene Mitarbeiter haben. Und das Gesundheitssystem, weil weniger Menschen krank sind“, sagt Ruck.


Jeder Schritt zählt – schon bei Kindern

Auf die Bedeutung jeglicher Anreize, die Österreicherinnen und Österreicher zu mehr Sport zu bewegen, wies Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres hin, der den möglichen Steuervorteil bei der Ausübung sportlicher Aktivitäten als „präventivmedizinisch wichtig und damit ein Signal in die richtige Richtung“ bewertet. Bewegung, Ernährung und Körperhaltung seien wichtige Komponenten der Gesundheit – insbesondere bei Kindern. Sie müssten als „untrennbare Einheit“ gesehen werden. In diesem Sinne plädiert Szekeres dafür, steuerliche Abschreibmöglichkeiten auch für Eltern zu ermöglichen, deren Kinder in Sportvereine gehen. Weiters fordert er eine tägliche Turnstunde in Schulen, denn gerade im Kindes- und Jugendalter sei es besonders wichtig, möglichen Haltungsschäden oder Übergewicht effizient vorzubeugen.

 

Wissenschaftliche Studien bestätigen die herausragende Bedeutung eines regelmäßigen Bewegungstrainings. Szekeres: „Seit Jahren engagieren wir uns daher im Bereich Prävention und Vorsorge und versuchen auch, mittels Informationsoffensiven zum Thema Ernährung und Bewegung den Vorsorgegedanken in der Bevölkerung zu festigen.“

 

Durch effektive Präventionsarbeit könnten die Kosten der Behandlung von Krankheiten, deren Ursache in mangelnder körperlicher Aktivität zu suchen sind, nachhaltig gesenkt werden. Ein gesünderer Lebensstil reduziere durch Einsparungen bei den Krankenhausaufenthalten das Gesundheitsbudget, und auch anfallende Kosten durch Pflegebedürftigkeit, Frühpensionen und Verdienstverluste infolge von Krankenstandstagen könnten drastisch gesenkt werden.

 

Sein Appell an die Bevölkerung: „Legen Sie durch Freude am Sport die Basis für eine positive Lebensveränderung. Wer sich regelmäßig bewegt und aktiv Sport betreibt, weiß aus eigener Erfahrung: Jeder Schritt zählt – für mehr Lebensfreude und Gesundheit.“

 

Umfrage bestätigt sportlichen Handlungsbedarf

Auf ihr Freizeitverhalten angesprochen, gab die Wiener Bevölkerung im zuletzt 2014 erhobenen Freizeitmonitor (Studie vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung) an, dass nur 30 Prozent regelmäßig zumindest einmal pro Woche Sport treiben. Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Wiener sind Fernsehen (86 Prozent), Radio hören (77 Prozent) und Telefonieren (70 Prozent). Dass es die Wiener aber besser wissen, zeigt die aktuelle MAKAM-Umfrage. 89 Prozent der Bevölkerung sind generell der Meinung, dass sportlich aktive Menschen gesünder leben. Für Markus Grießler, den Obmann der Wiener Tourismus- und Freizeitwirtschaft, ist jedenfalls klar, dass es noch Luft nach oben gibt. Der Fitnessboom sei ungebrochen, allerdings hinkt Österreich dem internationalen Trend hinterher. 8,6 Prozent der Österreicher sind in einem Fitnessstudio eingeschrieben, in Deutschland sind es 12,3 Prozent, in Großbritannien sogar 14,1 Prozent. Dabei gibt es etwa 1.045 Fitness-Studios in Österreich, rund die Hälfte davon allein in Wien und Niederösterreich. „Jeder Anreiz, der mehr Menschen zum Sport bringt, ist gut. Sehr gut wäre es, wenn jeder Österreicher regelmäßig Bewegung treiben würde. Am besten macht man das bei den Profis, bei ausgebildeten Trainern. Wenn der Steuerbonus umgesetzt wird, wäre das ein revolutionärer Schritt für ein sportlicheres Österreich“, sagt Grießler.

 

Entlastung für das Gesundheitssystem

Alexander Biach, Vorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, skizziert die Strategie für das heimische Gesundheitswesen: „Wollen wir das Gesundheitssystem entlasten, müssen wir dort ansetzen, wo die meisten Kosten entstehen – bei der Behandlung von Zivilisationskrankheiten. Aber nicht durch Leistungskürzungen und Verschlechterungen bei den Patienten, sondern dadurch, dass wir die Zahl der Patienten mit Zivilisationskrankreiten in Österreich deutlich verringern. Der richtige Weg dorthin führt über mehr Bewegung und Sport sowie gesunde Ernährung.“

 

Wohin die Reise gehen soll, zeigen Länder wie Schweden auf. Dort sind 70 Prozent der Menschen im Alter von 7 bis 70 Jahren sportlich aktiv. Die Hälfte aller Schweden ist Mitglied in einem Sportbetrieb oder –verein. Die Bundessportorganisation hat in einer Studie die Kosten körperlicher Inaktivität und den Nutzen körperlicher Aktivität erhoben. So verursacht körperliche Inaktivität pro Jahr bis zu 2,4 Mrd. Euro Kosten im Gesundheitsbudget. Während das Gesundheitsbudget durch die regelmäßige körperliche Bewegung der Österreicher um rund 500 Mio. Euro weniger belastet wird. In dieser Rechnung sind auch schon die Kosten für Sportverletzungen abgezogen. „Mehr Sport in Österreich, heißt gleichzeitig Entlastung für das Budget. Ein Steuerbonus für Freizeitsportler ist ein starkes Signal für ein fitteres Österreich“, sagt Biach.

 

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall-und Pensionsversicherung Österreichs. Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,5 Millionen Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte Angehörige).

 

 

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Wien

Christian Wenzl

01 51450 1561

christian.wenzl@wkw.at

 

Ärztekammer Wien

Hans-Peter Petutschnig

01 51501 1223

0664/1014222
hpp@aekwien.at


Hauptverband

Dieter Holzweber

01 71132 1120

presse@sozialversicherung.at