DRUCKEN

Bericht: Pränatales zytogenetisches Screening – Update

Ferngucker

linkDownload (452.8 KB)


Methodik

Es wurde eine Suche nach Leitlinien und Konsensus Statements zum pränatalen zytogenetischen Screening durchgeführt. Weiters wurden die Websites der entsprechenden wissenschaftlichen Gesellschaften besucht, sowie auf der Website der Geneva Foundation for Medical Education and Research Leitlinien zu Pränatalem Screening recherchiert.

 

Ergebnisse

Es wurden 13 Leitlinien bzw. Konsensus Statements gefunden, sowie zusätzlich 3 Leitlinien, die Empfehlungen und Voraussetzungen für eine Kostenübernahme des Pränatalscreening inklusive des zellfreien fetalen DNA Tests durch das öffentlich finanzierte Gesundheitssystem beinhalten.

Pränatalscreening wird in diesem Bericht als (nicht-invasive) pränatale Testung in Abgrenzung zur pränatalen Diagnostik verstanden.

In British Columbia, im United Kingdom und der Schweiz werden zwar unterschiedliche Risikowerte als Voraussetzung für die Durchführung des zellfreien DNA Tests angegeben, gemeinsam ist, dass konventionelle Screeningmethoden (Ultraschall Marker/ Alter der Mutter/ biochemische Laborwerte aus dem mütterlichen Serum) als erste Screeningmethode vor einer cfDNA Testung für den Fall einer Kostenübernahme durch das öffentlich finanzierte Gesundheitssystem obligatorisch sind.

Als Voraussetzung zur Durchführung des NIPT nach dem Ersttrimester Screening gilt für die Schweiz ein Risikoscore für Trisomie 21, 18 oder 13 von ≥1:1000, für das United Kingdom von ≥1:150 und für British Columbia (Kanada) ein Risikoscore für Trisomie 21 von 1:300.

Die International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology, das American College of Obstetricians and Gynecologists’ Committee on Genetics, die Society for Maternal–Fetal Medicine, die Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada, die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Österreichische Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, die Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin und die Österreichische Gesellschaft für Humangenetik, die German Society of Ultrasound in Medicine, die Fetal Medicine Foundation Germany und die Swiss Society of Ultrasound in Medicine empfehlen, dass cfDNA-Tests nur nach bzw. in Verbindung mit einem qualifizierten Ultraschall bzw. auf Basis einer individuellen Risikokalkulation und nach entsprechender Aufklärung über Wesen, Tragweite und Aussagekraft des Tests angeboten werden sollten.

Die Empfehlungen in den Leitlinien beinhalten folgendes abgestuftes Vorgehen: Nach einem konventionellen Screening (Ultraschall, mütterliches Alter, biochemische Laborwerte) kann entsprechend dem individuellen Risiko entweder kein weiterer Screeningtest erforderlich sein, oder ein cfDNA Screening Test oder eine invasive Diagnostik folgen. Ein paralleles oder simultanes Testen mit mehreren Screening Methoden wird nicht empfohlen.

Der cfDNA Test ist eine Screeningmethode mit falsch positiven und falsch negativen Resultaten und stellt keinen Ersatz für invasive Diagnostik dar. Nach einem abnormalen (positiven) cfDNA Screening Testergebnis ist eine invasive Diagnostik (CVS oder Amniozentese) incl. einer genetischen Beratung erforderlich.

cfDNA-Tests könnten theoretisch als primäres Screening Verfahren für fetale Trisomien bei schwangeren Frauen jeden Alters und jeder Risikogruppe nach der 10. Gestationswoche eingesetzt werden, da sie die sensitiviste Aneuploidie Screening Option für das Down, Patau und Edwards Syndrom darstellen. Allerdings wurde das cfDNA Screening nicht eingehend in einer low-risk Population untersucht, in der der positive Vorhersagewert niedriger ist als in einer high-risk Population.

Der cfDNA Screening Test wird nicht empfohlen für Screening auf Mikrodeletionssyndrome, Aneuploidien der Geschlechtschromosomen, bei Mehrlingsschwangerschaften sowie bei signifikantem Übergewicht der Mutter.

 

Schlussfolgerung

Als primäre Screeningmethode wird mehrheitlich ein konventionelles Screening mit Ultraschall und/oder biochemischen Laborwerten aus dem mütterlichen Serum empfohlen.

Widersprüchlich dazu wird in Leitlinien festgestellt, dass cfDNA-Tests auch als primäres Screening Verfahren für eine fetale Trisomie 21 bei schwangeren Frauen jeden Alters und jeder Risikogruppe eingesetzt werden können.

Der cfDNA Test kann als sekundäre Screeningmethode für Trisomien zur Reduktion von invasiver Diagnostik nach auffälligem bzw. intermediärem Combined Test sinnvoll sein. Ein auffälliges cfDNA-Testergebnis ist immer durch eine invasive Diagnostik (Chorionzottenbiopsie, Amniozentese) zu bestätigen, bevor aus dem Befund eine klinische Konsequenz gezogen wird.

Die Empfehlungen der Länder, die die Kosten des  Pränatalscreenings inklusive des zellfreien fetalen DNA Tests durch das öffentliche Gesundheitssystem übernehmen, könnten als Grundlage dienen, Voraussetzungen und Kriterien bzw. Risikoscores für die Durchführung eines cfDNA Screening Tests nach dem konventionellen Screening als Leistung der Sozialversicherung in Österreich zu definieren.