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Fragebogenentwicklung zur Erhebung der Qualitätsindikatoren aus dem Master-Evaluationskatalog für österreichische Primärversorgungseinrichtungen


(Teil B): Psychometrische Analyse des Patientenfragebogens


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Hintergrund des Projektes: Primärversorgungseinrichtungen sollen die hausärztliche und multiprofessionelle Versorgung in Österreich stärken und sich deshalb an bestimmten Qualitätsanforderungen orientieren.

In einem vorangegangenen Projekt wurde ein Master-Evaluationskatalog für Primary-Health Care-Einrichtungen am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der Medizinischen Universität Graz erstellt. Um einen Teil der in dem Master-Evaluationskatalog angeführten Qualitätsindikatoren zu erheben, wurde neben einem Team- und Kooperationspartnerfragebogen ein Patientenfragebogen entwickelt. Diese Fragebögen wurden speziell für die Erhebung von Qualitätsindikatoren für österreichische Primärversorgungseinrichtungen entwickelt.

 

Ziel des Projektes: Das Ziel des Projektes war die Testung des Patientenfragebogens (psychometrische Analyse inkl. Testung der Test-Retest-Reliabilität) und die Entwicklung eines standardisierten Auswertungsschemas, um die Güte (Qualität) des Patientenfragebogens zu überprüfen, bevor er zukünftig als Instrument zur Erhebung von Qualitätsindikatoren eingesetzt werden kann.

 

Methode: Es wurden 227 Patienten in 12 Hausarztpraxen innerhalb der Steiermark rekrutiert. Die Patienten wurden gebeten, den Fragebogen innerhalb von einer Woche zwei Mal auszufüllen. Den Patienten wurde der erste Fragebogen direkt in der Hausarztpraxis vorgelegt, der zweite Fragebogen wurde ihnen inkl. Kuvert mitgegeben. Dieser sollte nach einer Woche ausgefüllt werden. Es bestand die Möglichkeit, an das Ausfüllen des Fragebogens mittels Anruf oder SMS von einem Mitarbeiter des Instituts erinnert zu werden. In die Analyse der Faktorenstruktur konnten 227 Patienten (=Anzahl der Patienten, die mindestens einen Fragebogen ausgefüllt haben) und in die Analyse der Test-Retest-Reliabilität konnten 129 Patienten, die den Fragebogen zwei Mal ausgefüllt haben, aufgenommen werden. Mittels Statistiksoftware SPSS erfolgte die Dateneingabe und deskriptive Auswertung. Mittels Statistiksoftware R erfolgte die psychometrische Analyse. Dabei wurde die Faktorenstruktur erhoben. Diese zeigt, welche übergeordneten Faktoren der Fragebogen umfasst und welche Indikatoren welchem Faktor zugeordnet werden können. Im letzten Schritt wurde die Zuverlässigkeit (Test-Retest-Reliabilität) der Qualitätsindikatoren und Faktoren des Fragebogens getestet.

 

Ergebnisse: Die psychometrische Analyse unter Verwendung eines Rasch-Modells zeigt, dass der  Patientenfragebogen vier Faktoren umfasst:

  • Faktor 1: Arzt-Patienten-Gespräch
  • Faktor 2: Unterstützung zum Selbstmanagement
  • Faktor 3: Patientenzufriedenheit
  • Faktor 4: Behandlungszugang

Die der Entwicklung des Fragebogens zugrundeliegenden Indikatoren werden größtenteils sehr gut abgebildet. Lediglich zwei Indikatoren (Wartezeit – nicht-akuter Behandlungstermin; Wartezeit - akuter Behandlungstermin) konnten keinem Faktor eindeutig zugeordnet werden. Da diese beiden Indikatoren aber nur aus jeweils einem Item gebildet werden, beeinflusst dies die Indikatorbildung nicht. Des Weiteren gab es je ein Item in zwei Indikatoren, das nicht dem gleichen Faktor zugeordnet werden konnte, wie die restlichen Items des gleichen Indikators. Diese beiden Items werden bei der Indikatorenbildung nicht berücksichtigt. Aufgrund der wenigen Items, die zur Bildung eines Indikators herangezogen werden, weisen einige Indikatoren und Faktoren nur eine mäßige bis eingeschränkte Reliabilität auf.

 

Fazit: Mit dem vorliegenden Fragebogen liegt erstmals ein Patientenfragebogen vor, mit dem Qualitätsindikatoren, die sich speziell auf österreichische Primärversorgungseinrichtungen beziehen, erhoben werden können.

Durch die psychometrische Analyse und die Entwicklung eines Auswertungsschemas kann mittels Patientenfragebogen eine standardisierte Erhebung der Qualitätsindikatoren in Primärversorgungseinrichtungen erfolgen. Aufgrund der Kürze des Fragebogens ist die Reliabilität teilweise eingeschränkt. Die Indikatoren aus dem Master-Evaluationskatalog werden größtenteils sehr gut abgebildet.

Der Fragebogen kann in der Routine im Rahmen einer Evaluation oder eines Monitorings als Diskussionsgrundlage eingesetzt werden. Es ist jedoch nicht empfehlenswert, die mit dem Fragebogen erhobenen Qualitätsindikatoren und Faktoren als Basis für folgenreiche Entscheidungen heranzuziehen (z.B. Pay-for-Performance-Honorierungsmodell für eine Primärversorgungseinrichtung auf Basis der Zielerreichung der Qualitätsindikatoren).

Möchte man die Reliabilität des Fragebogens noch weiter steigern, so müssten weitere Items und eine weitere psychometrische Analyse erfolgen. Dies könnte auch gezielt für spezielle Faktoren/Indikatoren erfolgen.