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Osteoporose: Österreich an dritter Stelle bei Oberschenkelhalsbrüchen

© Pharmig/APA-Fotoservice/Tanzer

26. September 2017


Mit jährlich 16.000 Oberschenkelhalsbrüchen bei Personen über 50 liegt Österreich mit Dänemark und Schweden weltweit im Spitzenfeld. Ursache ist eine hohe Osteoporose-Rate. Um die Versorgung der Betroffenen weiter zu verbessern, haben namhafte Experten im Rahmen der Initiative Arznei & Vernunft (A&V) die Leitlinien für Ärzte und Apotheker sowie Patienteninformationen zu dieser noch immer unterschätzten Erkrankung komplett neu überarbeitet. Sie ist, gemeinsam mit einer neuen Patientenbroschüre, auf www.arzneiundvernunft.at abrufbar. Die Patientenbroschüre wird zudem in Arztpraxen und Apotheken verteilt. 


Niedrigtraumatische Oberschenkelhalsbrüche, ausgelöst durch geringe Belastungen, sind ein Parameter für die Häufigkeit von Osteoporose. Ein anderer ist eine geringe Knochenmineraldichte. Darunter leiden Experten zufolge rund 370.000 Frauen und ca. 90.000 Männer. Insgesamt gehe man für Österreich von zumindest einer halben Million Osteoporose-Betroffener aus. 

„Wir wissen heute aber auch, dass viele moderne ,Volkskrankheiten‘ die Mikroarchitektur des Knochens schädigen können“, sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), a.o. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres. In der Früherkennung sollte man daher den Fokus nicht nur auf klassische Risikofaktoren wie Alter (über fünfzig) und Geschlecht (weiblich) richten. Denn auch Diabetes mellitus, COPD, chronisch-entzündliche Erkrankungen oder auch Essstörungen könnten zu einer sekundären Osteoporose führen, und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht. „Mit den Leitlinien der Initiative Arznei & Vernunft und den begleitenden Fortbildungsangeboten wollen wir solche neuen Erkenntnisse rasch in die Ordinationen und Spitäler bringen, damit die Patienten umgehend vom medizinischen Fortschritt profitieren“, so der ÖÄK-Präsident. 


Medikamente und Vorbeugung 

Die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, wies darauf hin, dass es gerade bei Osteoporose-Medikamenten auf eine akkurate Einnahme ankomme.

„In der Apotheke zeigt sich im Umgang mit Osteoporose-Betroffenen, dass speziell die Einnahme der Medikamente inklusive Kalzium und Vitamin D genau erklärt werden muss, damit die Therapie richtig wirkt. Mit unserer strukturierten Beratung und der neuen Patientenbroschüre, die in allen 1.400 Apotheken verteilt wird, leisten wir einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis dieser unterschätzten Krankheit und zu einer Verbesserung des Therapieerfolges. Durch den niederschwelligen Zugang können wir Apothekerinnen und Apotheker bei Risikopatienten Osteoporose frühzeitig thematisieren, um diese Patienten rechtzeitig zu medizinischer Diagnose und Therapie zu führen“, so die Apothekerkammer-Präsidentin.   

Wie wichtig es ist, auch schon im Kindes- und Jugendalter auf gesunde, starke Knochen zu achten, sodass Osteoporose erst gar nicht auftritt, darauf verwies der Verbandsvorsitzende des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, Mag. Dr. Alexander Biach: „Bis etwa zum 30. Lebensjahr bauen wir Knochenmasse auf. Während dieser Zeit können durch ausgewogene Ernährung und regelmäßiges körperliches Training die Knochen gestärkt werden. Bewegungsmangel, Untergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum erhöhen auch im Erwachsenenalter das Risiko für Osteoporose. Hier kann jeder selbst seinen Lebensstil beeinflussen. Die Präventionsprogramme der Sozialversicherung unterstützen dabei von Kindesalter an bis ins Erwachsenenalter. Das Angebot kann sich wirklich sehen lassen: von Richtig essen von Anfang an, Bewegte Schule über Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz, Bewegt im Park bis hin zu Suchtprävention Alkohol und der Tabakprävention – um die wichtigsten zu nennen. Zusätzlich zur Prävention stehen in Österreich betroffenen Patienten 'state of the art'-Diagnostik und Therapie der Osteoporose zur Verfügung. Die neue Leitlinie soll dazu beitragen, diese Qualität noch weiter zu verbessern.“ 

Über die Bedeutung der medikamentösen Therapie sprach der Präsident des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs, Pharmig, Mag. Martin Munte: "Osteoporose zu behandeln, bedeutet, sie über eine lange Zeit zu therapieren. Dies gilt auch für die medikamentöse Therapie, die über Jahre hinweg erfolgen muss. Deshalb ist Eigenverantwortung hier so wichtig: Medikamente zielen darauf ab, die Knochen zu stärken. Diese Wirkung ist für Betroffene nicht spürbar. Das muss den Patienten bewusst gemacht werden. Nur wenn das Behandlungsschema auch von den Patienten eingehalten wird, können Medikamente ihre volle Leistung entfalten. Mit der Patientenbroschüre tragen wir ein Stück weit zu dieser Aufklärung bei.“  

Der Leiter der Expertengruppe Arznei & Vernunft, Univ.-Prof. Dr. Ernst Singer erklärte: „Die letzte Ausgabe der Osteoporose-Leitlinie liegt mehr als ein halbes Jahrzehnt zurück – angesichts der rasanten Entwicklung medizinischen Wissens eine lange Zeit.“ Gerade die Osteoporose-Forschung habe in den vergangenen Jahren maßgebliche Fortschritte gemacht, nicht nur bei der Epidemiologie, sondern auch bei den Therapiemöglichkeiten. „Die aktuellen Empfehlungen fußen auf evidenzbasierten Erkenntnissen und wurden von namhaften Fachexperten erarbeitet. Über die auch für mobile Endgeräte optimierte Website www.arzneiundvernunft.at können Ärztinnen und Ärzte die Leitlinien abrufen und selbst entscheiden, wie sehr sie ins wissenschaftliche Detail gehen wollen.“ Zusätzlich gebe es am 11. Oktober einen A&V-Fachworkshop zur neuen Leitlinie Osteoporose in Wien.   


Über „Arznei und Vernunft“

Die Initiative „Arznei & Vernunft“ ist ein gemeinsames Projekt von: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Pharmig, Österreichischer Ärztekammer und Österreichischer Apothekerkammer. Ziel der Initiative ist ein vernünftiger Umgang mit Arzneimitteln. Alles über die Initiative unter www.arzneiundvernunft.at.


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