DRUCKEN

Pränatale Testung – ein gesundheitsökonomisches Modell


linkDownload (651.4 KB)


Hintergrund

Das allgemeine Risiko, dass ein Fetus eine Aneuploidie aufweist, wird mit etwa 1:1000 beziffert. Als “Hochrisiko” (z.B. Alter ≥35, vorangegangene Schwangerschaft mit Anomalien, bekannte familiäre Häufung oder erbliche Belastung der Eltern) wird eine Wahrscheinlichkeit von 1:300 angegeben.

In Österreich werden zur frühzeitigen Erkennung von Aneuploidien verschiedene pränatale Testverfahren, unter anderem der Combined Test und der nicht-invasive zellfreie DNA-Test (NIPT), für Schwangere angeboten. Die pränatalen Tests haben das Ziel der Vermeidung von invasiven Untersuchungen wie Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie. Durch Vorselektion der negativen Fälle sollen Komplikationen durch invasive Untersuchungen (z.B. Fehlgeburten) verringert werden.

 

Ziel

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welcher pränatale Screeningtest das beste Nutzen-Schadens-Verhältnis zu welchen Kosten hat. Basierend auf einer Übersichtsarbeit zu pränataler Testung (Wilbacher 2017) werden die Effektivität und die Kosten von Combined Test und NIPT anhand von konkreten Zahlen für Österreich verglichen. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, durch welchen Screeningtest die meisten invasiven Eingriffe in der Pränataldiagnostik -und dadurch die Zahl der iatrogenen Aborte- verringert werden können und wie sich die Kosten dazu verhalten.

 

Methodik

Es wurde ein entscheidungsanalytisches Modell erstellt und drei unterschiedliche Screening-Strategien zur Erkennung von Aneuploidien miteinander verglichen: (1) die aktuelle klinische Praxis mittels Combined Test, (2) der NIPT als nachgeschaltete Ergänzung zum Combined Test und (3) der NIPT als primäre Screening-Strategie. Die Endpunkte des Modells sind „Fehlgeburt“ oder „keine Fehlgeburt“ und als Effekt wurde die „Anzahl der gescreenten Schwangeren“ ohne Fehlgeburt definiert.

 

Ergebnisse

Strategie 1 ist die preiswerteste Option, erzielt aber auch den geringsten Effekt, während Strategie 2 den höchsten Effekt aufweist. Die beiden Alternativstrategien weisen höhere Kosten als die aktuelle Praxis auf, wobei Strategie 3 die teuerste der drei Strategien ist. Hinsichtlich der Kosten und des Effekts wird Strategie 3 von Strategie 2 dominiert und somit in der Kosten-Effektivitätsanalyse nicht weiter berücksichtigt. Beim Vergleich der ersten mit der zweiten Strategie ergibt sich ein ICER (incremental cost-effectiveness ratio) von 38.803 Euro pro vermiedener Fehlgeburt.

 

Strategie 3 erkennt fast doppelt so viele richtig-positive Ergebnisse wie Strategie 1, während Strategie 2 mit nur 4 von rund 88 tatsächlich erkannten Fällen in diesem Bereich das schlechteste Ergebnis bietet. Dennoch werden in dieser Strategie über 99% als richtig-negativ identifiziert.

 

Bezüglich der falsch-positiven Ergebnisse schneidet die Strategie 2 als beste und die Strategie 1 als schlechteste ab. In Letzterer kommen knapp 3000 Schwangere fälschlicherweise für eine invasive Untersuchung in Frage.

 

Hinsichtlich der Komplikationen aus invasiven Untersuchungen zeigt Strategie 2 die wenigsten invasiven Untersuchungen und damit auch die wenigsten Fehlgeburten: in einem Zeitraum von zwei Jahren wären nur 3 Schwangere von einem Abort betroffen. Zudem liegt der Anteil an Fehlgeburten aus einem falsch-positiven Ergebnis in dieser Strategie bei unter 15%, im Gegensatz zu 98,5% bzw. 43,8% in Strategie 1 bzw. 3.

 

Schlussfolgerungen

Es kann keine klare Empfehlung für eine der Strategien gegeben werden.

Liegt die Betonung auf der Vermeidung von Fehlgeburten ist die Strategie 2 klar überlegen.

Geht es jedoch um die korrekte Identifizierung möglichst vieler Fälle von Aneuploidien, sind Strategie 1 und (bei sehr hohen Kosten) vor allem Strategie 3 effektiver.