DRUCKEN

PatientInnenerwartungen an die fachärztliche Versorgung

Ferngucker

linkDownload (722.3 KB)


Management Summary

 

Für die vorliegende qualitative Studie wurden zwischen November 2016 und Jänner 2017 dreißig episodische Interviews mit in Innsbruck und im Burgenland wohnhaften Personen durchgeführt. Die ausgewählten Personen hatten in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Facharztkontakt.

 

FachärztInnen haben für die Interviewpersonen einen hohen Stellenwert. GynäkologInnen, UrologInnen, InternistInnen und ZahnärztInnen werden regelmäßig aufgesucht. Zu den FachärztInnen, die regelmäßig aufgesucht werden, haben die Befragten eine enge Beziehung. Ein Wechsel dieser FachärztInnen wird nach Möglichkeit vermieden. HNO-ÄrztInnen und OrthopädInnen werden, sofern keine Grunderkrankung vorliegt, meist nur in akuten Fällen aufgesucht. Zu VertreterInnen dieser Fachgruppe ist die persönliche Beziehung weit weniger eng. Ein Wechsel wird in der Regel zwar nicht aktiv angestrebt, falls dieser aber notwendig wird, stellt er für die Interviewten kein Problem dar. Kontaktiert und aufgesucht werden FachärztInnen häufig selbständig und nicht aufgrund einer Überweisung.

In Hinsicht auf ihre Erwartungen an die FachärztInnen unterscheiden sich die Befragten nach Altersgruppenzugehörigkeit. Der jüngsten Altersgruppe (18-34) ist an erster Stelle die Fachkompetenz wichtig; andere Aspekte sind deutlich nachrangig. Der mittleren Altersgruppe (35-64) ist es besonders wichtig, dass die FachärztInnen den PatientInnen viel Aufmerksamkeit entgegenbringen. Die Angehörigen dieser Altersgruppe wünschen sich, dass FachärztInnen auf sie eingehen, ihnen zuhören und von ihnen ernstgenommen werden. Bei den Befragten der ältesten Befragtengruppe (65+) lassen sich ähnliche Erwartungen feststellen. Sie wünschen sich, dass die ÄrztInnen sich für sie Zeit nehmen und Sympathie spielt eine Rolle.

 

Werden die beiden Befragungsorte verglichen, dann zeigt sich, dass in Innsbruck die Ausstattung der Ordinationsräume häufiger als Auswahlkriterium thematisiert wird als im Burgenland. Dies hängt möglicherweise mit den unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten zusammen. Die Befragten geben an, im Burgenland wenige Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen ÄrztInnen einer Fachgruppe zu haben. Sie „passen sich eher an“.

Informiert zu sein ist für die PatientInnen wichtig. Sie wollen für ihre Beschwerden eine Diagnose und nicht nur ein Medikament verschrieben bekommen. Und sie wünschen sich mehr Information zu Wartezeiten für einen Termin und in der Ordination. Mehr Information bzw. Transparenz zu den Wartezeiten, so die Aussagen, würden die Akzeptanz von Wartezeiten erhöhen.

Ein weiterer Aspekt, der den Befragten wichtig ist, ist der Datenschutz. Sie wünschen sich einen sorgsamen Umgang mit ihren Daten. Andere PatientInnen sollten durch entsprechende Sichteinschränkungen daran gehindert werden, Informationen zu erhalten. In dieser Hinsicht werden da und dort Mängel geortet.

Selbst zu tragende Kosten für bestimmte Untersuchungen stellen unter bestimmten Voraussetzungen für die Befragten kein Problem dar. Wenn etwa Kosten aufgrund kosmetischer Überlegungen (z. B. weiße Zahnfüllungen) entstehen, sind diese den Interviewpersonen zufolge gerechtfertigt. Die Interviewten erwarten allerdings, dass Kosten für medizinisch notwendige Untersuchungen von der Krankenkasse übernommen werden.

Soziale Unterschiede zwischen PatientInnengruppen werden von den Befragten kaum kritisiert. Problematisch ist die Situation für die Interviewten dann, wenn diese unmittelbar damit konfrontiert werden. So wird eine zeitliche und räumliche Trennung von Privat- und KassenpatientInnen gewünscht.

Viele der Interviewpersonen sind PatientInnen bei WahlärztInnen, auch wenn sie keine Zusatzversicherung abgeschlossen haben. WahlärztInnen werden wegen kürzerer Wartezeiten und fehlendem Zeitdruck bei der Untersuchung aufgesucht. Die persönliche Beziehung zu WahlärztInnen wird von den Befragten im Vergleich zu VertragsärztInnen als enger beschrieben.