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Hauptverbandsvorsitzende Rabmer-Koller setzt auf neues Leistungs- und Serviceangebot in der Primärversorgung


7. April 2017


Prominent besetzte Podiumsdiskussion im Hauptverband zum Thema „Gesundheit im Wandel – Neue Versorgungsmodelle für die Zukunft“.

 

Ein hochkarätig besetztes Podium diskutierte gestern, Donnerstag, im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, anlässlich des von der WHO ausgerufenen Weltgesundheitstages über „Gesundheit im Wandel - Neue Versorgungsmodelle für die Zukunft“. Ulrike Rabmer-Koller, Vorsitzende im Hauptverband und Gastgeberin der  Abendveranstaltung bat Sektionschef Clemens Auer, die Vizerektorin der MedUni Wien Anita Rieder, den Generaldirektor der NÖGKK Jan Pauzourek, Maria Wendler von Junge Allgemeinmediziner Österreich sowie den Initiator und Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Enns, Wolfgang Hockl, zur Diskussion.

In ihrem einleitenden Statement hielt Rabmer-Koller fest, dass es der Sozialversicherung um eine nachhaltige Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems geht: „ Die Versicherten müssen positiv spüren, dass die Gesundheitsversorgung moderner, schneller, effizienter und persönlicher wird- von der Einführung neuer Versorgungsformen im niedergelassenen Bereich über die Modernisierung der Leistungskataloge bis hin zum flächendeckenden Rollout moderner IT-Services wie etwa der e-Medikation“.

„Mit der Gesundheitsreform verfolgen wir zwei große Ziele: wohnortnahe, medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich und weniger stationäre Aufenthalte in den Spitälern. Dazu brauchen wir in Zukunft neue Modelle der  Primärversorgung mit einem übersichtlichen, verbindlichen Leistungsangebot und patientenorientierten Öffnungszeiten“, betont die Verbandschefin in der Diskussion. „Die neue Primärversorgung ist der Schlüssel zu einer echten Gesundheitsreform, weil sich damit unsere Allgemeinmediziner zu Teams – auch mit weiteren Gesundheitsberufen - zusammenschließen können. Ein medizinischer „One-Stop-Shop“, der auch mehr Flexibilität und attraktive Geschäftsmodelle für Ärzte bringt.“


Erfolgreiche Umsetzungsprojekte


In Wien, Enns und Mariazell gibt es bereits drei erfolgreiche Umsetzungsprojekte der „Neuen Primärversorgung“. Wolfgang Hockl ist Initiator und Allgemeinmediziner im Gesundheitszentrum Enns: „Nach den ersten drei Monaten im laufenden Betrieb kann ich sagen, dass ich nie mehr in die Einzelpraxis zurückgehen werde. Aus Individualisten und Einzelkämpfern wurde ein Team. Das Miteinander und die Freude an der Arbeit erleben wir täglich. Davon profitieren alle: die Patienten, unsere Mitarbeiter und wir Ärzte. Ich möchte alle Kolleginnen und Kollegen einladen, sich unser Gesundheitszentrum anzusehen: die jungen Ärzte, die überlegen in eine Praxis zu gehen, aber auch die arrivierten Ärzte, die schon lange in Einzelpraxen arbeiten. Sie werden hautnah miterleben, was wir an unserer gemeinsamen Arbeit im Haus so schätzen.“

Insgesamt 75 weitere Primärversorgungseinheiten – ob als Gesundheitszentrum in der Stadt, Gruppenpraxis oder Versorgungsnetzwerk im ländlichen Bereich - sollen bis 2020 realisiert werden.

„Endlich kommt Schwung in die Sache“, freute sich Clemens Martin Auer, Sektionschef im Gesundheitsministerium. „Mit einem neuen Gesetz,  neuen vertraglichen Grundlagen und einem neuen Honorierungssystem werden die Hausärzte in Österreich wieder deutlich aufgewertet werden. Schade, dass alles so langsam geht. Aber neues Denken braucht offensichtlich seine Zeit.“


Gute Ärzteausbildung als „return on investment“


Einher mit der Gesundheitsreform wird es auch eine verbesserte Ärzteausbildung geben. Anita Rieder, Vize-Rektorin der MedUni Wien: „Eine gute, fundierte Ausbildung zu bekommen, gefordert zu werden und Mentoring sind die wesentlichen Erwartungen unserer Absolventen. Investitionen in die Ausbildung lassen auch einen erheblichen positiven „return on investment“ in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung erwarten. Dieses beginnt in einem qualitätskontrollierten modernen Medizinstudium. Deshalb haben wir an der MedUni Wien unser Medizincurriculum 2016 erneut einem Akkreditierungsprozess unterzogen. Der Großteil  unserer Studierenden studiert in Mindeststudiendauer und nur etwa 5 bis 6 Prozent schließen nicht ab.“ Ein Meilenstein dazu ist auch die Lehrpraxis in der „Neuen Primärversorgung“.


Moderne IT-Services im Dienst der Patienten


„Ergänzend zur Neuen Primärversorgung ist mittlerweile auch ELGA erfolgreich in Betrieb gegangen. Österreichweit arbeiten bereits mehr als 60 Gesundheitseinrichtungen mit dieser elektronischen Gesundheitsakte. Damit können erstmals Diagnose- und Behandlungsabläufe übergreifend von den behandelnden Ärzten wie auch den Patienten selbst eingesehen werden. Noch in diesem Jahr soll ELGA auch in den Ordinationen der niedergelassenen Ärzte ausgerollt werden. Und als weitere Ergänzung startet die telefonische Gesundheitsberatung ihren Probebetrieb in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Vorarlberg. Unter der Telefonnummer 1450 kann jeder in diesen Bundesländern eine erste Dringlichkeitseinschätzung und Verhaltensempfehlung zu seiner Gesundheitsfrage einholen – und sich dadurch unnötige Weg- und Wartezeiten sparen“, so Rabmer-Koller abschließend.