DRUCKEN

Cloudworking und die Zukunft der Erwerbsarbeit


Prof. Dr. Andreas Boes Der Autor:

Prof. Dr. Andreas Boes


studierte Soziologie, Politologie und Volkswirtschaft an den Universitäten Marburg und Wien. Er ist im Vorstand und Institutsrat des Institutes für sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München sowie Mitglied des Direktoriums des Munich Center for Internet Research (MCIR). Mitgliedschaft der Plattform "Digitale Arbeitswelt" des BM für Arbeit und Soziales sowie der Kommission "Zukunft der Arbeit" des DGB.




KURZFASSUNG


Mit zunehmender Digitalisierung der Gesellschaft zeichnet sich eine „Revolution in der Arbeitswelt“ ab. In dieser historischen Umbruchphase ist die Herausforderung nach Überzeugung von Andreas Boes v.a., den Status des Arbeitnehmers und die damit verbrieften Schutzrechte nicht aufzugeben, sondern den sich verändernden Rahmenbedingungen der digitalen Arbeitswelt anzupassen, um so einen großen Rückschritt zu vermeiden.

Neue Organisationsformen der Arbeit durch „Crowdsourcing“ sorgen in Deutschland seit einigen Jahren in der medialen Öffentlichkeit und bei den Gewerkschaften für Furore. In den Fokus der kontroversen Debatten rücken Crowdsourcing-Plattformen wie Mechanical Turk oder Clickworker. Kritiker sehen in ihnen eine Art „eBay für Arbeitskräfte“ und fürchten die „Amazonisierung“ von Arbeit und die Herausbildung eines „digitalen Tagelöhnertums“.

Diese Entwicklungen ordnet Boes in ein Bild zur Zukunft der Erwerbsarbeit ein. Dabei ist das viel diskutierte „Crowdsourcing“, seinen Überlegungen folgend, nur die Spitze des Eisbergs. Unter der Oberfläche zeichnet sich aber ein fundamentaler Umbruch in der Produktionsweise ab. Dieser wird ausgelöst durch einen auf Basis des Internets entstandenen global verfügbaren „Informationsraum“, ein „sozialer Handlungsraum“, der eine neue Handlungsebene für die Weltgesellschaft bildet. Für Unternehmen bietet er einen „neuen Raum der Produktion“, dessen Möglichkeiten zur Organisation von Wertschöpfung und Arbeit sie gegenwärtig ausloten.

Kern des neuen Bauplans ist die offene und flexible Gestaltung von Systemen der Wertschöpfung, wie sie das Silicon Valley bereits vorlebt. In der Folge wird das „Cloudworking“ zur neuen Leitorientierung der Organisation von Arbeit und der Öffnung der Unternehmen. Cloud-Plattformen fungieren als Rückgrat der offenen Zusammenarbeit im Informationsraum und ermöglichen flexible Zusammenarbeit zwischen festangestellten Beschäftigten, Kunden und Soloselbständigen.

Andreas Boes erklärt in seinem Beitrag, was diese Trends für die Zukunft von Arbeit bedeuten. Fazit: Der gegenwärtige Umbruch von Arbeit und Gesellschaft droht das um den „Status des Arbeitnehmers“ zentrierte System gesellschaftlicher Arbeit – wie es der französische Soziologe Robert Castel definiert hat – zu destabilisieren. Die aus der Anerkennung der Verletzlichkeit der Lohnarbeit resultierenden Institutionen – Sozialversicherungen, Mitbestimmungsrechte, Arbeits- und Tarifrecht – drohen unwirksam zu werden. Der Autor plädiert für eine Neufassung des Status des Arbeitnehmers, um einen schleichenden Erosionsprozess zu verhindern und die Wohlfahrt von Menschen und Gesellschaften auch in der digitalen Welt zu schützen.