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TENS – Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit?


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Aufgrund der fraglichen Wirksamkeit von Reizstrom (TENS), als meist additive Anwendung zu z.B. medikamentöser Therapie gegen Schmerzen und Funktionseinschränkungen, vorwiegend bei Beschwerden am Bewegungsapparat, wird seitens eines KV Trägers überlegt, die Neu-Investition von TENS Geräten zu überdenken.

 

TENS wird vorwiegend zur additiven Schmerzbehandlung und meist bei muskuloskeletalen oder neuropathischen Schmerzen eingesetzt, auch Funktionsbesserungen sollen erreicht werden können.

 

TENS ist die transkutane elektrische Nervenstimulation, angewandt mittels einem tragbaren batteriebetriebenen Gerät, das über Elektroden den Reizstrom über die Haut abgibt. Der Einsatz erfolgt sowohl im medizinischen Setting als auch durch die Patienten zu Hause.

 

In diesen Bericht wurden ausschließlich hochwertige Übersichtsarbeiten (Cochrane) inkludiert.

 

Statistisch signifikante Ergebnisse zeigen, ob eine Intervention im Vergleich zu einer anderen Intervention mehr als zufällig unterschiedlich ist.

Klinisch relevante Ergebnisse zeigen einen höheren Effekt, der als bedeutsam in der Anwendung durch den Patienten erkennbar ist.

Sämtliche Übersichtsarbeiten zu TENS zeigen statistisch nicht signifikante Ergebnisse für TENS im Vergleich zu Placebo-TENS (Einschalten des Gerätes ohne Stromfluss). Statistisch signifikante, aber klinisch kaum relevante Ergebnisse werden für TENS bei Rheumatoider Arthritis der Hand und für den Einsatz von TENS bei Menstruationsschmerzen berichtet.

 

Die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen zeigt, dass handliche tragbare TENS-Geräte im freien Handel zur Heimanwendung zwischen 40 und ca. 150 € zu haben sind, in der medizinischen Handhabung in einer Ordination oder beim Patienten werden Angaben von bis zu 300€ gefunden, bzw. keine Angaben zum Mietpreis der jeweiligen Geräte.

Der Nutzen anhand der verfügbaren Übersichtsarbeiten zeigt eine Schmerzreduktion im Placebo-Effektbereich von bis zu 25%. Völlige Schmerzfreiheit oder Krankheitsheilung ist in keiner der gelesenen Studien ein Endpunkt.

Für die Kosteneffektivität von TENS wurden nur zwei Studien gefunden, eine kann keine Aussage treffen zur Wirtschaftlichkeit von TENS bei Tennisellbogen und die zweite errechnet eine positive Kosteneffektivität für Elektrostimulation im Einsatz bei fäkaler Inkontinenz.

Unklare Aspekte für die Beurteilung:

  • Einfluss zusätzlicher Therapiemodalitäten (z.B. Schmerzmedikamente) bei gleichzeitiger Anwendung zu TENS
  • Natürlicher „Krankheits“-Verlauf
  • Placebo-Effekt

 

Nicht inkludierte Aspekte für die Beurteilung:

  • Kosten einer Ausschreibung für TENS Geräte
  • Anzahl der zu beschaffenden Geräte
  • Abschreibungszeit der Geräte (Lebensdauer)

 

Aufgrund der geringen Nachweise für die Wirksamkeit von TENS und den Wirksamkeitsumfang erscheint derzeit die Wirtschaftlichkeit zweifelhaft. Es wurden daher keine Kostendaten erhoben und keine Kosten-Analyse berechnet.

Anzumerken ist jedoch, dass TENS als zusätzliche Schmerztherapiemodalität seit Jahrzehnten Einsatz findet und eine Art „liebgewonnene Gewohnheit“ bei Anwendern und Patienten darstellt.