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Niederenergetischer Ultraschall zur Wundbehandlung


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Chronische, schlecht heilende Wunden (kein Wundverschluss binnen 6-8 Wochen) stellen eine Belastung für die betroffenen Patienten und eine Herausforderung im Wundmanagement dar. Ihre Entstehung ist häufig durch eine arterielle Durchblutungsstörung, durch eine venöse Rückflussbehinderung oder durch die verschlechterte Gefäßsituation bei Diabetes mellitus bedingt. Auch Druckgeschwüre bei immobilen Personen mit reduziertem Allgemeinzustand sind schlecht heilende Wunden.

 

Niederfrequenter, nieder-energetischer Ultraschall als Adjuvans zum üblichen Wundmanagement soll dazu beitragen, die Wundheilung zu beschleunigen, sowie die Lebensqualität zu verbessern und die Behandlungskosten zu senken. Der genaue Mechanismus des Ultraschalls in der Wundheilung ist unklar, die feinen Schwingungen sollen granulationsfördernd wirken. Der Ultraschall wird entweder ohne direkten Kontakt mit Abstand zur Wunde oder direkt über eine Leitsubstanz (z.B. Salzlösung) lokal apppliziert. Derzeit ist auch ein Gerät am Markt, das tragbar ist und bei dem mittels Pflaster der Ultraschall appliziert wird.

Durch den Einsatz des Ultraschalls sollen teure Medikamente, Krankenhauskosten oder lange Krankenstände vermieden werden können.

 

Methodik:

Es wurde eine Kurzbeurteilung erstellt, der Methodik für Rapid Assessments der EUnetHTA folgend:

  • Systematische Suche in Pubmed, Cochrane Db, G-I-N, AWMF und POP Db
  • Strukturierte Bearbeitung nach den Kapiteln Gesundheitsproblem, technische Beschreibung, Wirksamkeit, Sicherheit unter Berücksichtigung organisatorischer, sozialer und rechtlicher Aspekte
  • Aus den inkludierten Studien wurde eine Datenextraktion zur Beurteilung des Grads der Wirksamkeit durchgeführt
  • Zwei Guidelines, zwei Cochrane Übersichtsarbeiten, sechs systematic Reviews, ein RCT, ein CCT, 6 retrospektive Analysen und eine Fallserie wurden zur Beantwortung der Anfrage verwendet

 

Ergebnis:

Die derzeitigen wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von niederfrequentem, niederenergetischem pulsiertem Ultraschall im Einsatz bei chronischen Wunden sind schwach. Die inkludierten Studien haben teilweise ein hohes Risiko für eine Verzerrung (Bias). Das bedeutet, dass die Auswahl der beobachteten Patienten, die Einteilung in die Vergleichsgruppen, so vorhanden, und die Unbeeinflussbarkeit der Behandler und Ergebnis-Beurteilenden unbekannt oder fraglich waren.

Der Vergleich mit der Standardbehandlung, also gängiger Wundbehandlung, lässt üblicherweise für eine additive Therapie wie Ultraschall plus Standardbehandlung keine Verblindung zu. Deutlichere Beweise sind durch einen Vergleich mit Schein-Ultraschall gegeben, vor allem bei gleicher Ausstattung der Geräte und Verblindung der Beteiligten. In einigen Studien wird beschrieben, dass die Ultraschallbehandlung Schmerzen verursacht bzw. werden als Nebenwirkung lokale Entzündungen genannt. Dadurch wäre eine Scheinbehandlung auch mit Verblindung von der Ultraschallbehandlung unterscheidbar.

Die Ergebnisse zu Heilungsraten, Heilungszeit, Reduktion der Wundfläche oder des Wundvolumens sind inkonsistent, die weiteren verwendeten Endpunkte in den Studien sind heterogen und dadurch nicht vergleichbar.

Als Definition von chronischen Wunden gilt eine Heilungszeit von mehr als 6-8 Wochen, der „natürliche“ Verlauf ist unklar, weil nicht untersucht. Für chronische Wunden verursacht durch Durchblutungsstörungen, venösen Rückstau oder diabetische Gefäßerkrankungen ist primär die Basistherapie der Ursache von Einfluss auf die Entwicklung der chronischen Wunde.

Nicht außer Acht zu lassen ist, dass vor allem bei ambulanter Wundversorgung die Kooperation durch die Patienten wesentlich ist, z.B. das Einhalten regelmäßiger Verbandwechsel oder das Beachten besonderer hygienischer Voraussetzungen.

Unter Berücksichtigung des unklaren Nutzens scheinen die Kosten des Ultraschall-Gerätes sowie die Zusatzkosten pro Pflaster für die Ultraschall Applikation an die Wunde unverhältnismäßig hoch, zumal die Standardbehandlung nicht reduziert werden kann.

Die postulierte Reduktion der Medikamentenkosten, der Krankenstände und der Krankenhausaufenthalte kann derzeit nicht nachvollzogen werden.