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Umfrageergebnisse: Bevölkerungsstudie - Gesundheit 2017


Im Auftrag des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger erhob das Meinungsforschungsinstitut GfK Austria auch im Jahr 2017 im Rahmen einer repräsentativen Studie die Meinung der Österreicherinnen und Österreicher zu aktuellen Fragen des Gesundheitswesens. Befragt wurden zu Jahresmitte insgesamt 4000 Personen ab dem 15. Lebensjahr. Das bedeutet, dass die Befragungsergebnisse somit nicht durch den abgelaufenen Wahlkampf beeinflusst oder verzerrt worden sind.



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Bevölkerung zufrieden mit den Leistungen der sozialen Krankenversicherung

Das wichtigste Ergebnis aus Sicht der Sozialversicherung: die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Leistungen „ihrer“ Krankenkasse im niedergelassenen Bereich ist unverändert hoch. Mehr als drei Viertel der Befragten gab an, mit den Leistungen sehr bis eher zufrieden zu sein. Nach einem geringen „Unzufriedenheitsschub“ von 2015 auf 2016, ist dieser Wert heuer praktisch unverändert.


 


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Änderungswünsche an das Gesundheitssystem

„Wenn Sie Gesundheitsminister oder Gesundheitsministerin wären, welche 3 Dinge würden Sie am Gesundheitssystem sofort ändern?“, lautete die entsprechende Fragestellung mit der – ungestützt, also spontan – die Wünsche der Bevölkerung erhoben wurden. Kumuliert nach den Nennungen 1 bis 3 wünschen 29 Prozent der befragten Österreicher und Österreicherinnen eine Stärkung bzw. einen Ausbau des Sachleistungsprinzips, also die Kostenübernahme von Gesundheitsleistungen durch die Kassen. Dies reicht von den Zuschüssen für Sehbehelfe wie Kontaktlinsen, die Kostenübernahme bei diversen Untersuchungen, die Zahnbehandlung bzw. der Zahnersatz bis zur Rezeptgebühr.

 

Kumuliert 26 Prozent wünschen sich Erleichterungen beim Besuch eines niedergelassenen Arztes: etwa die Verkürzung der Wartezeiten oder mehr Zeit für medizinische Beratung. Ebenfalls kumuliert 26 Prozent wünschen sich eine bessere flächendeckende Versorgung durch Ärzte oder anderes medizinisches Personal.

 

18 Prozent fordern Veränderungen im Gesundheitssystem an sich, wobei davon 15 Prozent das Mehr-Klassen-System abschaffen würden. 17 Prozent äußern den Wunsch nach einer Veränderung im Kassensystem. „Die in der politischen Diskussion immer wieder erhobene Forderung nach Zusammenlegung von Sozialversicherungsträgern oder Eingriffen in die Struktur der Krankenversicherung ist somit der Bevölkerung keineswegs ein so hohes Anliegen. Vorrang hat vielmehr eine entsprechende Gegenleistung für die eingezahlten Beiträge, eine rasche zugängliche und eine in der Fläche gute medizinische Versorgung“, so das Resümee von Prof. Bretschneider aus dieser Fragestellung.


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Informationsquellen zu Gesundheitsthemen

Wie in den Vorjahren wurde auch heuer wieder erhoben, welche Informationsquellen die Bevölkerung bei Krankheiten bzw. gesundheitlichen Problemen in Anspruch nehmen. Weiter auf dem Vormarsch sind – verglichen mit dem Jahr 2014 – die „nichtärztlichen Quellen“. An der Spitze stehen unangefochten das Internet (51 Prozent), die Familie (40 Prozent) sowie der Freundes- und Bekanntenkreis (32 Prozent). Massiv als Informationsquellen profilieren konnten sich in den letzten Jahren die Apotheken – von 19 Prozent im Jahr 2014 auf 28 Prozent im heurigen Jahr.

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Arztbesuche und Arztwahl 

Die unverändert hohe Bedeutung des praktischen Arztes mit Kassenvertrag für die medizinische Versorgung der Bevölkerung zeigt die Auswertung der Frage nach dem Arztbesuch in den letzten 12 Monaten. 86 Prozent der Befragten besuchten einen praktischen Arzt und von diesen Besuchen entfielen weit über 90 Prozent auf einen Arzt mit Kassenvertrag. Die Wahlärzte – auf sie entfielen 13 Prozent der Besuche – haben hier, wie schon in den Vorjahren eine geringe Bedeutung in der Versorgung. Wesentlich höher ist allerdings der Anteil der Inanspruchnahme von Wahlärzten im Bereich der FachärztInnen. So gaben 75 Prozent der Befragten an, in den vergangenen 12 Monaten einen Facharzt/eine Fachärztin besucht zu haben. Da mehr als ein Facharztbesuch möglich war, entfielen 74 Prozent auf ÄrztInnen mit Kassenvertrag und 44 Prozent auf WahlärztInnen.

 



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Zufriedenheit mit Wartezeit 

Im Rahmen der Bevölkerungsstudie wurden die Befragten auch ersucht, ein Resümee über ihre Wartezeiten beim praktischen Arzt mit Kassenvertrag in den letzten 12 Monaten zu ziehen. Die Ergebnisse: 67 Prozent waren sehr bis eher zufrieden, 10 Prozent überhaupt nicht zufrieden. Befragt nach der Dauer der Wartezeit: etwas mehr als ein Drittel musste weniger als 30 Minuten warten, 19 Prozent bis zu 45 Minuten, 17 Prozent bis zu einer Stunde und 28 Prozent sogar länger als eine Stunde. Und klarerweise: je kürzer die Wartezeit, desto höher ist die Zufriedenheit der Befragten.

 

Die Leistungsfähigkeit der praktischen Ärzte mit Kassenvertrag zeigt sich auch im Bereich der Terminvergabe: 65 Prozent der Befragten erhielten einen Termin noch am selben Tag und weitere 16 Prozent innerhalb einer Woche. Ein ganz anderes Bild bietet sich bei den Fachärzten: nur 13 Prozent der Terminansuchen bei den Radiologen wurden innerhalb einer Woche erledigt, sonst gaben die Befragten Wartezeiten von bis zu zwei Monaten an. Kaum besser sind die Ergebnisse für die FachärztInnen: Nur ein Fünftel innerhalb einer Woche, aber 61 Prozent mit Wartezeiten von bis zu 2 Monaten für PatientInnen.

 

Auch vor diesem Wartezeiten-Hintergrund ist verständlich, dass die Akzeptanz der Neuen Primärversorgung weiterhin sehr hoch ist. Obwohl es erst eine Handvoll von diesen Einrichtungen gibt, begrüßen 81 Prozent der Befragten dieses System. Die wichtigsten Erwartungen an die neue Primärversorgung: 54 Prozent hoffen auf kürzere Wartezeiten und längere Öffnungszeiten. Was man keinesfalls vermissen möchte ist aber weiterhin die freie Arztwahl (46 Prozent).




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Neue Primärversorgung und telefonische/ webbasierte Erstauskunft 

Die „Internet-Affinität“ der ÖsterreicherInnen in medizinischen Fragen ist neuerlich in der Bevölkerungsstudie 2017 von GfK Austria erhoben worden. Diese schlägt sich auch in der Bekanntheit und Nutzung der telefonischen oder webbasierten Erstauskunft in medizinischen Fragen nieder. Obwohl es derzeit erst drei Pilotprojekte in den Bundesländern Wien, NÖ und Vorarlberg gibt, ist dieses System bereits 35 Prozent der Bevölkerung bekannt.