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Budget-Impact-Analyse zur kontinuierlichen / Flash Glukosemessung bei insulinbehandeltem Diabetes mellitus für Österreich



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Hintergrund

Das europäischen Netzwerk für Health Technology Assessment (EUnetHTA) hat anhand des EUnetHTA Core Model® einen HTA Bericht zur Bewertung der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit von kontinuierlichem Glukosemonitoring in Echtzeit (CGM) und Flash Glukosemonitoring (FGM) zum eigenständigen Glukosemonitoring durch Patienten (Erwachsene, Kinder, Schwangere) mit insulinbehandeltem Typ 1 und Typ 2 Diabetes mellitus (T1 DM and T2 DM) erstellt. Für insulinbehandelte DiabetikerInnen sind regelmäßige Blutglukosemessungen erforderlich. Diese Messungen können durch die sogenannte Blutzuckerselbstmessung mehrmals pro Tag mittels Fingerstich erfolgen. Dabei wird aus dem Kapillarblut mit Hilfe eines Teststreifens und eines Messgerätes die Blutglukose gemessen. Die kontinuierliche (CGM) bzw. Flash Glukosemessung (FGM) sind Systeme, die mit Hilfe eines Sensors, welcher mit einer kleinen Nadel unter der Haut platziert wird, die Glukose im Zwischenzellraum messen und die Zuckerwerte speichern. Mit einem Lesegerät kann jederzeit der aktuelle Wert abgelesen werden. Bei der kontinuierlichen Messung ist der Wert tatsächlich in Echtzeit ablesbar, beim Flash Glukose Monitoring wird in kurzen Intervallen gemessen und der jeweils letzte Wert ist ablesbar. Die Vorteile der CGM und FGM sind eine engmaschigere Kontrolle der Glukosewerte ohne Fingerstich und damit eine bessere Abschätzung der gefährlichen Unterzuckerung. CGM Systeme müssen allerdings über eine manuelle Messung mit Fingerstich kalibriert werden. Einige Systeme haben einen Alarm bei Unterzuckerung. Durch die relativ einfache Handhabung können PatientInnen ihre Blutzuckerwerte stabiler halten, was für die Vermeidung von diabetischen Langzeit-Komplikationen wichtig ist. Auch die Versorgung diabetischer Kinder ist mit einem CGM oder FGM System einfacher. Die Kinder müssen nicht mehr so oft gestochen werden, und Betreuungspersonen können eine drohende Unterzuckerung einfacher erkennen. Manche CGM Systeme lassen sich direkt mit einer Insulinpumpe kombinieren. In Österreich werden grundsätzlich die Kosten für CGM- und FGM-Systeme für DM Typ 1 PatientInnen mit Insulintherapie übernommen.


Methode

Durch die Budget-Impact-Analyse (BIA) werden die direkten finanziellen Konsequenzen der Anwendung der kontinuierlichen bzw. Flash Glukosemessung für die PatientInnen mit T1 DM und insulinbehandeltem T2 DM abgeschätzt, unter Berücksichtigung der zeitlichen Entwicklung der Inanspruchnahme der Technologie. Als erster Schritt wurde der Ist-Stand (Basisfall) anhand der vorhandenen Daten ermittelt und die relevante Patientengruppe nach der Art der Blutglukosemessung (Blutzuckerselbstmessung vs. CGM vs. FGM) und dem Insulinregime (Insulinpumpe vs. Insulinspritze) kategorisiert. Zwei Hauptszenarien wurden definiert und analysiert: die Kosten von CGM bzw. FGM werden im Hauptszenario 1 nur für die T1 DM PatientInnen, im Hauptszenario 2 auch für die insulinbehandelten T2 DM PatientInnen berechnet. Innerhalb der beiden Hauptszenarien werden mehrere Subszenarien nach dem Anteil der mit CGM bzw. FGM versorgten PatientInnen dargestellt. Die Zielpopulation wurde auf Basis der österreichischen Bevölkerungsprognose der Statistik Austria (Hauptszenario) und der Prävalenz-, Inzidenz- und Mortalitätsraten aus dem Österreichischen Diabetesbericht 2017 und aus LEICON prognostiziert. Die Ist-Stand Darstellung (Basisfall) der PatientInnen und Kosten erfolgte mittels der HONO HBHI Datenbank.


Ergebnisse

Auf Basis der Abrechnungsdaten (2013-2017) werden derzeit ungefähr 6.000 PatientInnen entweder mit einem CGM-Gerät oder einem FGM-Gerät versorgt. Diese Patientengruppe macht einen Anteil von 7,1% aller PatientInnen mit T1 und insulinbehandeltem T2 DM aus. Im Basisfall wird angenommen, dass der derzeitige Status quo bezüglich des Anteils der kontinuierlichen bzw. Flash Glukosemessung an der Gesamtpatientengruppe über den gesamten Zeithorizont (5 Jahre) der Budget-Impact-Analyse hinweg konstant bleibt. In diesem Fall werden ca. 8500 PatientInnen entweder mit einem CGM-Gerät oder FGM-Gerät im Jahr 5 versorgt. Die Kosten im Jahr 5 betragen ca. € 64 Mio., von denen die Kosten der Glukosemesssysteme (inkl. Zubehör und Verbrauchsmaterial) und der Insulintherapie (exkl. Insulin) einen Anteil von 73% ausmachen. 27% der geschätzten Gesamtkosten werden für Krankenhausaufenthalte aufgewendet. Die Kosten insgesamt für die nächsten 5 Jahre betragen im Basisfall € 273 Mio. Im Hauptszenario 1 ergeben sich im Vergleich zum Basisfall für die nächsten 5 Jahre insgesamt zusätzliche Kosten in der Bandbreite von € 21,7 Mio. (Anteil CGM und FGM: 20%) bis € 212,9 Mio. (Anteil CGM und FGM 100%) abhängig vom Anteil (20-100%) der mit CGM bzw. FGM versorgten T1 DM PatientInnen. Da die zu berücksichtigende Zielpopulation im Hauptszenario 2 um insulinbehandelte T2 DM PatientInnen erweitert wird, sind die zusätzlichen Kosten im Vergleich zum Basisfall auch signifikant höher. Die inkrementellen Kosten betragen von € 47 Mio. (Anteil CGM und FGM: 20%) bis € 340 Mio. (Anteil CGM und FGM 100%) für die nächsten 5 Jahre insgesamt abhängig vom Anteil (20-100%) der PatientInnen mit CGM bzw. FGM.


Diskussion

Basierend auf mehreren Szenarien zeigt die vorliegende Budget-Impact Analyse, dass eine maßgebliche Erhöhung der Anzahl der PatientInnen mit CGM bzw. FGM aufgrund der hohen Kosten der Anschaffung sowie der Verbrauchsmaterialen zu einer maßgeblichen Budgetauswirkung führen wird, während auf der anderen Seite die Qualität der wissenschaftlichen Evidenz zur klinischen Wirksamkeit im Vergleich zur manuellen Messung noch relativ niedrig ist.