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Die Vorsorgeuntersuchung in Österreich – eine empirische Studie bezüglich Inanspruchnahme und Zufriedenheit


DDr. Gerhard Reichmann Die Autoren:
DDr. Gerhard Reichmann

ist als ao. Universitätsprofessor am Institut für Informationswissenschaft und Wirtschaftsinformatik der Universität Graz tätig.


Dr. Margit Sommersguter- Reichmann Dr. Margit Sommersguter-Reichmann

ist als ao. Universitätsprofessorin am Institut für Finanzwirtschaft der Universität Graz tätig.


KURZFASSUNG

Im Rahmen einer Studie wurde anhand einer Befragung von 700 Personen (603 Studierende sowie als Vergleichsgruppe 97 Personen mit einem Alter von mind. 30 Jahren) untersucht, inwieweit die kostenlose Vorsorgeuntersuchung in Österreich in Anspruch genommen wird. Weiters wurden für jene Personen, die bereits an einer Vorsorgeuntersuchung teilgenommen haben, die Zufriedenheit mit dieser sowie die Gründe für die erfolgte Inanspruchnahme erhoben. Die Untersuchung legt offen, dass mehr als 22 Prozent der befragten Studierenden schon mindestens einmal eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen haben, mit der sie mehrheitlich zufrieden waren. Eine solche im Durchschnitt hohe Zufriedenheit gilt auch für die Vergleichsgruppe. Die beiden häufigsten Gründe für die Inanspruchnahme sind – erwartungsgemäß – Prävention und Früherkennung.

Infolge der Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen als Instrumente zur Prävention bzw. Früherkennung von Krankheiten und der Tatsache, dass in Österreich alle Personen ab einem Alter von 18 Jahren eine solche Untersuchung einmal jährlich kostenlos in Anspruch nehmen können, würde man eine entsprechend hohe Teilnahmerate erwarten. Ob dies innerhalb der Gruppe der Studierenden der Fall ist, steht im Mittelpunkt der gegenständlichen Untersuchung. Studierende stehen deshalb im Fokus der vorliegenden Studie, da Untersuchungen gezeigt haben, dass Vorsorgeuntersuchungen, wenn überhaupt, eher bei jüngeren Personen einen Kosteneinsparungseffekt haben, wenn auch keine positive Auswirkung auf die Gesundheit beobachtbar war. Ergänzend wird analysiert, inwieweit bestimmte soziodemographische Merkmale, wie z.B. Geschlecht, Alter oder Rauchverhalten einen Einfluss auf die Inanspruchnahme ausüben. Weiters wird erhoben, aus welchen Gründen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden bzw. nicht in Anspruch genommen werden. Im Hinblick auf Personen, die bereits an einer Vorsorgeuntersuchung teilgenommen haben, wurde auch die Zufriedenheit mit dieser untersucht. Nachdem es Patienten offensteht, eine Vorsorgeuntersuchung entweder vom Allgemeinmediziner oder Facharzt bzw. entweder vom Kassenarzt oder Wahlarzt durchführen zu lassen, soll zudem festgestellt werden, in welchem Ausmaß die Zufriedenheit von dieser Auswahl beeinflusst wird.

 

Die Vorsorgeuntersuchung in Österreich

Die Vorsorgeuntersuchung wurde in Österreich im Jahr 1974 eingeführt und im Jahr 2005 grundlegend reformiert. § 132b ASVG stellt die gesetzliche Grundlage für diese auch als Gesunden-Untersuchung bezeichnete Maßnahme dar. Demnach haben Versicherte und Angehörige jährlich Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung. Die nähere Ausgestaltung ist dem Hauptverband übertragen, der dazu Richtlinien zu erlassen hat. Im Hinblick auf den Inhalt dieser Richtlinien wird im ASVG vorgegeben, dass Vorsorgeuntersuchungen insbes. der Früherkennung von häufig auftretenden Krankheiten dienen sollen. Als Beispiele für derartige Krankheiten werden Krebs, Diabetes und Herz- und Kreislaufstörungen genannt.

In den mit Juli des Jahres 2005 in Kraft getretenen einschlägigen Richtlinien für die Durchführung und Auswertung der Vorsorgeuntersuchungen ist festgelegt, dass der Anspruch für Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr besteht. Für berufstätige Jugendliche mit einem Alter zwischen 15 und 18 Jahren gibt es die Möglichkeit einer alljährlichen Jugendlichen-Untersuchung. Diese Untersuchung dient der Prävention bzw. Früherkennung explizit genannter Krankheiten wie dem Aufzeigen bestimmter Gesundheitsrisiken, etwa Rauchen, Alkohol- und Arzneimittelmissbrauch oder auch gesundheitsrelevanter Bewegungsmangel. Hinsichtlich des Ablaufes wird eine dreistufige Vorgangsweise festgelegt, die aus der Anamnese, Durchführung und Auswertung der notwendigen Untersuchungen und einem Abschlussgespräch, in dem der Patient über Gesundheitszustand, Risikofaktoren, nötige Behandlungen sowie eventuell nötige weiterführende Untersuchungen aufzuklären ist, besteht. Das allgemeine Untersuchungsprogramm kann von Ärzten für Allgemeinmedizin, von Fachärzten für Innere Medizin und Fachärzten für Lungenheilkunde durchgeführt werden, die von den Patienten für diesen Zweck direkt aufgesucht werden können.

Betrachtet man die Zahlen zur Vorsorgeuntersuchung in Österreich, so zeigt sich, dass im Jahr 2017 998.977 Personen das allgemeine Untersuchungsprogramm in Anspruch genommen haben. 53,5 Prozent dieser Personen waren weiblich. Interessant erscheint die unterschiedliche Intensität der Inanspruchnahme in den Bundesländern. Während in Kärnten 108.546 Personen eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen haben, betrug der entsprechende Wert für das lediglich geringfügig bevölkerungsärmere Bundesland Salzburg nur 66.836 Personen. Gegenüber dem Jahr 2005, in diesem Jahr wurde die „Vorsorgeuntersuchung neu“ eingeführt, hat es eine Steigerung der Inanspruchnahme um 28,8 Prozent gegeben, die weit über dem entsprechenden Bevölkerungswachstum lag. Möglicherweise war diese Steigerung auf das Einladungssystem, das Personen gezielt zur Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung einlädt, zurückzuführen.

 

Resümee

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit mehr als 22 Prozent der Befragten schon mehr Studierende als erwartet eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen hatten. Für die Vergleichsgruppe betrug der entsprechende Wert sogar knapp 65 Prozent, allerdings ist zu betonen, dass es sich dabei um eine sehr kleine Stichprobe von nicht einmal hundert Personen gehandelt hat, die auch keinesfalls zufällig ausgewählt worden waren, womit sämtliche Ergebnisse hinsichtlich der Verwandten bzw. Bekannten auf keinen Fall verallgemeinert werden können. Für die Gruppe der Studierenden, die auch im Fokus der vorliegenden Untersuchung standen, erscheinen die beiden Gütekriterien „ausreichender Stichprobenumfang“ sowie „Zufälligkeit der Auswahl“ dagegen weitgehend erfüllt. Überraschend gering war der Einfluss der sieben betrachteten Merkmale auf die Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchung: Signifikant war dieser für die Gruppe der Studierenden nur hinsichtlich der Merkmale „Alter“ und „Berufstätigkeit“, wobei die Relevanz des Merkmals „Alter“ noch dadurch zu relativieren ist, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit für eine bereits erfolgte Inanspruchnahme dieser Untersuchung schon alleine dadurch steigt, dass der relevante Betrachtungszeitraum immer größer wird. Innerhalb der Vergleichsgruppe hatten drei Faktoren einen signifikanten Einfluss: Verwandte bzw. Bekannte, die weiblich, älter und Nichtraucher waren, hatten eher zumindest einmal eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen.

Der mit Abstand wichtigste Grund für die Teilnahme an einer Vorsorgeuntersuchung war Prävention, gefolgt von Früherkennung, die vor allem für die Vergleichsgruppe von erheblicher Bedeutung war. Unter den Gründen für eine bisher unterbliebene Inanspruchnahme der Untersuchung gab es zwei besonders häufig gewählte Antwortmöglichkeiten: „Fühle mich gesund“ sowie „Habe mich noch nie damit beschäftigt“. Kaum eine Rolle spielten dagegen mangelnde Kenntnis bezüglich Vorsorgeuntersuchung bzw. die Angst vor negativen Untersuchungsergebnissen.

Unter jenen Befragten, die bereits an Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen hatten, war die Zufriedenheit mit der letzten Vorsorgeuntersuchung durchaus hoch: Mehr als 96 Prozent der Studierenden und mehr als 90 Prozent der Vergleichsgruppe waren mit dieser „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“, was den Ergebnissen vergleichbarer Untersuchungen entspricht. Besonders zufrieden waren jene Personen, bei denen die letzte Vorsorgeuntersuchung von einem Facharzt bzw. von einem Wahlarzt durchgeführt worden war.