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Soziale Gesundheit im Fokus: Sozialversicherung stärkt Logopädie-Angebote

Hauptverband und Bundesverband der Logopäden streben eine Direktverrechnung mit den Kassen als gemeinsames Ziel an. Auch in den neuen Primärversorgungseinheiten ist Logopädie vorgesehen.

 Von links: Dr. Alexander Biach (Vorsitzender des Verbandsvorstandes im Hauptverband), Birgit Gohlke (Filmemacherin und Betroffene), Dr. Karin Pfaller (Präsidentin der Logopädieaustria), Petra Nickel (Filmemacherinnen und Logopädin)

Sprache haben und Sprechen können sind wesentliche Voraussetzungen für die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen und das Zusammenleben in der Gemeinschaft. „Der Sozialversicherung ist es ein großes Anliegen, dass Betroffene von Anfang an Logopädie als Sachleistung in Anspruch nehmen können“, betont Alexander Biach, Vorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der logopädieaustria, dem Berufsverband der österreichischen Logopädinnen und Logopäden. Dieser Gesundheitsberuf beschäftigt sich mit Menschen aller Altersgruppen, die Schwierigkeiten in den Bereichen Stimme, Sprechen, Sprache, Hören und Schlucken haben. Das breit gefächerte Leistungsangebot ist nicht ohne Grund in der Krankenbehandlung der ärztlichen Hilfe gleichgestellt. Hauptverband und logopädieaustria verfolgen das gemeinsame Ziel, sich mit Jänner 2020 auf einen bundeseinheitlichen Vertrag mit freiberuflichen Logopäden zu verständigen.

 

„Mit erstem September konnte jetzt dank Leistungsharmonisierung auch für die Konsultation bei einem Wahllogopäden ein bundesweit einheitlicher Kostenzuschuss sowie ein einheitliches Bewilligungsvorgehen erreicht werden“, freut sich Biach über diesen Schritt.

 

Der Bewilligungsprozess wurde für alle Krankenversicherungsträger wie folgt vereinheitlicht:

Für logopädische Behandlungen ist die chef(kontroll)ärztliche Bewilligungspflicht ab der 2. Sitzung einzuholen.

Die Höhe der Kostenzuschüsse für logopädische Leistungen, die nach dem 31. August 2018 verordnet werden, beträgt einheitlich

  • für die Erstuntersuchung/Statuserhebung 29,07 Euro,
  • pro nachfolgender Behandlung zu 30 Minuten 14,53 Euro,
  • für eine Gruppensitzung (max. 4 Personen) zu 60 Minuten pro Person 8,72 Euro und für einen ärztlich verordneten Hausbesuch (pauschaler Zuschlag) 13,81 Euro.

 

„Der Berufsverband der österreichischen Logopädinnen und Logopäden begrüßt die vom Hauptverband forcierte Stärkung der logopädischen Versorgung aller betroffenen Menschen. Mit der Vereinheitlichung der Tarife ist bereits ein erster Schritt zu einer leichter zugänglichen und leistbaren logopädischen Therapie gesetzt worden. Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn logopädische Maßnahmen in ihrer gesamten Bandbreite flächendeckend für die österreichische Bevölkerung zur Verfügung stehen würden“, betont Karin Pfaller, Präsidentin der logopädieaustria.

Derzeit sind rund 2500 Logopädinnen und Logopäden in Österreich tätig. Ein Teil von ihnen ist in öffentlichen Einrichtungen (wie z.B. Ämter, Behinderteneinrichtungen, Kindergärten, Krankenhäuser, Pflegeheime, Sozialversicherungsanstalten) angestellt, ein Teil arbeitet freiberuflich in der eigenen Praxis - und einige machen beides. Im Jahr 2017 hat die Sozialversicherung für Leistungen durch Vertragslogopäden 11,64 Millionen Euro und für Leistungen durch Wahllogopäden 8,38 Millionen Euro aufgewendet. In den neuen Primärversorgungseinheiten, von denen es bis Ende 2021 österreichweit 75 geben soll, sind bereits Logopäden mit ihrem zusätzlichen Wissen im Team rund um den Patienten vorgesehen.

 

Was es persönlich für jemanden bedeutet, mit einer Sprachstörung zu leben, zeigen die beiden Filmemacherinnen Petra Nickel und Birgit Gohlke in ihrem Gemeinschaftsprojekt Mein Stottern.
„Wenn ich daran denke, wie es mir als Kind mit meinem Stottern ging, erinnere ich mich vor allem an Gefühle wie Verzweiflung, Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeit“, so Birgit Gohlke, die in der einfühlenden Dokumentation selbst auch als Protagonistin zu sehen ist. Im Austausch mit anderen gibt sie darin Einblick in den oftmals herausfordernden Alltag von Betroffenen. Zusammen mit Co-Filmemacherin und Logopädin Petra Nickel verfolgt sie das Ziel, „dem Thema das Tabu zu nehmen und einen offeneren und konstruktiveren Umgang mit dem eigenen, aber auch mit dem Stottern anderer zu ermöglichen.“

 

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs. Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,7 Millionen Menschen (Versicherte und mitversicherte Angehörige) anspruchsberechtigt.

 

logopädieaustria ist die berufliche Vertretung des gesetzlich geregelten Gesundheitsberufes Logopädie. Die österreichischen Logopädinnen und Logopäden sind jene Fachpersonen, die die entsprechenden Kompetenzen für das Atmen, die Stimme, das Sprechen, die Sprache, das Hören, das Schlucken, das Lesen und das Schreiben haben. Kommunikation ist unser Leben und so können Menschen aller Altersgruppen – vom Säugling bis zum Erwachsenen –durch logopädische Leistungen profitieren.