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Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2: Richtlinien und Empfehlungen in Theorie und Praxis – Kurzfassung


Tanja Schmoll Die Autorin:
Tanja Schmoll BBSc


ist Ernährungswissenschaftlerin sowie Diätologin und arbeitet als Diätologin in den Gesundheitszentren der Wiener Gebietskrankenkasse sowie in freier Praxis in St. Pölten.


KURZFASSUNG

Die weltweite Prävalenz von Diabetes mellitus bei Erwachsenen belief sich laut dem siebten Diabetes-Atlas der „Internationalen Diabetes Föderation“ (IDF) im Jahr 2015 auf rund 415 Mio. Menschen. Schätzungen zufolge soll diese Zahl bis zum Jahr 2040 auf 642 Mio. Menschen ansteigen. Auch in Österreich steigt die Zahl an Erkrankten: laut Prognosen wird auch hierzulande bis zum Jahr 2030 jeder dritte Erwachsene an Diabetes erkrankt sein.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Entstehung, den Ursachen und möglichen Folgen und gibt einen Einblick in die Ernährungstherapie von Diabetes mellitus Typ Darüber hinaus werden „Ernährungsmythen“ näher beleuchtet und deren mögliche Umsetzung in der Praxis hinterfragt.

 

Entstehung von Diabetes mellitus

„Diabetes mellitus“ bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, welche eine Erhöhung des Blutglucosespiegels, die sog. Hyperglykämie, zur Folge haben. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen zu klassischen Symptomen wie Polyurie (erhöhte Urinausscheidung), Polydipsie (pathologisches Durstgefühl), unerklärbaren Gewichtsverlust, Sehstörungen, etc. Typ-2-Diabetes entwickelt sich zunächst meist symptomlos oder symptomarm, sodass die Diagnose oft verzögert gestellt werden kann und die Entwicklung von Folgeerkrankungen begünstigt ist. Die Diagnose wird häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen zufällig gestellt.

 

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig. Hauptsächlich betreffen sie lebensstilbedingte Faktoren wie Bewegungsmangel und hochkalorische, fettreiche Ernährung sowie genetische Disposition. Das Risiko steigt mit Lebensalter, Übergewicht und Bewegungsarmut an. Geschwister bzw. Nachkommen von Typ 2 Diabetikern aber auch Frauen nach Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) haben auch ein erhöhtes Risiko.

 

Folgen und Spätschäden

Bei längerem Bestehen des Diabetes mellitus, selten auch bereits in der Frühphase der Erkrankung, können sich verschiedene Komplikationen bzw. Spätschäden entwickeln. Häufig treten Veränderungen der Gefäße (diabetische Angiopathie) auf, dabei können sowohl kleine als auch große arterielle Gefäße betroffen sein. Kleinere Gefäße finden sich vor allem an der Netzhaut des Auges sowie in der Niere. Dabei kann es z.B. zur Verschlechterung der Sehkraft bis hin zur Erblindung kommen, aber auch eine Einschränkung der Nierenfunktion entstehen. Zudem können die Gefäße an den Enden der Extremitäten, besonders bei den Zehen, betroffen sein. Die Folge ist oft eine Mangeldurchblutung, die dann zum Gewebsuntergang führt. Eine exakte Einstellung des Diabetes mellitus mit Medikamenten, Insulin und Diät ist die sicherste Möglichkeit, Spätschäden vorzubeugen.

 

Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus Typ 2

Die Therapie eines Typ-2 Diabetes erfolgt in frühen Phasen oft durch Veränderung des Lebensstils, d.h. eine Anpassung der Essgewohnheiten, Steigerung körperlicher Aktivität sowie der Reduktion des Körpergewichts.

 

Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Kohlenhydrat-Zufuhr. Kohlenhydrate gehören zu den Hauptnährstoffen des Körpers und liefern in erster Linie Energie. Grob lässt sich eine Unterteilung in „einfache Kohlenhydrate“ (Weißmehlprodukte wie Semmeln, Weißbrot aber auch Fast Food, Süßigkeiten, Mehlspeisen, etc.) und „komplexe Kohlenhydrate“ (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst) vornehmen. Grundsätzlich sollte bei Diabetes mellitus die Gesamt-Kohlenhydrat-Zufuhr reduziert werden bzw. zugunsten der Aufnahme von Vollkorn-Getreideprodukten ausfallen. Diese erzielen einen langsameren Blutzuckeranstieg sowie eine längere Sättigung. „Einfache“ Kohlenhydrate bewirken hingegen einen starken Anstieg des Blutzuckers, in Folge allerdings auch einen raschen Abfall, wodurch Heißhunger begünstigt wird. Generell sollte die Ballaststoffzufuhr bei Diabetikern deutlich gesteigert werden. Bei Ballaststoffen handelt es sich um weitgehend unverdauliche Bestandteile, vor allem vorkommend in pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide). Eine erhebliche Reduktion sollte bei der Aufnahme von Süßigkeiten sowie Mehlspeisen erfolgen. Zuckerreiche Getränke wie Limonaden, Fruchtsäfte oder Sirupe sollten gänzlich eliminiert werden, als Alternative können zuckerfreie Getränke konsumiert werden. Ein vollständiger Verzicht auf Zucker wird in der heutigen Diabetes-Therapie zwar nicht mehr gefordert, allerdings sollte die tägliche Zufuhr nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergiezufuhr betragen.

Chemische Süßstoffe können in der Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus unterstützend eingesetzt werden. Diese Substanzen liefern keine Energie bzw. führen zu keiner Erhöhung des Blutzuckers. Sie sind nach derzeitigem Wissensstand unbedenklich, wenn die Aufnahme die Verwendungshöchstmengen („Acceptable daily Inake, ADI), festgelegt durch die Europ. Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), nicht überschreitet.

 

Schlussworte

Die richtige Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2 ist komplex und sehr individuell. Für eine alltägliche Umsetzung muss, neben wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. Empfehlungen, v.a. die jeweilige (Lebens-)Situation der Betroffenen berücksichtigt werden. Nur durch Einbeziehung persönlicher Vorlieben, Bedürfnisse, kultureller sowie religiöser Überzeugungen, aber auch ökonomischer Ressourcen, kann eine Umstellung gelingen. Im Rahmen einer professionellen Ernährungsberatung mit geschulten Diätologinnen bzw. Diätologen können all diese Aspekte miteinbezogen und die Ernährungstherapie somit individuell abgestimmt werden.