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Kosteneffektivität von organisiertem versus opportunistischem Brustkrebs-Screening in Österreich


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Hintergrund

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Österreich. Die altersstandardisierte Brustkrebsmortalität ist seit Mitte der 1990er gesunken, bei steigender Brustkrebsinzidenz. Dieser Anstieg korreliert mit dem Beginn des opportunistischen Brustkrebsscreening, das im Jahr 2014 von einem dezentralen organisierten Screening abgelöst wurde. Ziel der Arbeit ist die Abschätzung der Kosteneffektivität eines organisierten Screeningprogramms zur Früherkennung von Brustkrebs verglichen mit dem opportunistischen Screening in Österreich mittels eines entscheidungsanalytischen Modells.


Methode

Es wurde ein Mikrosimulationsmodell entwickelt und validiert um die gesundheitlichen Effekte und Kosten des organisierten Screening und des etablierten opportunistischen Screening für Frauen ab dem 40. Lebensjahr mit einem durchschnittlichen Brustkrebsrisiko zu untersuchen. Die Base-Case-Analyse vergleicht organisiertes Screening mit Mammographie alle 2 Jahre mit der im opportunistischen Screening üblichen Praxis für Frauen vom 45. bis zum 69. Lebensjahr sowie mit einem Nicht-Screening Arm. Wir berechneten das inkrementelle Kosten-Effektivitäts Verhältnis (ICER) in Bezug auf die Kosten (2012 €) und die gewonnenen Lebensjahre (LYG) aus der Perspektive des Gesundheitssystems mit einer jährlichen Diskontierungsrate von 3% und einem lebenslangen Zeithorizont. Deterministische und probabilistische Sensitivitätsanalysen wurden zur Abschätzung der Unsicherheiten der Modellannahmen und Modellergebnisse durchgeführt.


Ergebnisse

Die Kosteneffektivitätsanalyse ergab eine höhere Effektivität des organisierten Screening in Bezug auf die gewonnen Lebensjahre bei niedrigeren Kosten im Vergleich zum opportunistischen. Das organisierte Screening dominiert das opportunistische und hat im Basisszenario bei einer Teilnahmerate von 60% ein inkrementelles Kosten-Effektivitäts Verhältnis von circa 20.000 EUR/LYG gegenüber keinem Screening. Höhere Teilnahmeraten, jedoch nicht die Sensitivität der Mammographie führen beim organisierten Screening zu einer höheren Kosten-Effektivität.


Schlussfolgerung

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein Mikrosimulationsmodell gewählt. Aspekte der Lebensqualität durch Screening wurden in dem Modell nicht berücksichtigt, da ein standardisiertes Set von Nutzwerten fehlt. Eine Berücksichtigung hätte möglicherweise die Ergebnisse verändert. Sowohl opportunistisches als auch organisiertes Screening senkt die brustkrebsspezifische Mortalität, allerdings ist das organisierte Screening effektiver und kostengünstiger im Vergleich zum opportunistischen Screening. Diskontierungs- und Teilnahmeraten haben einen deutlichen Einfluss auf die Kosteneffektivität. Bei einer Zahlungsbereitschaft von 50.000 EUR/LYG liegt die Wahrscheinlichkeit, dass organisiertes Screening kosteneffektiv ist, bei 70%. Trotz einer gewissen Unsicherheit dürfte die Entscheidung für ein organisiertes Screening in Österreich ein vernünftiger Einsatz von knappen Ressourcen im Gesundheitssystem sein.